Gelesen: Hexenjäger von Max Seeck

Erschienen bei Lübbe am 21.12.2020

Worum geht’s?
Ein Mörder stellt die Morde einer Bestseller-Trilogie nach. Die Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team ermitteln, doch es scheint als sei der Täter ihnen immer genau einen Schritt voraus. Dann fällt auf, dass die Opfer Jessica verblüffend ähnlich sehen…

Das Buch und ich…

  1. Warum ich das Buch lesen wollte
    Ein kurzer Titel, ein düsteres Cover, bei dem man beinahe die Kälte und die Gänsehaut spürt, die mir im Thriller-Genre wichtig sind. Dazu eine kurze Inhaltsbeschreibung, bei der ich sofort angefixt war und wissen wollte a)wie die Morde ausgeführt wurden, b)wie der Täter an die Informationen kommt, die er benötigt, um der Polizei voraus zu sein und c)was das alles mit der Kommissarin zu tun hat oder ob das ein Zufall ist. Dazu ziehen mich finnische Autoren an, da gerade aus Skandinavien richtig gute Thriller kommen
  2. Wie war’s beim Lesen?
    Den Schreibstil habe ich als recht nüchtern empfunden, was mich nach einer Lesepause immer für zwei bis drei Sätze aus dem Tritt gebracht hat, doch ich habe jedes Mal wieder schnell in die Geschichte hineingefunden. Es gibt zwar keine ausgeschmückten Beschreibungen, man erhält jedoch alle wichtigen Informationen, die sich in meinem Kopf zu relativ deutlichen Bildern zusammengefügt haben. Auch die leicht düstere Atmosphäre, die unter anderem durch den Hintergrund der Mordserie entsteht, ist deutlich spürbar.
  3. Die Personen
    Die Kommissarin Jessica gilt bei ihren Kollegen als schwierig und außer ihrem Vorgesetzten Erne scheint sie niemand wirklich zu kennen. Im Lauf des Buches erfährt man Einiges über ihre Vergangenheit, so dass mit der Zeit ein deutlicheres Bild von ihr als Person entsteht. Neben Erne gibt es noch zwei Männer, die in ihrem Leben eine etwas größere Rolle spielen, wobei Jessica auch diese nicht allzu nahe an sich heran lässt. Da ist ihr Kollege Yussuf, mit dem sie ein Team bildet, und Fubu, mit dem sie eine unverbindliche Beziehung hat, die auf gelegentlichen Treffen basiert, bei denen sie Sex haben.
  4. Die Story
    Die Geschichte an sich ist vom ersten Moment an spannend – auch was Jessicas Vergangenheit betrifft, auch wenn diese sich anfangs eher störend anfühlt weil nichts aufregendes passiert. Jedes Mal, wenn man glaubt, dem Täter auf der Spur zu sein gibt es eine überraschende Wendung, die sich gut in die Geschichte einfügt und nicht konstruiert wirkt. So sind die Ermittler (ebenso natürlich der „mitermittelnde“ Leser) immer wieder gezwungen, ihre bislang gewonnenen Fakten neu zu sortieren und Schlüsse zu ziehen.
  5. Was möchte ich sonst noch zu diesem Buch sagen?
    Außer, dass ich es super finde? Hm, eine Menge.
    Die Idee, das Morde nach dem Vorbild einer Bestseller-Trilogie verübet werden, ist zwar nicht neu, aber ich war neugierig, wie der Autor es in diesem Buch umgesetzt hat. Um die Antwort vorweg zu sehen – er hat es grandios gemacht. Denn obwohl die Ermittler den richtigen Ansatz verfolgen, so scheint es doch, dass der oder die Täter ihnen immer genau einen Schritt voraus sind und dass ein Plan dahinter steckt, der sich weder der Polizei noch dem Leser erschließt. Mehr als einmal muss die entwickelte Theorie über den Haufen geworfen werden, so wird die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten und das Buch wirkt zu keinem Zeitpunkt in die Länge gezogen.

Fazit

Wenn man mit diesem Buch angefangen hat, ist es schwer wieder aus der Hand zu legen. Ein hohes Erzähltempo, eine unverschnörkelte Erzählweise, durchgängig spannend und mit überraschenden Wendungen.
Dieses Buch gehört zu meinen Top 10 des Jahres, vielleicht sogar zu den Top 5.

Gelesen: Don’t love me von Lena Kiefer

ab 14 Jahre, erschienen am 12.10.20 bei cbj

Worum geht’s?
Nachdem ihr geplantes Design-Praktikum abgesagt wird, nimmt Kenzie notgedrungen die Möglichkeit war, eines in Schottland zu machen. Dort lernt sie den Sohn der Hotelbesitzerin kennen, Lyall, der jedoch alles andere als beliebt ist – im Gegenteil, sie wird sogar vor ihm gewarnt. Doch sie kann die Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrscht, nicht ignorieren…

Das Buch und ich...

  1. Warum ich dieses Buch lesen wollte
    Eine junge Frau, die einen eigenen Campervan besitzt und damit quasi ans Ende des Landes fährt um ein Praktikum fürs Studium zu machen… Das ist jetzt vielleicht nichts weltbewegendes, aber ich bin ein großer Fan von Campervans – erst recht, wenn sie einen Namen haben. Und Schottland gibt als Setting einiges her, man braucht eben nicht immer pulsierende Metropolen für tolle Geschichten.
  2. Wie war’s beim Lesen?
    Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, ich war schnell in der Geschichte drin und mindestens ebenso schnell in der schottischen Umgebung versunken. Tatsächlich hat mich besonders der Campervan Loki und die Natur Schottlands begeistert, es war fast so, als wäre ich selbst hingefahren.
  3. Die Personen
    Ich tue mich ja immer etwas schwer mit Protagonisten, die die Familie am Laufen halten obwohl noch ein Elternteil da ist, das an sich bei klarem Verstand ist, aber sei’s drum. Ich mochte Kenzie trotzdem. Weil sie die Dinge anpackt, weil sie ihren Campervan selbst ausgebaut hat und sie ein Ziel vor Augen hat. Lyall mochte ich auch, wobei er natürlich manchmal ein echter Kotzbrocken sein kann, was in dieser Art Geschichte ja immer mit den tragischen Dingen erklärt werden kann, die alles kompliziert machen.
  4. Die Story
    Ach ja, patentes Mädchen trifft auf Badboy bzw. gutaussehenden Typen mit einem Geheimnis in der Vergangenheit. Aber man weiß ja, was einen prinzipiell in diesem Genre erwartet. Kenzie will eigentlich gar nicht weg von Zuhause, aus Angst, dass dort dann einiges schief läuft, aber sie braucht dieses Praktikum um ihr Studium so schnell wie möglich beenden zu können. Lyall will einfach nur die vorgeschriebene Zeit in Schottland verbringen und dabei möglichst unsichtbar bleiben, er zieht jedoch allein durch seine Anwesenheit den Unmut der Einwohner des Dorfes auf sein und auch Kenzie macht es ihm nicht gerade leicht. Schlagfertige Dialoge, ein wenig Romantik, eine Prise Drama. Fertig.
  5. Was möchte ich sonst noch zu diesem Buch sagen?
    Da es der erste Teil einer Trilogie ist, war mir ja klar, dass am Ende nicht alle Unklarheiten beseitigt sein können, aber dann kommt dieser wirklich fiese Cliffhanger von dem man einerseits total begeistert ist (weil er toll gemacht ist), den man andererseits total doof findet (weil man ja unbedingt SOFORT weiterlesen will, aber noch eine gefühlte Ewigkeit auf die Fortsetzung warten muss). Also: am Besten ihr lest erst, wenn ihr alle drei Teile zu Hause habt.

Fazit
Für mich einer der besten Romane des Genres NA/YA, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Ideal zum Wegträumen für gemütliche Lesestunden, am besten ungestört, damit man das Buch nicht aus der hand legen muss – das ist nämlich schwer.