gelesen: Arne Hoffmann – Quickies

erschienen am 31.03.2021 bei Blue Panther Books

Worum gehts?
Wie der Titel schon sagt, es geht um schnellen Sex an ungewöhnlichen Orten. Wie man sich dem Thema annähern kann und was man tun kann (oder sollte) damit es ein erfüllendes Erlebnis und kein totaler Reinfall wird.

Wenn man bekanntermaßen viel liest, wird man hin und wieder nach der aktuellen Lektüre gefragt. Zugegeben, je nachdem wer mir diese Frage stellt, nenne ich auch schonmal den Titel des Buches, das ich vor dem aktuellen gelesen habe. Manchen Leuten möchte man vielleicht einfach nicht auf die Nase binden, womit man sich so beschäftigt. Aber das kommt eher selten vor. Ich habe ja zudem den Vorteil, in einer Buchhandlung zu arbeiten und da ist es ratsam, sich durch so ziemlich alles zu lesen, was man finden kann.
Trotzdem hier mal zwei Beispiele wohin sich bei mir die „Was liest du?“ Frage entwickeln kann.

Was liest du?
„Quickies. Sex an ungewöhnlichen Orten. Erotik Ratgeber.“

Echt jetzt? Warum?
„Weil ich grundsätzlich neugierig bin. Auf alles. Naja, fast alles. Außerdem ist Sex ein allgegenwärtiges Thema.“

Hmmm…

Es folgt der Moment des nachdenklichen Schweigens, in dem mein Gegenüber entweder darüber nachdenkt, wie man am geschicktesten auf ein unverfänglicheres Thema überleitet, oder darüber, ob da nicht vielleicht doch eine Frage zum Buch oder zum Thema im Kopf herumspukt, die gestellt werden könnte. Falls die Hemmschwelle überwunden werden kann.

Ein gänzlich anderer Gesprächsverlauf würde mich bei meinem besten Freund erwarten.

Big: „Was liest du?“
Ich: „Quickies. Sex an ungewöhnlichen Orten. Ein Erotik Ratgeber.“

Auf seinem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus bei dem ich gar nicht fragen muss, was ihm gerade durch den Kopf geht und bei dem ich genau weiß, was als nächstes passiert. Er wird Fragen stellen. Fragen, die mir nicht gefallen, weil sie mich dazu zwingen, mich aus meiner persönlichen Komfortzone hinauszubewegen.
Big: „Interessant. Und?“
Ich: „Offenbar sind Quickies eine Wissenschaft für sich, die ausreichende Planung für eine erfolgreiche Umsetzung benötigen.“

Er grinst schon wieder. Weil er ebenso gut wie ich weiß, dass meine Antwort zwar eine Antwort war, allerdings nicht das, was ihn tatsächlich interessiert.
Big: „Um welche ungewöhnlichen Orte geht es?“
Ich: „Balkon, Aufzug, Restauranttoilette, Auto, Wald, Wasser… Ich bin mir allerdings gerade nicht sicher, ob die die tatsächlich als so ungewöhnlich bezeichnen würde.“

Das ist der Moment, in dem Big völlig schmerzbefreit eine Frage raushaut, die ihm in diesem Moment durch den Kopf geht, mir jedoch die Schamesröte ins Gesicht treibt.
Big: „Was davon hast du schon durch?“

STOPP!

Ich erspare euch (und vor allem mir) die Antwort, gebe aber zu, dass er eine bekäme (auch wenn ich mir in dem Moment vermutlich lieber einen Knoten in die Zunge machen würde). Eine die ihn ein wenig überrascht, zu weiteren Nachfragen führt (auf dich ich ebenfalls antworte) bis wir irgendwann an den Punkt gelangen, an dem wir an die sich stetig verändernden Grenzen unserer Freundschaft stoßen und uns über andere Dinge unterhalten.

Ich habe dieses Buch also gelesen. Es liest sich ganz gut (nicht nach „Bedienungsanleitung“ obwohl es irgendwie genau das ist), lässt einen hin und wieder Schmunzeln (Thema: Sex im Auto. Da ist immer etwas im Weg. Entweder man stößt irgendwo dran, drückt auf die Hupe oder löst die Alarmanlage aus.), bietet aber auch ein paar Informationen, die man bislang wohl nicht unbedingt hatte (Sex in der Öffentlichkeit ist keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Zumindest in Deutschland. Obacht wenn ihr im Ausland auf solche Ideen kommt…).

Gelesen: Don’t love me von Lena Kiefer

ab 14 Jahre, erschienen am 12.10.20 bei cbj

Worum geht’s?
Nachdem ihr geplantes Design-Praktikum abgesagt wird, nimmt Kenzie notgedrungen die Möglichkeit war, eines in Schottland zu machen. Dort lernt sie den Sohn der Hotelbesitzerin kennen, Lyall, der jedoch alles andere als beliebt ist – im Gegenteil, sie wird sogar vor ihm gewarnt. Doch sie kann die Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrscht, nicht ignorieren…

Das Buch und ich...

  1. Warum ich dieses Buch lesen wollte
    Eine junge Frau, die einen eigenen Campervan besitzt und damit quasi ans Ende des Landes fährt um ein Praktikum fürs Studium zu machen… Das ist jetzt vielleicht nichts weltbewegendes, aber ich bin ein großer Fan von Campervans – erst recht, wenn sie einen Namen haben. Und Schottland gibt als Setting einiges her, man braucht eben nicht immer pulsierende Metropolen für tolle Geschichten.
  2. Wie war’s beim Lesen?
    Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, ich war schnell in der Geschichte drin und mindestens ebenso schnell in der schottischen Umgebung versunken. Tatsächlich hat mich besonders der Campervan Loki und die Natur Schottlands begeistert, es war fast so, als wäre ich selbst hingefahren.
  3. Die Personen
    Ich tue mich ja immer etwas schwer mit Protagonisten, die die Familie am Laufen halten obwohl noch ein Elternteil da ist, das an sich bei klarem Verstand ist, aber sei’s drum. Ich mochte Kenzie trotzdem. Weil sie die Dinge anpackt, weil sie ihren Campervan selbst ausgebaut hat und sie ein Ziel vor Augen hat. Lyall mochte ich auch, wobei er natürlich manchmal ein echter Kotzbrocken sein kann, was in dieser Art Geschichte ja immer mit den tragischen Dingen erklärt werden kann, die alles kompliziert machen.
  4. Die Story
    Ach ja, patentes Mädchen trifft auf Badboy bzw. gutaussehenden Typen mit einem Geheimnis in der Vergangenheit. Aber man weiß ja, was einen prinzipiell in diesem Genre erwartet. Kenzie will eigentlich gar nicht weg von Zuhause, aus Angst, dass dort dann einiges schief läuft, aber sie braucht dieses Praktikum um ihr Studium so schnell wie möglich beenden zu können. Lyall will einfach nur die vorgeschriebene Zeit in Schottland verbringen und dabei möglichst unsichtbar bleiben, er zieht jedoch allein durch seine Anwesenheit den Unmut der Einwohner des Dorfes auf sein und auch Kenzie macht es ihm nicht gerade leicht. Schlagfertige Dialoge, ein wenig Romantik, eine Prise Drama. Fertig.
  5. Was möchte ich sonst noch zu diesem Buch sagen?
    Da es der erste Teil einer Trilogie ist, war mir ja klar, dass am Ende nicht alle Unklarheiten beseitigt sein können, aber dann kommt dieser wirklich fiese Cliffhanger von dem man einerseits total begeistert ist (weil er toll gemacht ist), den man andererseits total doof findet (weil man ja unbedingt SOFORT weiterlesen will, aber noch eine gefühlte Ewigkeit auf die Fortsetzung warten muss). Also: am Besten ihr lest erst, wenn ihr alle drei Teile zu Hause habt.

Fazit
Für mich einer der besten Romane des Genres NA/YA, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Ideal zum Wegträumen für gemütliche Lesestunden, am besten ungestört, damit man das Buch nicht aus der hand legen muss – das ist nämlich schwer.