Blog like nobody’s reading…

Blogge als würde niemand es lesen.

Dieser kleine Satz klingt so leicht und wie oft habe ich mir schon meinen alten Blog zurückgewünscht, in dem ich einfach drauflos geschrieben habe. Wo ich alles, was mir gerade durch den Kopf ging, hemmungslos in Worte gefasst und der Öffentlichkeit mitgeteilt habe. Zugegeben, es war eine sehr kleine Öffentlichkeit, aber es gab Menschen, die regelmäßig meine Beiträge gelesen und kommentiert haben. Besonders in Erinnerung wird mir der Kommentator mit dem Namen „Sternenschein“ bleiben, ein älterer Herr in den 70ern, der selbst regelmäßig Beiträge verfasst und mich über Jahre begleitet hat bis er schließlich starb.
Der Blog wurde irgendwann ohne Vorwarnung seitens des Betreibers vom Server genommen und ging in die ewigen Jagdgründe des WWW ein. Durch Tipps einiger computernerdiger Mitblogger konnte ich ein paar Artikel retten was nichts an der Tatsache änderte, dass ich am Boden zerstört war weil ich das Gefühl hatte, ein Teil meines Lebens sei mir genommen worden.
Lang ist’s her…

Mittlerweile bin ich eine begeisterte Instagrammerin und poste – auf gut deutsch gesagt – so ziemlich jeden Scheiß. Ich liebe es auch, dort anderen zu folgen und mir anzuschauen, was die so machen. Welche Bücher sie lesen, was sie kochen, wie sie leben.
Um ehrlich zu sein, genau dafür liebe ich das Internet. Weil ich so interessiert an anderen „normalen“ Menschen bin und ich so die Möglichkeit habe, einen kleinen Einblick zu bekommen. Ich bilde mir nicht ein, die Menschen hinter den Accounts zu kennen, wobei ich den einen oder anderen tatsächlich gerne kennenlernen würde falls sich die Gelegenheit ergibt.

Auf Instagram poste ich teilzensiert. Vermutlich nicht zuletzt, weil etwa 70% meiner Follower im selben Dorf wohnen oder mich zumindest tatsächlich persönlich kennen. Aber je älter ich werde, umso mehr frage ich mich, warum ich das mache. Klar, ich möchte niemanden bloßstellen oder sonstwie Persönlichkeitsrechte verletzen, aber was mich betrifft… könnte da meine kleine Instagramwelt – oder auch mein Umfeld im Allgemeinen – nicht ein bisschen mehr Offenheit vertragen? Wie würde ICH mich fühlen, wenn ich wieder ein bisschen mehr „frei von der Leber weg“ erzählen würde?

Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder ob auch die Erfahrungen, die man im Leben so macht, dabei eine Rolle spielen, aber was mich betrifft kann ich sagen, dass es mich zunehmend weniger kratzt was andere über mich denken. Zumindest bei den meisten Menschen, bei denen, die mir nahe stehen ist das ein bisschen anders, aber auch hier ändert sich das gerade massiv.
Denn, mal ehrlich, haben wir bei manchen Dingen nicht hin und wieder das Gefühl, dass es nur uns so geht? Und wäre es nicht schön zu wissen, dass wir damit eben nicht allein sind? Es braucht doch nur jemanden, der mutig genug ist, den ersten Schritt zu machen um andere zu ermutigen es nachzumachen.
Vermutlich wird es Menschen geben, die hinter meinem Rücken über mich reden und sich darüber lustig machen, was ich alles nicht schaffe obwohl ich ständig davon erzähle. Sollen sie doch. Scheitern gehört zum Leben, man wächst daran mehr als wenn immer alles glatt geht, und wie blöd wäre es denn, es nicht wenigstens zu versuchen?

Also habe ich beschlossen, mutiger zu sein. Offener zu sein.
Ein bisschen „back to the roots“ ein bisschen mehr „blog like nobody’s reading“.
Und ganz viel „sch*** drauf was andere denken“.
Ich muss nicht von allen gemocht werden – nur von denen, die mir wichtig sind (und die kennen meine Macken schon).

Die Schublade, in die wir am besten passen, ist unsere eigene

Wie so oft, wenn ich mit Big zusammensitze und wir uns über Gott und die Welt unterhalten, habe ich mir gestern die Frage gestellt, was wir eigentlich sind. Denn egal wie ich es drehe und wende, ich komme jedes Mal an den Punkt, an dem ich feststelle, dass „Freunde“ für mich irgendwie nicht die Schublade ist, die unsere Beziehung definiert.
Ich weiß, dass sich allein schon beim Wort „Schublade“ viele entsetzt an den Kopf fassen, aber macht euch mal bewusst, wie sehr wir alle unser Leben in Kategorien einteilen ohne es zu merken. Und das aus gutem Grund. Denn wenn wir uns immer auf die Vielfalt konzentrieren würden, wäre unser Gehirn in einem Zustand ständiger Überforderung.


Ein Beispiel:
Familie: alle, mit denen wir verwandt sind, egal ob blutsverwandt, angeheiratet, adoptiert
Freunde: die, denen wir nahestehen
Bekannte: die, mit denen wir hin und wieder etwas unternehmen, mit denen wir aber keine engere Bindung haben


Logisch? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber was ist, wenn du und deine beste Freundin gefühlt jeden Tag eures Lebens miteinander verbracht habt und ihr gegenseitig immer bei Familienfeiern dabei seid und ihre Mutter sich besser um dich kümmert als deine eigene es je getan hat? Ist es dann immer noch „nur“ Freundschaft oder schon sowas wie Familie?
Und was ist mit dem Ex, von dem ihr euch nur getrennt habt, weil ihr als Paar nicht funktioniert aber ansonsten hervorragend miteinander klar kommt. Ist der dann automatisch „nur“ ein Freund?

Big hat mir das Herz gebrochen. Mein theatralisches junges Ich würde hinzufügen: „Mehrfach“. Und das weiß er, denn ich habe es ihm gesagt. Auf der anderen Seite hat er aber auch eine bei mir „repariert“ was andere vor ihm kaputt gemacht haben. Auch das habe ich ihm gesagt. Beides war, aus heutiger Sicht betrachtet, in einem anderen Leben. Mittlerweile sind wir fast zwei Dekaden älter, reicher an Erfahrung und haben einen anderen Blick auf die Dinge. Dass er mir das Herz gebrochen hat ist, ebenso wie die Reparaturgeschichte, weiterhin Fakt, aber ohne diese Erfahrungen wäre ich nicht an den Punkt gekommen, an dem ich jetzt bin.

Wir haben uns eine Zeit lang aus den Augen verloren und so sehr ich auch in meinem Gedächtnis krame, ich kann mich nicht erinnern, wann und wie genau wir wieder zusammengefunden haben. Aber seit dem ist er mir enorm wichtig geworden.

Man sagt ja oft „mit meiner/m besten Freund/in kann ich über alles reden“, aber Hand aufs Herz, redet ihr dann wirklich über ALLES? Ich erzähle meiner besten Freundin schon eine Menge, aber ALLES erzähle ich ihr nicht. Bei Big hingegen komme ich schon sehr nahe dran. Manches kitzelt er (im übertragenden Sinn) aus mir raus, beim Rest sträube ich mich noch ein wenig weil ich manchmal unsicher bin, wieviel Ehrlichkeit wir untereinander aushalten.
Spoiler: mehr als ich dachte (das stelle ich zumindest immer wieder fest)
Hm, jetzt drängt sich mir gerade die Frage auf, wieviel „alles“ er mir zumutet. Mehr als früher, soviel ist mal sicher. Hin und wieder denke ich auch „mehr als ich vertragen kann“, was sich aber jedes Mal als falsch herausstellt.

Big bringt mich an meine Grenzen. Er schiebt mich bis an diese Tür, an die ich ein „bis hier her und nicht weiter“-Schild gehängt habe, woraufhin ich in der Regel erstmal einen Schritt zurück mache nur um im nächsten Moment das Schild abzuhängen und durch diese Tür hindurchzuspazieren. Er lässt mich wachsen. Das sollte ich ihm vielleicht auch mal sagen. Komplimente werden ja ohnehin viel zu selten verteilt.
Obwohl wir so verschieden sind (sind wir das wirklich oder kommt es mir nur so vor?) sind wir uns in vielen Dingen überraschend ähnlich und wenn es eine Schublade gibt, in die wir ganz hervorragend hineinpassen, dann ist das unsere eigene.

Der Speck muss weg…

Ich esse gerne. Ich esse gerne viel und vor allem esse ich am liebsten die falschen Dinge. Chips. Torte. Eis. Auflauf, großzügig mit Käse überbacken.
Morgens, mittags, abends – und gerne auch zwischendurch.
Dass das auf Dauer nicht gesund ist, weiß ich und natürlich spiegelt sich das auch in meinem Gewicht wieder. Ich sehe ja nicht umsonst so aus, wie ich aussehe.

Wie viele andere Menschen mit Übergewicht habe ich mehr als einmal versucht, dieses loszuwerden. Ich habe mich tagelang von Shakes ernährt, mich für vier Monate der Ernährungsmafia (ihr wisst schon…) angeschlossen, mich mit einer Gruppe von Bloggern mehreren Abnehmchallenges gestellt und unterschiedliche Ernährungsformen ausprobiert. Ich hatte mit allem davon Erfolg, aber auf Dauer habe ich nichts durchgehalten.

Warum nicht?
Weil ich gerne esse. Und weil ich zwei Dinge absolut nicht dauerhaft ertrage: Bücher lesen zu “müssen” und Vorschriften darüber was ich essen darf und was nicht.
That’s it.

Man sollte meinen, dass ich so langsam vom Scheitern die Nase voll habe, aber: NEIN. Ich finde ohnehin, dass man
A) erst gescheitert ist, wenn man aufhört es zu versuchen
und
B) Scheitern an sich nichts Schlimmes ist, denn jeder von uns hat Grenzen und sich überhaupt erstmal dorthin vorzuwagen, ist ja auch schon eine Leistung.

Nachdem ich mir in 7 Tagen Urlaub satte 4,3kg draufgefuttert habe, war ich fest entschlossen, diese so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Da ich seit einer Weile wieder ganz old school Kalorien zähle (was auf Grund mangelnder Disziplin und Stress bislang eher so semi-erfolgreich war), machte ich mich in den unendlichen Weiten des WWW auf die Suche, nach kalorienarmen Rezepten, die schnell, einfach, lecker und aus möglichst “normalen” Zutaten bestehen. Ich brauche richtiges Essen und Smoothiebowls mögen zwar gut aussehen, fallen für mich aber allenfalls in die Kategorie “Nachtisch” und wenn ich “Chiasamen” und “Flosamenschalen” schon höre stellen sich mir sämtliche Nackenhaare hoch. Abgesehen davon, habe ich ja noch einen Mann zu Hause und definitiv keine Lust, für ihn extra zu kochen. Ich meine, ihm zusätzlich ein Schnitzel in die Pfanne zu werfen ist ja nicht das Problem. Aber mir einen Salat schnibbeln und für ihn Schweinebraten mit Knödeln und Rotkohl kochen? No way. Mitgefangen, mitgehangen.

Wo waren wir? Ach ja, die Rezeptsuche im Internet. Der Vorteil an Foodbloggern auf Instagram ist ja, dass immer gleich auch ein Foto dabei ist. Sieht lecker aus – was ist das? Schnell den Text überflogen, in Favoriten gespeichert, fertig. Sogar gleich mit Kalorienangabe (natürlich nur, wenn es sich um die Foodblogger handelt, die sich mit leckerem Gewichtsverlust beschäftigen). So landeten zig Rezepte in einer Instagram-Collection und ich ging einkaufen.
Mein Kühlschrank ist nun gefüllt mit Quark, Frischkäse, Hüttenkäse, Kochschinken und Eiern sowie diversen Einmachgläsern mit von mir vorbereitetem Essen “to go” oder “to in der Mikrowelle aufwärmen” und im Gefrierschrank stapelt sich tonnenweise TK-Gemüse.
Gemüse!!!
Es ist nicht so, dass ich Gemüse nicht mag. Ich bevorzuge halt andere Lebensmittel. Fleisch und Nudeln zum Beispiel. Oder Brot. Ich könnte mich tagelang von Brot ernähren ohne dass mir etwas fehlen würde. Mit Wurst, Käse, Lachs, Marmelade oder Nutella. Kein Problem. Nicht gesund, aber unkompliziert und lecker.

Die ersten Rezepte sind gekocht, probiert und für gut (oder weniger gut) befunden worden und wandern in den Rezepteordner. Also, den richtigen Ordner, zum Anfassen, mit Rezepten, die auf Papier geschrieben wurden. Die haben nämlich den Vorteil, dass sich da kein Bildschirm in den Off-Modus schaltet wenn ich mal zehn Sekunden nicht draufschaue.

Die erste Woche nach dem Urlaub ist rum und ich bin schon 3 kg wieder losgeworden. Allein durch Essen. Viel Essen. Leckeres Essen.
So kann es weitergehen.

gelesen: Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

Schule fertig, und dann?
Während die Einen ihr Ziel längst fest vor Augen haben, sind andere noch auf der Suche. Gerade das stellt in der heutigen Zeit oft ein Problem dar: Soll ich Studieren und wenn ja, welches Fach, an welcher Uni? Soll ich eine Ausbildung machen? Oder vielleicht doch erstmal ein Jahr Pause – Reisen, ein Praktikum, ein soziales Jahr?
Ulrike Bartholomäus hat sich mit der Frage beschäftigt, warum es den Schulabgängern oft so schwer fällt, sich zu entscheiden. Dafür hat sie Interviews mit ihren „Forschungsobjekten“ geführt, bzw. sie von Gleichaltrigen befragen lassen, mit Experten gesprochen und lässt uns Leser nun an ihren Ergebnissen teilhaben. Auf teils erheiternde, teils erhellende Art und Weise bekommen wir Einblicke in das Gehirn von Heranwachsenden und Hinweise für Do’s und Don’ts im Umgang mit ihnen.

Wie ich zu diesem Buch kam – und warum ich es lesen MUSSTE
Dieses Buch ist mir durch Zufall in die Hände gefallen. Während meine Neffen sich mit Vater und Onkel beim Mario Kart an der Switch vergnügten und meine Schwester chillend auf dem Wohnzimmerfußboden lag, griff ich nach einem der Bücher, von denen immer ein paar unter dem Couchtisch zu finden sind. Was mir sofort ins Auge fiel, waren nicht die Illustration oder der Titel. Es war der Untertitel. „Die große Orientierungslosigkeit nach der Schule“.
Auf einen Schlag fühlte ich mich in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts versetzt, das Jahrzehnt, in dem ich die Schule beendete und absolut keine Ahnung hatte, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich hatte nach der Realschule noch ein Jahr „Höhere Handelsschule“ drangehängt und da ich immer noch keinen Plan hatte, folgte ich erstmal dem Rat meines Vaters. Der da lautete: „Lern was Anständiges, geh ins Büro“. Die vier Wochen beim Rechtsanwalt, inklusive einer Berufsschulklasse voller Zickenweiber, waren die Hölle. Mein Traum war das Abitur (aber weder mein Erziehungsberechtigter noch der Direktor des örtlichen Gymnasiums hielten mich für qualifiziert). Ich zog um, überbrückte die Zeit bis zum nächsten Schuljahr mit einem Praktikum im Kindergarten (und wusste dann, dass ich das NICHT machen will) bevor ich mich am Gymnasium versuchte, das ich mit der Fachhochschulreife verließ. Natürlich hatte ich immer noch keine Ahnung, was ich machen wollte. Probierte herum, brach eine weitere Ausbildung ab und stand mit 22 plan- und ziellos im Nirgendwo. Ich machte mich schlau, fand raus, dass eine Ausbildung zur Landwirtin mit meinem Schulabschluss in 2 Jahren zu machen war und dachte „okay und wenn das nichts ist, habe ich wenigstens einen Abschluss und kann danach immer noch was anderes machen“. Es stellte sich heraus, dass das aber genau mein Ding war…
Was hätte ich drum gegeben in der Zeit auch nur einmal das Gefühl vermittelt zu bekommen, „normal“ zu sein. Ich hatte den Eindruck, alle um mich herum wüssten ganz genau, was sie wollten. Alle – außer mir.

„Reife braucht Zeit, wer nicht sofort durchstarten möchte, sollte sich eine Auszeit nehmen. Nur monatelanges Chillen ist Gift fürs Gehirn.“

Ulrike Bartholomäus

Das Buch und ich
Der erste Teil des Buches ist mit „die große Orientierungslosigkeit“ überschrieben und beschäftigt sich mit den diversen Faktoren, die die Entscheidungsfindung der Jugendlichen beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel das Alter (das durch das Abitur nach 12 Jahren noch mehr in den Fokus rückt) und das Gefühlschaos in dem man sich in dieser Zeit des „Umbaus“ vom Kind zum Erwachsenen befindet. Und dann ist da plötzlich diese unfassbare Menge an Möglichkeiten, die einem offen stehen und es schwer machen, nun ausgerechnet die eine Sache zu finden, die zu einem passt. Es kommen Erinnerungen an die Zeit hoch, in der man selbst vor der Wahl stand, erst recht, wenn man selbst zur Fraktion der „Ahnungslosen“ gehört hat. Deshalb konnte ich da gut nachvollziehen, dass man sich erstmal entscheidet, sich noch nicht zu entscheiden. Zumal da ja noch die eigenen Eltern sind, die ihre ausgeprochenen oder unausgesprochenen Wünsche haben und sich schwer damit tun zu verstehen, was ihre Kinder umtreibt, und die – wenn das Kind nicht in die Puschen kommt – anfangen, ihrem Sprössling auch hier die Entscheidung abzunehmen bzw. ihn in die, vermeintlich richtige, Spur zu bringen. Aber nicht erst seit dem Lesen dieses Buches finde ich, dass man hin und wieder einen Schritt zurücktreten sollte um über die eigenen Erwartungen an sich und andere nachzudenken und sich zu fragen, in wie weit sich dort Überschneidungen finden lassen. Wir sollten wieder lernen, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind ohne ihnen unsere Vorstellung davon, wie sie zu sein haben, aufzudrängen.
Ein weiterer, nicht unerheblicher Faktor ist die virtuelle Welt. Sie bindet Energie und die Jugendlichen stehen unter permanentem Druck, sich von ihrer allerbesten Seite zu präsentieren – ihr zukünftiges Leben muss dafür etwas zu bieten haben und es muss perfekt sein, etwas anderes kommt nicht in Frage (und, ganz ehrlich, das geht nicht nur Jugendlichen so, sondern auch Erwachsenen, die sich in der virtuellen Welt herumtreiben). Aber auch Scheitern gehört dazu. Denn jede getroffene Entscheidung kann sich früher oder später als falsch erweisen. Dabei ist es egal ob man die Entscheidung aus eigenem Antrieb getroffen oder sich dazu hat drängen lassen. Manchmal passen Vorstellung und Realität einfach nicht zusammen – dann ist es Zeit für eine Kurskorrektur. Scheitern ist nicht schlimm – es gehört zum Leben dazu.
Die Kombination aus den Geschichten der Jugendlichen und den wissenschaftlichen Erläuterungen lässt die Thematik lebendig werden und fesselt den interessierten Leser von der ersten Seite an. Selbst, wenn man nur noch im Herzen jugendlich ist, kann man hier einiges mitnehmen.

Im zweiten Abschnitt geht es um das Erwachsenwerden. Vor allem der Teil, in dem es darum geht wie (und wie langsam) sich das menschliche Gehirn entwickelt und die Verknüpfung von Risikobereitschaft und Folgeeinschätzung fand ich hoch spannend. Erwachsen werden bedeutet herauszufinden, wer man ist und das geht am Besten durch Ausprobieren. Durch starke Zugangsbeschränkungen in beliebten Studiengängen wie Medizin gehen jedoch viele Möglichkeiten zum Ausprobieren verloren. Auch in diesem Abschnitt werden Misserfolge thematisiert, verbunden mit der Frage, was es braucht, um Krisen gut zu meistern. Stichwort: Resilienz. Die psychische Fähigkeit, gut mit Krisen umzugehen wird hier zwar sehr kompakt aber mit den wesentlichen Punkten behandelt. Ebenfalls nicht außer Acht lassen darf man die Suchtgefahr, die mit der zunehmend digitalen Welt einhergeht.

Im abschließenden dritten Teil, der sich vor allem an Eltern richtet, wird aufgezeigt, wie Eltern in dieser Phase der Entwicklung und der Entscheidungen am besten mit ihren Kindern umgehen sollten. Eltern müssen, so schwer es ihnen fallen mag, lernen, ihre Kinder ihren eigenen Weg finden zu lassen. In ihrem Tempo, auf ihre Art und Weise. Es geht darum zu reflektieren, ob es wirklich um die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder geht oder doch eher darum, dass das Kind den, aus Elternsicht, richtigen Weg entschlägt. Vielleicht ist es manchmal besser, sich rauszuhalten und eine andere erwachsene Bezugsperson mit den Jugendlichen ins Gespräch zu bringen um einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen.

Fazit:
Es fällt mir schwer das, was mir bezüglich des Buches durch den Kopf geht, in Worte zu fassen. Zum Einen habe ich es als sehr beruhigend empfunden, dass meine unkoordinierte Suche nach meinem Weg keine Ausnahme darstellt und ich, ohne es zu wissen, damals wohl einiges richtig gemacht habe. Ausprobieren, scheitern, einen neuen Weg finden, weitergehen.
Wenn die Schule vorbei ist stolpert man aus einem durchgetakteten Leben in ein Labyrinth aus Entscheidungen, die man selbst treffen muss. Das ist anstrengend. Das ist unbequem. Aber wir alle müssen / mussten da durch.
Das Buch hilft im Ansatz zu verstehen, was Jugendliche in dieser Phase ihres Lebens durchmachen, vor welchen Problemen sie stehen und wieso sie sich nicht dazu in der Lage sehen, Entscheidungen zu treffen. Mit diesem Wissen kann man (hoffentlich) gelassener mit dieser Situation umgehen ohne in die diversen Fallen zu treten, die sich Eltern in den Weg stellen.

Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?
von Ulrike Bartholomäus
erschienen am 01. April 2019 im BerlinVerlag
304 Seiten, 12,00 €
ISBN 978-3-492-31779-5

#alke.liest : Lesemonat Februar

Der Februar war nass, grau und stürmisch. Aber nicht nur deswegen hatte ich eine Menge Zeit zum Lesen. Nein, auch das böse C hatte irgendwie seinen Weg zu mir gefunden und verschaffte mir 10 Tage Quarantäne (ich war ja der Meinung eine ganz „normale“ Erkältung zu haben, aber die regelmäßigen Tests waren da anderer Ansicht).
Ehrlich, ich bin wirklich gerne zu Hause und kann ganz gut mit mir allein klar kommen, aber dieses eingesperrt sein geht echt nur sehr begrenzt. Wie habe ich die ausgiebigen Spaziergänge mit Elsa vermisst und wie sehr habe ich den ersten genossen als ich wieder „frei“ war… Aber kommen wir zum Thema des Beitrags…

Statistik:
gelesene Bücher: 16
gelesene Seiten: 4.146

Hörbücher: 6
Hörzeit: 45 h 40 min

SuB-Entwicklung
1.2.22: 480 (Print und eBooks)
vom SuB gelesen: 11
Zugänge: 9 (2 Print, 6 eBooks) + 1 Hörbuch (zähle ich nicht zum SuB)
28.2.22: 478 (Print und eBooks)

Ich bin zufrieden – wie immer. Am Monatsende haben wir zu viert einen Buddyread zu „Bella Germania“ von Daniel Speck gestartet und es zeigt sich mal wieder, dass manche Buchschätze viel zu lange auf dem SuB herumstehen… Der SuB, ach ja. Er ist wieder um zwei ganze Bücher geschrumpft. So wird das definitiv nichts mit der deutlichen Verkleinerung… Und sonst? Ich habe im Februar meine Sachbuch-Liebe (wieder-)entdeckt. Die werden mich jetzt öfter begleiten, zumal ich am Wochenende wieder zwei von meiner Schwester mitgenommen habe. Auf eins hatte ich schon gewartet, das andere habe ich ihr spontan weggeschnappt bevor sie es lesen konnte (die Rache dafür, dass sie mir öfter mal meine neuesten Kochbuch-/Ernährungsbuch-Errungenschaften aus dem Haus wegkauft – wobei ich ihr ihres zurückgeben werde, obwohl es wirklich sehr interessant war).

#alke.liest : Lesemonat Januar

In meinen persönlichen Top 12 der Monate landet der Januar unangefochten auf dem 12. Platz. Der Dezember mit der ganzen Beleuchtung und der weihnachtlichen Vorfreude ist vorbei, das neue Jahr hat begonnen und ist in den ersten Wochen in der Regel vor allem eins: grau.
Da bleibt nicht viel als sich ein Buch, eine Decke und Fußwärmer in Form eines Hundes zu schnappen und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. Also habe ich genau das getan wann immer sich mir die Gelegenheit dazu bot. Meistens haben Elsa und ich vorher einen ausgiebigen Spaziergang gemacht, so dass wir uns die Couchzeit auch verdient hatten.

Statistik:
gelesene Bücher: 14
gelesene Seiten: 4164

Hörbücher: 9
Hörzeit: 55 h 02 min

SuB-Entwicklung
1.1.22: 482 (Print und eBooks)
vom SuB gelesen: 10
Zugänge: 8 (1 Print, 7 eBooks) + 1 Hörbuch (zähle ich nicht zum SuB)
30.1.22: 480 (Print und eBooks)


Ich bin mit meinem Lese-(Hör-)monat zufrieden, aber das bin ich auch, wenn ich „nur“ 2 Bücher geschafft habe, denn Lesen ist mein Hobby und soll Spaß machen. Ich werde oft gefragt, woher ich die Zeit nehme, aber Hörbücher höre ich überwiegend bei der Arbeit (bei 8 Stunden als Reinigungskraft im Kindergarten kommen da im Monat allein schon locker 32 Stunden zusammen), beim Auto fahren oder mal bei langen Spaziergängen. Auch wenn der Fernseher mal aus bleibt merkt man schnell, wie viel Zeit zum Lesen dann plötzlich da ist.
Mal abgesehen davon, ist Lesen meine Therapie. Wenn ich in meinem Gedankenkarussell stecke und mir alles über den Kopf zu wachsen droht, greife ich zu einem Buch und flüchte dann erstmal woanders hin.
Im Februar wird sicher auch noch viel Zeit zum Lesen sein, dann kommt der Frühling und ein Haufen anderer Ideen warten noch darauf, umgesetzt zu werden. Ich lasse mich überraschen.
Und jetzt geh ich lesen…

#alkeliest : Jahresrückblick 2021

Mein Lesejahr…

2021 war ein sehr erfolgreiches Jahr was das Lesen (und Hören) von Büchern angeht. Bilderbücher, Kinderbücher, Romane, Krimis, Biografien, Sachbücher zu diversen Themen – es war von (fast) allem etwas dabei.

Wenn ich erzähle, wie viele Bücher/Hörbücher ich geradzu verschlungen habe, ist die erste Reaktion oft „wann liest du das alles?“. Es ist nicht so, dass ich nichts zu tun hätte: ich arbeite 25-30 Stunden in der Woche, dazu kommen mittlerweile auch ein Fernstudium, Hund, Haushalt und natürlich alles, was das Leben sonst so mit sich bringt: Familie, Arztbesuche, Hobbys. Fakt ist: nicht jedes Buch, das ich lese, ist ein 800 Seiten dicker Wälzer. Ein Bilderbuch hat meist nur 20-30 Seiten und ist schnell gelesen. Kinderbücher sind leicht geschrieben und von daher selbst mit 200 Seiten schnell durch. Hörbücher laufen nebenbei bei Job Nr.3, beim Auto fahren oder bei Spaziergängen. Und man glaubt gar nicht, wie viel Lesezeit man gewinnt, wenn der Fernseher einfach mal aus bleibt.
Nichtsdestotrotz, Lesen ist kein Wettbewerb und es ist völlig egal ob du im Jahr 1, 28 oder 300 Bücher im Jahr liest – hauptsache es macht dir Spaß.

Kommen wir nun zur Statistik…

Bücher/Hörbücher insgesamt: 210
davon… Printbücher: 64 (davon 44 selbst gekauft, 11 Leseexemplare und 9 geschenkt/geliehen)
eBooks: 54 (alles Leseexemplare)
Hörbücher: 92 (davon 16 gekauft, 1 gewonnen und 75 über audible und spotify gehört)
gelesene Seiten: 58.086 (Hörbücher sind mit den Seiten der Printausgaben eingerechnet)
Seiten pro Buch im Durchschnitt: 276,6

Der stärkste Lesemonat war der April mit 29, der schwächste Lesemonat der Dezember mit 10 Büchern.

Highlights (ich kann und will mich da nicht auf ein Buch festlegen)
„Sonnenseite“ von Roland Kaiser
„Jaffa Road“ von Daniel Speck
„Know me again“ von Jette Menger
„Dancing with Raven“ von Jana Hoch
die „Love NXT“-Reihe von Anne Pätzold
„Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

Lowlights (zum Glück nur sehr wenige)
„Der Übergang“ von Justin Cronin – habe ich trotz Buddyread nicht bis zum Ende geschafft
„Das kann uns keiner nehmen“ von Matthias Politicky – das habe ich als sehr zäh und langweilig empfunden
„1984“ von George Orwell – ich bin so froh, dass mir das in der Schule erspart geblieben ist

Hörbücher
Hörbücher habe ich erst vor 3 Jahren für mich entdeckt, besonders bei längeren Autofahrten sind sie für mich ein guter Zeitvertreib. Wenn ich allerdings den Haushalt mache, geht jedes Hörbuch an mir vorbei. Außer beim Putzen, da geht es…
Meine LIeblingsgenres im Hörbuchbereich sind vor allem Cosy Crime und mittlerweile auch die „leichten“ Liebesromane. Außerdem habe ich in diesem Jahr vieles auf Englisch gehört.

Lieblingsreihen im Cosy Crime…
+ „Tee? Kaffee? Mord!“ von Ellen Barksdale
+ „Sofia und die Hirschgrund-Morde“ von Susanne Hanika
+ „Bunburry. Ein Idyll zum Sterben“ von Helena Marchmont
+ „Cherringham. Landluft kann tödlich sein“ von Neil Richards und Matthew Costello
+ „Kloster, Mord und Dolce Vita“ von Valentina Morelli
+ die „Gitte Madsen“- Reihe von Frida Gronover
+ „Herr Heiland“ von Johann Simons
+ „Hummelstich“ von Katharina Schendel

weitere Lieblingshörbücher…
… die „Romantic Escapes“ Reihe von Julie Caplin (habe ich auf Englisch gehört)
… „Away with the Penguins“ von Hazel Prior (habe ich auf auf Englisch gehört – mein absolutes Highlight!)
… „Die sieben Schwestern“-Reihe von Lucinda Riley
… die Bücher von Jenny Colgan

Fazit:
Ich durfte im vergangenen Jahr in viele wunderbare Geschichten abtauchen und so den Alltag in diesen immer noch unsicheren Pandemiezeiten für eine Weile vergessen. Diverse Genres lieferten abwechslungsreiche Unterhaltung, neue Autoren und Autorinnen habe ich entdeckt und festgestellt, dass ein Hörbuch nur erträglich ist, wenn die Stimme des Vorlesenden einem zusagt.
Mit meinem Lesejahr bin ich mehr als zufrieden und freue mich auf ein weiteres Jahr mit tollen Büchern.

Neues Jahr, neues Glück – Hallo 2022

Während gerade überall Rückblicke auf das vergangene Jahr zu lesen sind, möchte ich lieber eine kleine Vorschau auf dieses Jahr wagen. Denn auch wenn 2021 in der Rückschau gar nicht so schlecht war, beschäftige ich mich momentan lieber mit den Dingen, auf die ich mich dieses Jahr freue bzw. die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe. Also…

Hallo neuer Monat. Hallo neues Jahr. Hallo neues Leben.

Neues Leben?
Natürlich nicht. Aber fühlt es sich nicht manchmal so an?

Die Weihnachtsfeiertage sind überstanden, die Tage dazwischen sind verstrichen – gefüllt mit Arbeit, Faulenzerei oder den letzten Aufräumarbeiten für einen guten Start ins neue Jahr. Man ist froh, das alte Jahr hinter sich zu lassen und schaut hoffnungsvoll auf das neue. Das Jahr in dem alles anders, leichter, besser wird. Das Jahr in dem man sich endlich alldem widmet, was im vergangenen nicht so richtig funktionieren wollte. Abnehmen, den Haushalt in den Griff kriegen, sich gesund ernähren und regelmäßig Sport treiben. Keine Geburtstage mehr vergessen, weniger Müll produzieren, die Karriereleiter raufklettern.
Neujahrsvorsätze können einen ganz schön unter Druck setzen, vor allem, wenn es zu viele sind. Denn dann steht man vor einem riesigen Berg Arbeit von dem man fast erschlagen wird und weil es so aussieht als würde man es ohnehin nicht schaffen, kann man es ja auch gleich sein lassen. Nichtsdestotrotz nehme ich mir trotzdem jedes Jahr eine Menge vor. Allerdings nicht mit der Maßgabe, es perfekt zu machen, sondern mit dem Ziel, es besser zu machen als im vergangenen Jahr. Manches klappt gut, manches weniger, aber im Großen und Ganzen komme ich jedes Jahr ein Stück voran.

VORFREUDE 2022

  1. Metropolen-Tour auf der Aida, mit einer Freundin, die ich ohne meinen damaligen Blog sicher nicht kennengelernt habe (aber ohne die ich vermutlich auch nicht auf die Idee gekommen wäre, eine Kreuzfahrt zu machen…). Ich reise gerne und habe auch kein Problem damit, alleine in den Urlaub zu fahren, aber wenn es ums Ausland geht, ist es mir irgendwie lieber, wenn jemand dabei ist. Wer weiß, vielleicht bin ich danach mutiger und verreise auch mal alleine in andere Länder…
  2. Urlaub im Harz. Meine Schwester und ich haben unserem Vater zum 80. Geburtstag eine Woche Urlaub in einer Ferienwohnung im Harz geschenkt. Einziger Haken an der Sache: er muss uns und die Jungs mitnehmen 😀 Nachdem ich 2020 schon Wanderurlaub im Harz gemacht habe und es mir überraschend gut gefallen hat, freue ich mich darauf, wieder hinzufahren und noch ein paar Stempel in meinem Wanderpass zu sammeln.
  3. Konzerte… Okay, wenn ich ehrlich bin, sehe ich noch nicht, dass die Sunrise Avenue Abschiedstour tatsächlich im Frühjahr stattfindet, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

VORSÄTZE 2022

  • Nichts Spektakuläres. Eher die Standards: Abnehmen, mehr Sport, mich besser organisieren, blablabla…

PROJEKTE 2022

  1. Das Sockenprojekt: Ich habe mir im letzten Jahr Sockenbretter gekauft, von Größe 26 bis 47 und ich möchte zu jeder Größe ein Paar Socken stricken. Das ist ein laufendes Projekt, d.h. ich bin damit schon 2021 gestartet, habe also schon ein paar Sockenpächen fertig.
  2. Das Adventskalender-Projekt: Aus den Resten der Sockenwolle werden Minisocken, Minimützen oder kleine Säckchen gestrickt, die für einen Adventskalender gefüllt werden können.
  3. Lesen: Jahresziel, wie immer, 100 Bücher. Aber dazu gibt es in ein paar Tagen noch einen extra Post.
  4. Der Mega-Marsch: Als sportliche Herausforderung des Jahres habe ich mich für den Megamarsch in Hamburg bei Nacht am 13./14. August angemeldet. Für eine Strecke von 50 Kilometern habe ich 12 Stunden Zeit
  5. Der Garten. Zugegeben, im Augenblick ist es noch ein Schutt-/Schrottlagerplatz auf dem ich im letzten Jahr vier Hochbeete aufgestellt habe, aber in diesem Jahr geht es weiter. Ich möchte kein durchgestyltes Gelände, sondern einfach ein paar Ideen umsetzen und dafür möglichst wenig Geld ausgeben.

Worauf freut ihr euch in diesem Jahr am meisten? Stellt ihr euch auch einer besonderen Herausforderung?

gelesen: Anica Plaßmann – Sexfrei

erschienen am 01.04.2021 bei Droemer Knaur

Worum gehts?
Der Name ist Programm. Es geht um sexfreies Leben. Freiwillig oder unfreiwillig. Welche Ursachen es gibt und wie man diese (falls nötig) beseitigen kann. Mit Fallbeispielen aus der therapeutischen Arbeit der Autorin

Lasst uns über Sex reden.
Oder besser gesagt über keinen Sex.

Inklusive des Blogtitels habe ich nun schon 3x das Wort „Sex“ erwähnt, da ist mir eure Aufmerksamkeit nun bestimmt sicher, oder?

„Sexfrei“ stand schon im April auf der meiner Liste der Neuerscheinungen, auf die ich mich freue und nun habe ich es gelesen. Es ist in diesem Jahr tatsächlich das vierte Sachbuch zum Thema „Sex“ und auch wenn ich jetzt sagen könnte, dass ich keine Ahnung habe, wieso ich mich statt dessen nicht mehr mit meinem ökologischen Fußabdruck, gesunder Ernährung oder Atomphysik beschäftige, aber das wäre gelogen. Es liegt daran, dass ich in diesem Jahr ständig (beabsichtigt?unbeabsichtigt?) dazu herausgefordert werde, meine Komfortzone zu verlassen. Oder, wie Big es neulich so treffend formulierte: „Ich bin wohl wieder an irgendetwas schuld.“ Ja.

Aber kommen wir zurück zum Thema.
Sex.

Es ist ein Thema mit dem wir ständig konfrontiert werden, egal ob wir es wollen oder nicht. Deshalb sollten wir drüber reden. Sollten wir… Ob das nun so einfach ist, ist eine andere Frage. Ich persönlich habe mit dem Thema kein Problem – so lange es dabei nicht um mich geht, was wohl „normal“ und gesellschaftlich akzeptiert ist, denn wer möchte schon sein Intimleben vor jedem offenlegen? Eben.

Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr an das Thema denkt?
Euer eigenes Sexleben? Pornos? Dass euch die Allgegenwärtigkeit von Sex nervt? Dass jeder es so machen soll wie er möchte?

Das erste, was mich beim Lesen des Buches überrascht hat war, dass Asexualität als ein „Anderssein“ bewertet wird (was bedeutet, es ist genauso eine Kategorie von Sexualität wie hetero-, homo-, trans-, intersexuell usw.), sexuelle Abstinenz jedoch als „Störung“ wie eine Krankheit behandelt wird/werden muss.

HÄ?
Wieso ist es „normal“, dass es Menschen gibt, die generell kein Begehren empfinden, diejenigen, die abstinent leben weil sie (gerade) kein Begehren empfinden (aus welchen Gründen auch immer) aber ein Problem haben, das es zu lösen gilt?

Okay, es gibt Menschen, die keinen Sex haben WEIL sie ein Problem haben. Aber genauso gibt es doch Menschen, die keinen Sex haben und damit KEIN Problem haben. Egal ob wir uns das nun vorstellen können oder nicht. Wenn jeder frei entscheiden soll, wie sein Sexualleben aussieht, warum darf es dann nicht (gesellschaftlich anerkannt) sexfrei sein?

In diesem Buch geht es um Sexabstinenz. Wer verzichtet? Warum? Wie lange? Und wie kann man das ändern? Muss man es überhaupt ändern? Genauso geht es um die Frage, wie Sex definiert wird und welchen Stellenwert Sex für uns hat/haben kann.

Dieses Buch ist nicht nur für Menschen, die sexfrei leben. Aus diesem Buch kann jeder, sofern er/sie dazu bereit ist, etwas mitnehmen. Zum Beispiel wenn man mit dem status quo seines Intimlebens nicht (mehr) zufrieden ist. Oder wenn man daran interessiert ist zu erfahren, was alles einen Einfluss auf unser Sexualleben hat – womöglich ohne das man sich dessen bewusst ist. Im Ernst: habt ihr euch schonmal über „Performancedruck“ beim Sex Gedanken gemacht? Oder darüber, welchem „Trend“ man gerade nachläuft? Zum Beispiel den gerade angesagten Intimrasuren…

Nach einer Rasur haben sie grob geschätzt für einen Tag eine ganz glatte, haarlose Haut im Schritt. Danach ziept, juckt und kratzt es…

Anica Plaßmann, sexfrei

Danke dass das mal jemand öffentlich ausspricht. Wenn ihr euch trotzdem rasieren wollt: bitte. Falls ihr es nicht wollt: man muss nicht alles mitmachen, nur weil uns irgendjemand weismachen will, dass „man“ das jetzt so macht. Oder, wie mein Vater sagen würde: „Wenn alle von der Brücke springen, springst du dann hinterher?“

Ein interessantes, informatives Sachbuch.
Ich hab Diskussionsbedarf – und ich weiß auch schon, wer dafür herhalten muss…

Fangirl #1

Ich mag Sport. Ich bin nicht sonderlich talentiert darin, selbst welchen zu treiben (was mich nicht hindert, es trotzdem zu tun – Komfortzone verlassen und so…), vor allem aber bin ich ein treuer Fan wenn es ums Zuschauen geht. Jahrelang Skispringen und Biathlon im TV, nicht zu vergessen: Kreisklassenfußball live.

Mit den Spielern der Sportfreunde Rathlosen, eine damals 2.Kreisklasse Fußballmannschaft, habe ich über Jahre Freud und Leid geteilt. Irgendwann war ich nicht mehr nur ein Fan, ich gehörte irgendwie dazu. Ich habe ihnen Wasserflaschen und Trainingsjacken hinterher getragen, Getränke verkauft, Wertsachen bewacht. Und ich durfte sie schließlich sogar mal mit Pfeife und Stoppuhr beim Zirkeltraining quälen, sowie bei Mannschaftsaktivitäten wie Weihnachtsfeiern, Boßeltouren und sonstigen Treffen dabei sein, sogar dann, wenn es hieß „ohne Frauen“. Ich war auch ein paar Mal in der Kabine, aber falls jemand von euch von einem Besuch in einer Fußballerkabine träumen sollte lasst euch gesagt sein, das ist nicht immer ein Geschenk.

Auf, beziehungsweise neben, dem Platz zu stehen fühlte sich an wie Urlaub und im Laufe der Zeit hab ich angefangen, das Stadion als mein zweites Wohnzimmer zu bezeichnen. Als den Ort, an dem du dich lässig auf ein Sitzmöbel fläzt, mit einem Bier in der Hand den Tag genießt und mehr oder weniger qualifizierte Kommentare zum Geschehen um dich herum abgibst.

Durch meinen Umzug in das Nest, in dem ich derzeit lebe, war ein wöchentliches Fußballspiel „meiner“ Jungs einfach nicht mehr machbar und da ich sie wirklich schmerzlich vermisst habe, wagte ich den Versuch, mir hier eine Fußballmannschaft zum Mitfiebern zu suchen. Dieses Experiment habe ich sehr schnell als gescheitert erklärt. Schon nach dem zweiten Spiel war mir klar, dass es nie, niemals so sein würde wie mit den Sportfreunden und mit „zweite Wahl“ wollte ich mich nicht zufrieden geben.

Nach einer Zeit diverser sportlicher Aktivitäten meinerseits, fand ich mich eines Tages auf der Tribüne einer Sporthalle wieder und schaute mir ein Handballspiel der Damen an (ich habe tatsächlich fast zwei Jahre regelmäßig am Handballtraining teilgenommen, wodurch sich zwar meine Fitness enorm verbessert, mein Talent für diesen Sport sich jedoch nicht gezeigt hat). Doch auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, mir regelmäßig Damenhandball anzuschauen, kam mir ein paar Jahre später die Idee, es mal mit Herrenhandball zu versuchen. Als Zuschauer natürlich.

Zu den Handballern von Blau-Weiß Dörpen kam ich annähernd so, wie damals zu den Sportfreunden. Ich kannte dort einen Spieler. Genauer gesagt zwei, denn die waren Jahre zuvor maßgeblich an meiner sportlichen „Weiterentwicklung“, wenn man es mal positiv formulieren will, beteiligt. Man hat einen ganz anderen Bezug zur Mannschaft, wenn man dort jemanden kennt und sei es nur vom Namen her oder weil man die Person schon ein paar mal irgendwo gesehen hat. Schon nach dem ersten Spiel, das ich von der Tribüne aus verfolgte, war mir klar, dass ich mir sehr gut vorstellen könnte, das öfter zu tun. Also kam ich öfter. Und dann kam Corona.

Seit zwei Wochen darf ich nun wieder in der Halle sitzen (dank der 2G-Regel auch ohne Maske) und mit der Mannschaft mitfiebern. Und während ich am Samstag so da saß, mitfieberte, jubelte und mich ärgerte, war plötzlich dieses Zuhause-Gefühl da. Das Gefühl, dass ich jedes Mal hatte (und ein wenig immer noch habe) wenn ich den heiligen Rasen des Flintenbergstadions in Rathlosen betrete. Ich bin da und der ganze andere Scheiß, über den ich mir ständig den Kopf zerbreche, ist einfach mal für zwei Stunden weg. Als hätte ich ihn vor der Tür abgegeben. Mir ist klar, dass es auch hier nie so sein wird, wie es damals bei den Sportfreunden war (das bleibt unerreicht), aber dabei zu sein und als Fan erkannt zu werden finde ich vollkommen ausreichend.

Seid ihr sportbegeistert und regelmäßig als Zuschauer irgendwo dabei? Falls ja, wie seid ihr dahingekommen?