Die Schublade, in die wir am besten passen, ist unsere eigene

Wie so oft, wenn ich mit Big zusammensitze und wir uns über Gott und die Welt unterhalten, habe ich mir gestern die Frage gestellt, was wir eigentlich sind. Denn egal wie ich es drehe und wende, ich komme jedes Mal an den Punkt, an dem ich feststelle, dass „Freunde“ für mich irgendwie nicht die Schublade ist, die unsere Beziehung definiert.
Ich weiß, dass sich allein schon beim Wort „Schublade“ viele entsetzt an den Kopf fassen, aber macht euch mal bewusst, wie sehr wir alle unser Leben in Kategorien einteilen ohne es zu merken. Und das aus gutem Grund. Denn wenn wir uns immer auf die Vielfalt konzentrieren würden, wäre unser Gehirn in einem Zustand ständiger Überforderung.


Ein Beispiel:
Familie: alle, mit denen wir verwandt sind, egal ob blutsverwandt, angeheiratet, adoptiert
Freunde: die, denen wir nahestehen
Bekannte: die, mit denen wir hin und wieder etwas unternehmen, mit denen wir aber keine engere Bindung haben


Logisch? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber was ist, wenn du und deine beste Freundin gefühlt jeden Tag eures Lebens miteinander verbracht habt und ihr gegenseitig immer bei Familienfeiern dabei seid und ihre Mutter sich besser um dich kümmert als deine eigene es je getan hat? Ist es dann immer noch „nur“ Freundschaft oder schon sowas wie Familie?
Und was ist mit dem Ex, von dem ihr euch nur getrennt habt, weil ihr als Paar nicht funktioniert aber ansonsten hervorragend miteinander klar kommt. Ist der dann automatisch „nur“ ein Freund?

Big hat mir das Herz gebrochen. Mein theatralisches junges Ich würde hinzufügen: „Mehrfach“. Und das weiß er, denn ich habe es ihm gesagt. Auf der anderen Seite hat er aber auch eine bei mir „repariert“ was andere vor ihm kaputt gemacht haben. Auch das habe ich ihm gesagt. Beides war, aus heutiger Sicht betrachtet, in einem anderen Leben. Mittlerweile sind wir fast zwei Dekaden älter, reicher an Erfahrung und haben einen anderen Blick auf die Dinge. Dass er mir das Herz gebrochen hat ist, ebenso wie die Reparaturgeschichte, weiterhin Fakt, aber ohne diese Erfahrungen wäre ich nicht an den Punkt gekommen, an dem ich jetzt bin.

Wir haben uns eine Zeit lang aus den Augen verloren und so sehr ich auch in meinem Gedächtnis krame, ich kann mich nicht erinnern, wann und wie genau wir wieder zusammengefunden haben. Aber seit dem ist er mir enorm wichtig geworden.

Man sagt ja oft „mit meiner/m besten Freund/in kann ich über alles reden“, aber Hand aufs Herz, redet ihr dann wirklich über ALLES? Ich erzähle meiner besten Freundin schon eine Menge, aber ALLES erzähle ich ihr nicht. Bei Big hingegen komme ich schon sehr nahe dran. Manches kitzelt er (im übertragenden Sinn) aus mir raus, beim Rest sträube ich mich noch ein wenig weil ich manchmal unsicher bin, wieviel Ehrlichkeit wir untereinander aushalten.
Spoiler: mehr als ich dachte (das stelle ich zumindest immer wieder fest)
Hm, jetzt drängt sich mir gerade die Frage auf, wieviel „alles“ er mir zumutet. Mehr als früher, soviel ist mal sicher. Hin und wieder denke ich auch „mehr als ich vertragen kann“, was sich aber jedes Mal als falsch herausstellt.

Big bringt mich an meine Grenzen. Er schiebt mich bis an diese Tür, an die ich ein „bis hier her und nicht weiter“-Schild gehängt habe, woraufhin ich in der Regel erstmal einen Schritt zurück mache nur um im nächsten Moment das Schild abzuhängen und durch diese Tür hindurchzuspazieren. Er lässt mich wachsen. Das sollte ich ihm vielleicht auch mal sagen. Komplimente werden ja ohnehin viel zu selten verteilt.
Obwohl wir so verschieden sind (sind wir das wirklich oder kommt es mir nur so vor?) sind wir uns in vielen Dingen überraschend ähnlich und wenn es eine Schublade gibt, in die wir ganz hervorragend hineinpassen, dann ist das unsere eigene.

Wochenrückblick KW 18

Wieder liegt eine ereignis-/erkenntnisreiche Woche hinter mir. Es endet mit einer Erkältung und einem überteuerten schwarz-weiß Foto. Es war irgendwie eine Woche der schlechten Nachrichten. Zwar nicht für mich, aber nahegegangen sind sie mir trotzdem.

Was sonst so los war, lest ihr hier:

Job/s
In der Buchhandlung ist in diesem Monat wieder business as usual. Ich hätte mich an einen weiteren freien Tag gewöhnen können, aber das Geld fließt ja nun nicht von selbst auf mein Konto. Im Tagesmutter-Job gibts auch leichte Veränderungen – da werden ab Donnerstag zwei Kinder vom Kindergarten abgeholt. Ob vorübergehend oder langfristig steht noch nicht fest, aber zwei Monate wird das erstmal so laufen. Gestern gab es dann eine quasi-Dienstbesprechung im neuen Job. Arbeitseinweisung, Datenübermittlung, Deadlines etc. Und obwohl ich schon vor 15 Jahren das erste Mal einen Fuß auf das Firmengelände gesetzt habe, habe ich es erst gestern in voller Größe besichtigt.

Studium
War diese Woche so semi-erfolgreich, was vor allem an meinem (bislang) nicht sehr produktiven Wochenende liegt. Aber Kapitel 3 ist abgeschlossen und die Rekapitulation läuft zwischendurch fast wie von selbst durch meinen Kopf. Faszinierend. Ich setze mich nachher noch ein wenig an den Schreibtisch und mache mit den transnationalen Organisationen weiter.

Freizeit
Da das Studium genau genommen unter „Freizeitvergnügen“ fällt, gibt es hier nichts besonderes zu berichten. Okay, ich habe es geschafft, mein Bücherzimmer aufzuräumen und 70% meiner aussortierten Bücher in Bücherschränken unterzubringen. So können sich andere daran erfreuen – sogar über Harry Potter 1-7.

Sport & Ernährung
Whoop Whoop. Läuft. Sport ist immer noch ausbaufähig, aber in dieser Woche war ich an jedem einzelnen Tag im Defizit und die Waage hat gestern das erste Mal unter 89kg angezeigt. Yoga habe ich auch endlich wieder gemacht – sollte ich wirklich öfter, mein Rücken würde das sehr begrüßen.

Friends & Family
Den gestrigen Tag könnte man wohl als „friends & family“-Tag bezeichnen. Gestartet bin ich mit einem Frühstück bei alten Freunden. Fast drei Stunden gemütlich zusammen sitzen, Neuigkeiten austauschen, Kaffee trinken. Haben wir ewig nicht gemacht, deshalb war es umso schöner, die beiden mal wieder zu sehen.
Es folgte ein Abstecher zu meiner Schwester, wo ich nicht nur (zu ihrer besonderen Freude) den leckeren Joghurt von der Solawi abgeliefert habe, sondern auch gleich einen Sack Hundefutter für Elsa abgeholt habe.
Nach einem leckeren Eis im Sonnenschein wollte ich eigentlich noch eine Runde um den Sulinger Stadtsee drehen, doch dann fing es an zu schütten und Big, pragmatisch wie er ist, meinte: „Dann kannst du auch ins Büro kommen. Und… kannst du Kuchen mitbringen?“ Eine Viertelstunde später stand ich dann mit Kuchen in seinem Büro. Es war interessant und aufschlussreich wie immer.

Vorschau auf KW 19:
Ich sollte mir mal was vornehmen, damit ich nächste Woche meinen Erfolg messen kann, also: aus dem Skript Kapitel 4+5 bearbeiten. Mindestens 3x Yoga machen. Jeden Tag 1 Stunde lesen (es startet ein Buddyread nächste Woche – ich freu mich).

Wochenrückblick KW 17

Und wieder ist eine Woche vorbei – die Zeit beginnt schon wieder zu rasen, auch wenn es mir manchmal so vorkommt, als würde sich überhaupt nichts bewegen.

Job/s
Der „normale“ Arbeitsalltag stellt sich wieder ein. Tageskind und Buchladen.
Der Papierkram für den neuen Job ist beim Chef, mit dem ich am Samstag noch völlig überraschend telefoniert habe. Es ist tatsächlich ein wenig merkwürdig, dass er nun auch mein Chef ist, aber das ist unserer langen und komplizierten gemeinsamen Geschichte geschuldet. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf ein paar extra-Euros. Geld kann man ja schließlich immer brauchen.

Studium
Auch hier komme ich langsam dahin, ein paar Routinen zu etablieren. Die Tatsache, dass sich gerade die trockenen mit den interessanteren Dingen mischen, macht es mir dabei erheblich leichter, den Weg an den Schreibtisch zu finden. Allerdings lasse ich mich immer noch gerne von allem möglichen ablenken. Das ist eben das Problem, wenn man zu Hause lernt. Es gibt immer etwas, das man unbedingt noch erledigen müsste… Prokrastination at it’s best!

Freizeit
Wurde nach Berücksichtigung der ersten zwei Punkte entsprechend weniger, ist aber immer noch ausreichend vorhanden. Vorzugsweise tue ich dann… nichts. Okay, ich stricke Socken weil das das beste Mittel ist, das Gedankenchaos im Kopf auszuschalten.

Sport & Ernährung
Ich habe es wieder unter 90kg geschafft und halte das seit zwei Wochen. Dabei bin ich ziemlich konsequent mit dem Zählen von Kalorien (die sich so um die 1600kcal am Tag einpendeln sollen) und den 10.000 Schritten täglich (die erreiche ich zwar nicht jeden Tag, aber im Durchschnitt komme ich immer dorthin). Mein Ziel ist es, noch etwas mehr Sport in den Alltag zu integrieren, aber ich mache mir da keinen Druck, weil ich genau weiß, dass mich das wieder zu sehr stressen würde. Lieber langsam machen und länger durchhalten als Vollgas und nach zwei Wochen aufgeben. Es wird schon.

Friends & Family
Den 1. Mai haben wir mal wieder traditionell mit der Clique verbracht. Eine kleine Bollerwagentour mit anschließendem Grillen, ganz gemütlich bei gutem Wetter. Wir hatten Elsa beim Spaziergang dabei und sie hat das viel besser gemacht als erwartet. Sie ist nicht weggelaufen (auch nicht mit den vielen Radfahrern mit, obwohl sie es toll findet, da nebenher zu laufen), sie ist gekommen wenn ich sie gerufen habe und war auch sonst sehr brav – wenn ich mal kurz unter den Teppich kehre, dass sie in den Graben gesprungen ist obwohl sie am Vortag erst „Hundewaschtag“ hatte. Sie ist und bleibt halt ein Seehund.

Vorschau KW 18
Das Tageskind soll nun auch zur Musikschule, mal sehen wie wir das organisieren. Dienstags wird nun wieder wie gewohnt gearbeitet und am Wochenende habe ich mindestens zwei „Dates“ und bestimmt ist auch ein Besuch bei der Familie drin. Ich freu mich.

Wochenrückblick KW 15/16

Typisch ich, einen Wochenrückblick als regelmäßige Kategorie anfangen und dann gleich die nächste Woche auslassen…
Aber was soll’s, hin und wieder bin ich ein wenig verpeilt und so richtig viel passiert ist auch nicht. Also fasse ich die letzten zwei Wochen einfach in diesem Post zusammen.

Job/s
Es geht voran. Die Selbständigkeit und der Job im Buchladen sorgen für ein regelmäßiges Einkommen und die Vorbereitungen für den neuen Job laufen. Am Karsamstag kamen Personalbogen und Co. zum Ausfüllen, diese Unterlagen gehen morgen zusammen mit der Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse (auf die ich zum Glück nur 3 Tage gewartet habe) raus, dann kann es weitergehen. Hin und wieder denke ich darüber nach inwieweit es gut ist, Privatleben und Beruf zu vermischen, aber den Gedanken schiebe ich regelmäßig zur Seite, schließlich denke ich ständig und meistens zuviel nach. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, dieses mal einfach immer „warum soll es nicht gut sein?“ zu denken und es auf mich zukommen zu lassen.

Studium
Geht auch voran, wenn auch noch nicht so flüssig, wie ich es gerne hätte. In KW 15 kam ich gut durch, aber diese Woche hat mich eine Erkältung erwischt und meinen Kopf dermaßen wattiert, dass es die reinste Quälerei (und dementsprechend wenig effektiv) war. Nun ist der Kopf wieder klar und morgen geht es wieder frisch ans Werk.

Freizeit
Hatte ich dank Ostern und Kurzurlaub vom Tageskind tatsächlich viel. Karsamstag ging es nach Oldenburg, ein bisschen über die Kirmes schlendern, Riesenrad fahren, durch die Stadt bummeln und zum Abschluss lecker Essen gehen im Ratskeller. Die Abende habe ich meistens strickenderweise auf dem Sofa verbracht – zwei Paar Socken (Größe 45 und 39) sind in der Zeit fertig geworden und zum Teil schon beim neuen Besitzer angekommen.

Sport & Ernährung
Was meine sportlichen Tätigkeiten angeht kann ich stolz vermelden, dass ich jede Woche mein Minimum von 70.000 Schritten erreicht habe (diese Woche sogar trotz Erkältung!). Heute früh habe ich um 9.30 Uhr meine Megamarsch-Trainingseinheit gestartet. 18,5 Kilometer bin ich gewandert, bei Sonnenschein und Wind. Was mein Schuhwerk angeht, muss ich noch mal in mich gehen. Die aktuellen Schuhe scheinen für lange Strecken nicht so gut geeignet – sie sind ziemlich schwer und da ich im Flachland unterwegs bin (und meistens auf „guten“ Straßen) käme ich vielleicht mit einem paar guter Turnschuhe besser zurecht.
Ernährung… hm, zugegeben, das ist einer meiner Schwachpunkte. Wenn man so auf Essen konditioniert ist wie ich, macht es das nicht gerade einfacher bei der Umstellung. Es läuft nicht jeden Tag so, wie ich es mir wünschen würde, aber ich versuche, mich auf die einzelnen Tage zu konzentrieren, es jeden Tag ein bisschen besser zu machen und schlechte Tage als schlechte Tage abzuhaken um am nächsten Tag neu zu starten.

Friends & Family
Ostern war mein Vater zu Besuch und wir haben es uns zu Hause gemütlich gemacht. Am Ostersonntag war endlich mal wieder Osterfeuer, da habe ich wenigstens kurz vorbeigeschaut.

Vorschau auf die KW 17
Dienstag habe ich frei, da werde ich auf jeden Fall irgendwas unternehmen – ich schwanke noch zwischen einem Besuch beim Schweden und einer Wanderung. Ich schätze, ich werde schauen wie das Wetter ist und eventuell sogar beides machen. Da mich mein Rücken gerade wieder ein wenig ärgert, sollte ich mich unbedingt zwischendurch auf die Yogamatte schwingen. Der Januar hat schließlich gezeigt, dass mir das gut tut – und wofür habe ich schließlich die neue Yogamatte gekauft? Außerdem wartet am Sonntag das 1.Mai-Cliquengrillen – wofür meine Begeisterung sich noch in Grenzen hält, aber aufs Grillen hätte ich schon Bock.
Mal sehen was sonst noch so auf mich wartet…

Wochenrückblick KW 14

Kennt ihr das, wenn ihr sonntags gemütlich auf der Couch liegt und die vergangene Woche vor eurem geistigen Auge vorbeizieht? War es eine gute Woche? Bin ich zufrieden mit dem, was ich geschafft habe? Gab es Highlights oder ist etwas total in die Hose gegangen?
Ich stelle immer wieder fest, dass ich vieles einfach vergesse. Dabei sind es bei mir oft die kleinen Momente, die ich besonders genossen habe und die Menge an Kleinigkeiten, die ich geschafft habe im Alltag untergehen – eben weil es nur Kleinigkeiten waren. Aus diesem Grund werde ich ab heute den Wochenrückblick schreiben und diesen in einzelne Kategorien unterteilen so dass Fort- und Rückschritte leichter auszumachen bzw. zu bewerten sind. Ich bin sehr gespannt ob sich dadurch meine Wahrnehmung bezüglich dessen, wie „gut“ die Woche war, verändern wird.
Okay, los gehts mit meinem ersten Wochenrückblick…

Job/s
Tja, dazu gibts diese Woche gleich mal gar nichts zu sagen, ich hatte nämlich Urlaub.

Studium
Am 1. April hat das Sommersemester begonnen und ich habe im Urlaub 5 Seiten eines Skripts durchgearbeitet. Mehr war in der Familienkonstellation im Urlaub einfach nicht drin. Ich hatte es für den Urlaub ohnehin nur als „kann“-Aktivität eingeplant, also alles gut. Ab Morgen dann Vollgas.

Freizeit
Sechs Tage Urlaub mit der Familie (und einer Altersspanne von 7-80) sind zwar schön, aber auch stressig wenn man es nicht gewohnt ist, den ganzen Tag von Menschen umgeben zu sein. Deshalb war ich ganz froh darüber, dass ich mir auch ein paar Auszeiten für mich nehmen konnte um mein Stresslevel zwischendurch herunterzufahren. Drei kurze (je etwa 1 Stunde) und eine lange (4 Stunden) Wandertouren habe ich gemacht und dabei 5 Stempel für die Harzer Wandernadel und einen Sonderstempel gesammelt. Nach einer Klassenfahrt ins Sauerland (in Klasse 4) hätte ich nie für möglich gehalten, dass ich mal zur Wanderfreundin mutiere, aber Corona hat einiges auf den Kopf gestellt. Doch auch in der restlichen Zeit war der Urlaub sehr schön, wann nimmt man sich denn sonst so viel Zeit für die Familie? Wir haben gut gegessen, waren im Spaßbad (mein Vater mit 80 Jahren im Wellenbecken, mitten im Getümmel… ich in der Wasserrutsche zweimal abgesoffen…), in einer kleinen Dino-Ausstellung, auf dem Brocken (Schnee, Nebel, Wind, Kälte… und ne leckere Erbsensuppe)

Sport & Ernährung
Abgesehen von der 4stündigen Wandertour am Freitag würde ich keine meiner Aktivitäten in die Rubrik „Sport“ packen, aber ich habe im Schnitt jeden Tag meine 10.000 Schritte erreicht – das Minimalziel also. Was die Ernährung angeht, war der Urlaubsmodus an. Also genießen. Dafür habe ich an 5 von 6 Tagen auf Cola verzichtet, was für mich Cola-Junkie schon eine enorme Leistung ist. Die Entzugserscheinungen haben sich allerdings deutlich bemerkbar gemacht. Ich muss echt nötig zusehen, dass ich mir das Zeug abgewöhne.

Friends & Family
Familienzeit to the max – dank Urlaub. Am Rückreisetag saß ich zum ersten Mal seit Ende Januar wieder bei meinem besten/engsten/wichtigstem (?) Freund (? – wir passen irgendwie nicht in diese Schublade) im Büro. Ein Kaffee getrunken schon sind fünf Stunden vorbei. Wir haben nicht viel geredet und trotzdem eine Menge gesagt. Diverse Türen geöffnet, Scheuklappen abgenommen, den Blick fürs Wesentliche geschärft. Ich liebe ihn dafür, dass er zu den wenigen Menschen gehört, mit denen das möglich ist.

Vorschau auf die KW 15
Hallo Alltag: geregelte Arbeitszeiten, ein größerer Fokus auf Sport & Ernährung und ein weiterer Schritt zu mehr Struktur ist mein Ziel für die nächste Woche. Dazu gehört als allererstes: ein aufgeräumter Schreibtisch. Ein neuer Versuch der Essensplanung und verschärftes Training für den Megamarsch im August.

Der Speck muss weg…

Ich esse gerne. Ich esse gerne viel und vor allem esse ich am liebsten die falschen Dinge. Chips. Torte. Eis. Auflauf, großzügig mit Käse überbacken.
Morgens, mittags, abends – und gerne auch zwischendurch.
Dass das auf Dauer nicht gesund ist, weiß ich und natürlich spiegelt sich das auch in meinem Gewicht wieder. Ich sehe ja nicht umsonst so aus, wie ich aussehe.

Wie viele andere Menschen mit Übergewicht habe ich mehr als einmal versucht, dieses loszuwerden. Ich habe mich tagelang von Shakes ernährt, mich für vier Monate der Ernährungsmafia (ihr wisst schon…) angeschlossen, mich mit einer Gruppe von Bloggern mehreren Abnehmchallenges gestellt und unterschiedliche Ernährungsformen ausprobiert. Ich hatte mit allem davon Erfolg, aber auf Dauer habe ich nichts durchgehalten.

Warum nicht?
Weil ich gerne esse. Und weil ich zwei Dinge absolut nicht dauerhaft ertrage: Bücher lesen zu “müssen” und Vorschriften darüber was ich essen darf und was nicht.
That’s it.

Man sollte meinen, dass ich so langsam vom Scheitern die Nase voll habe, aber: NEIN. Ich finde ohnehin, dass man
A) erst gescheitert ist, wenn man aufhört es zu versuchen
und
B) Scheitern an sich nichts Schlimmes ist, denn jeder von uns hat Grenzen und sich überhaupt erstmal dorthin vorzuwagen, ist ja auch schon eine Leistung.

Nachdem ich mir in 7 Tagen Urlaub satte 4,3kg draufgefuttert habe, war ich fest entschlossen, diese so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Da ich seit einer Weile wieder ganz old school Kalorien zähle (was auf Grund mangelnder Disziplin und Stress bislang eher so semi-erfolgreich war), machte ich mich in den unendlichen Weiten des WWW auf die Suche, nach kalorienarmen Rezepten, die schnell, einfach, lecker und aus möglichst “normalen” Zutaten bestehen. Ich brauche richtiges Essen und Smoothiebowls mögen zwar gut aussehen, fallen für mich aber allenfalls in die Kategorie “Nachtisch” und wenn ich “Chiasamen” und “Flosamenschalen” schon höre stellen sich mir sämtliche Nackenhaare hoch. Abgesehen davon, habe ich ja noch einen Mann zu Hause und definitiv keine Lust, für ihn extra zu kochen. Ich meine, ihm zusätzlich ein Schnitzel in die Pfanne zu werfen ist ja nicht das Problem. Aber mir einen Salat schnibbeln und für ihn Schweinebraten mit Knödeln und Rotkohl kochen? No way. Mitgefangen, mitgehangen.

Wo waren wir? Ach ja, die Rezeptsuche im Internet. Der Vorteil an Foodbloggern auf Instagram ist ja, dass immer gleich auch ein Foto dabei ist. Sieht lecker aus – was ist das? Schnell den Text überflogen, in Favoriten gespeichert, fertig. Sogar gleich mit Kalorienangabe (natürlich nur, wenn es sich um die Foodblogger handelt, die sich mit leckerem Gewichtsverlust beschäftigen). So landeten zig Rezepte in einer Instagram-Collection und ich ging einkaufen.
Mein Kühlschrank ist nun gefüllt mit Quark, Frischkäse, Hüttenkäse, Kochschinken und Eiern sowie diversen Einmachgläsern mit von mir vorbereitetem Essen “to go” oder “to in der Mikrowelle aufwärmen” und im Gefrierschrank stapelt sich tonnenweise TK-Gemüse.
Gemüse!!!
Es ist nicht so, dass ich Gemüse nicht mag. Ich bevorzuge halt andere Lebensmittel. Fleisch und Nudeln zum Beispiel. Oder Brot. Ich könnte mich tagelang von Brot ernähren ohne dass mir etwas fehlen würde. Mit Wurst, Käse, Lachs, Marmelade oder Nutella. Kein Problem. Nicht gesund, aber unkompliziert und lecker.

Die ersten Rezepte sind gekocht, probiert und für gut (oder weniger gut) befunden worden und wandern in den Rezepteordner. Also, den richtigen Ordner, zum Anfassen, mit Rezepten, die auf Papier geschrieben wurden. Die haben nämlich den Vorteil, dass sich da kein Bildschirm in den Off-Modus schaltet wenn ich mal zehn Sekunden nicht draufschaue.

Die erste Woche nach dem Urlaub ist rum und ich bin schon 3 kg wieder losgeworden. Allein durch Essen. Viel Essen. Leckeres Essen.
So kann es weitergehen.

#alkereist Die Metropolen-Tour auf der AIDAcosma

Früher war „Kreuzfahrt“ für mich so ein „alte Leute“ Ding. Menschen unter 60 kamen in meiner Vorstellung auf Kreuzfahrtschiffen nicht vor. Selbst dann nicht, als eine Freundin begann, von Kreuzfahrten zu schwärmen. Doch als vor zwei Jahren die Welt plötzlich stehen blieb, blieb ich vor dem Fernseher hängen und suchtete „Verrückt nach Meer“ – eine Doku-Serie über ein Kreuzfahrtschiff auf der Reise über die sieben Weltmeere, mit Geschichten von Kapitän, Crew und Passagieren. Da saß ich nun, ging mit fremden Menschen auf die Reise und fragte mich, ob ich das nicht eventuell doch mal selbst probieren sollte. Ein paar Tage durchs Mittelmeer schippern und verschiedene Städte erkunden wäre schon irgendwie schön – oder?
Alleine wollte ich das jedoch nicht tun, also fragte ich meine kreuzfahrtbegeisterte Freundin ob sie meine Reisebegleitung sein wollte. Sie wollte. Und um ein bisschen zu sparen, nahmen wir auch noch ihre Mutter mit.

Wir sind aber nicht im Mittelmeer gelandet, sondern in der Nordsee. Auf der Metropolen-Tour Hamburg-Southampton-Cherbourg-Zeebrügge-Rotterdam-Hamburg. Der Vorteil: wir sparten uns den Flug und ich hatte die Chance auf London (ursprünglich auch auf Paris, aber da die Route schließlich von Le Havre auf Cherbourg umgelegt wurde, fiel der Ausflug leider aus). Der Nachteil: wir wollten Anfang März fahren und hatten keine Ahnung ob es kalt, eiskalt oder schon warm, trocken oder verregnet sein würde.

Tag 0: Check-In auf der AIDAcosma
Wir trafen uns gegen 12.30 Uhr am Cruise Terminal Hamburg-Steinwerder, eine halbe Stunde vor unserem gebuchten Check-In-Slot. Kofferabgabe, Kontrolle der Reisepässe (seit Oktober 2021 Pflicht für Reisen nach Großbritannien), Impfstatus, PCR-Test, Abholung der Bordkarten. Rauf aufs Schiff und erstmal in die Kabine wo man 90 Minuten warten sollte – für den Fall, dass der PCR-Test doch positiv sein sollte.
Danach blieb Zeit um schon ein wenig das Schiff zu erkunden, eine Kleinigkeit zu essen und sich schließlich zum Ablegen an der Lanai-Bar (am Heck des Schiffes, draußen) einzufinden und sich mit einem (alkoholfreien) Cocktail in der Hand den Allerwertesten abzufrieren während das Schiff sich auf den Weg Richtung Nordsee macht und „Sail away“ aus den Lautsprechern des gesamten Schiffes tönt.

Tag 1: Seetag
Nach einem gemütlichen Frühstück im East, einem der Buffet-Restaurants, ging es für mich ins Body & Soul Spa zur 50minütigen Deep-Tissue-Massage. Ehrlich gesagt habe ich beim Preis von 99,- € schon erstmal geschluckt, aber ich war fest entschlossen, es mir im Urlaub so richtig gut gehen zu lassen. Was soll ich sagen, ich kann mich nicht erinnern, jemals so entspannt gewesen zu sein wie nach dieser Massage.
Auch der Rest des Tages verging ziemlich entspannt – mit Chillen im Beachclub, inklusive Whirlpool, Bingo, Abendessen im Oceans (einem der á la carte Restaurants die im Preis inbegriffen waren, wo man aber reservieren musste). Den Abend verbrachte ich dann im Studio X bei „Die Pyramide“ (die Älteren kennen es noch als TV-Sendung mit Dieter Thomas Heck…) und einem Pub-Quiz im Brauhaus, wobei ich mir letzteres hätte schenken können, weil die Fragen zu speziell waren – ich hätte eine bunte Mischung besser gefunden.

Tag 2: Southampton-London
Für mich ging es nach dem Frühstück mit einem Bus nach London. Dafür, dass dort 9 Millionen Leute wohnen, fand ich es an vielen Stellen echt sehr kleinstadtmäßig. Und so unerwartet grün. Wir wurden am „London Eye“ Riesenrad ausgesetzt und hatten anderthalb Stunden Freizeit. Das erste Manko des Ausflugs. Die Zeit reichte gerade mal so, bis zum Buckingham Palace und zurück zu rennen. Es folgte eine Bootsfahrt auf der Themse bis zur Tower Bridge, leider gab es dort – abgesehen von der Brücke – nichts spannendes zu sehen. Es gab hier noch einmal zwei Stunden Freizeit, jedoch zu weit weg von den Sehenswürdigkeiten, bevor es mit dem Bus wieder Richtung Southampton ging. Trotzdem war es für mich ein Erlebnis, in London zu sein, doch um dort alles zu sehen, hätte auch ein ganzer Tag Freizeit nicht ausgereicht. Deshalb würde ich gerne nochmal hin.

Tag 3: Cherbourg
Der erste Ort, der auf eigene Faust erkundet wurde. Zugegeben, Cherbourg ist jetzt keine Touristenhochburg, aber ein niedliches kleines Städtchen, an dem nebenbei auch die Titanic Station gemacht hat. Das Terminal, an dem unser Schiff lag, war exakt das, an dem auch die Titanic gelegen hat. Das passende Museum war übrigens direkt gegenüber.
Wenn man schonmal in Frankreich ist, muss man in einem Café sitzen und etwas original Französisches essen. In meinem Fall Macarons. Das sind zwar die reinsten Zuckerbomben aber… die waren sooooo lecker.

Tag 5: Zeebrügge – Brüssel
Lecker frühstücken im Bella Donna – bestes Frühstück an Bord – und dann mit dem Bus und einem super Reiseleiter nach Brüssel, in die Hauptstadt Belgiens und der EU. Gestartet sind wir mit dem obligatorischen Fotostop am Atomium. Leute, das Ding ist riesig. Winzig hingegen ist das Manneken Pis, das wir nach der Stadtrundfahrt – vorbei an den Sehenswürdigkeiten und diversen EU-Gebäuden – natürlich auch besuchen mussten. Danach hatten wir knapp zwei Stunden Freizeit, die ich für den Genuss einer original belgischen Waffel und den Besuch eines Buchladens genutzt habe.
Abends hatten wir einen Tisch im French-Kiss (einem weiteren á la Carte Restaurant) gebucht – bestes Abendessen der Woche.

Tag 6: Rotterdam
Der frühe Vogel hat den Whirlpool für sich alleine. Und den Sonnenaufgang beim Einlaufen in den Hafen von Rotterdam. Dafür hat es sich definitiv gelohnt um 6.00 Uhr aufzustehen. Memo an mich selbst: nächstes Mal eine Mütze aufsetzen. 4 Grad Außentemperatur waren nicht ganz so idyllisch wie der Rest.
Auch Rotterdam erkundeten wir wieder auf eigene Faust. Einmal über die Erasmus-Brücke ging es eine Flaggen-Allee entlang. An jedem Fahnenmast konnte man per QR-Code etwas über das jeweilige Land erfahren. Wir schauten uns den alten Hafen an und gingen dann eines der Kubus-Häuser besichtigen. Ein Abstecher in die Markthalle durfte natürlich auch nicht fehlen. Wir deckten uns mit Gewürzen ein (die man alle probieren konnte) und aßen eine Kleinigkeit bevor sich unsere Wege trennten. Ich bummelte durch die Stadt, am Bahnhof vorbei und schaute mir die Mini World an.
Abendessen gab es heute im Beach House (noch ein á la Carte Restaurant, das wir testen wollten).

Tag 7: Seetag
Da sich das Ablegen etwas verspätete, sah ich mir das ganze beim Frühstücken an. Danach ging es für mich noch einmal zur Massage. Eigentlich ist es sehr schade, dass man die Aussicht aus der Massagekabine nicht bewundern kann, weil man die ganze Zeit die Augen geschlossen hat. Nach der Massage habe ich in der Kabine knapp zwei Stunden geschlafen – die letzten vier Tage unterwegs haben mich doch ziemlich geschlaucht. 24/7 unter Leuten, kein einziges ruhiges Plätzchen außerhalb der Kabine – das war irgendwann wohl einfach zuviel. Zum Abschluss noch eine Runde Bingo – leider haben wieder nicht wir sondern jemand neben uns gewonnen.
Ich habe auf den letzten Drücker noch die Eisbar getestet. Da musste man zwar für das Eis zahlen, aber es gab wirklich ungewöhnliche Sorten (ich hatte Honig-Kurkuma und Coffee-Crunch) und 1,- € pro Kugel ist immer noch billiger als an Land.

Abreisetag
Obwohl ich gefühlt spät dran war, habe ich noch etwas vom Sonnenaufgang und der Einfahrt in den Hamburger Hafen mitbekommen. Bei 1° C Außentemperatur und vereinzelten Eisflächen auf den Pooldecks.
Wir genossen ein letztes Mal das gute Frühstück im Bella Donna und verließen gegen 10 Uhr das Schiff um uns auf den Weg in die Heimat zu machen. Ich mit dem Shuttle-Bus zum Bahnhof und von dort weiter mit dem Zug, die anderen beiden mit dem Auto.

Fazit:
Auch wenn mir diese Reise sehr gut gefallen hat und ich vielleicht sogar wieder eine Kreuzfahrt machen würde, ich kann immer noch nicht nachvollziehen, warum Menschen nur diese Art Urlaub machen. Denn abgesehen von den Orten, die man besucht, ist es ja doch irgendwie immer dasselbe. Was ich echt vermisst habe, war Ruhe. Ich hätte mir wenigstens einen Ort auf dem ganzen Schiff gewünscht, an dem nicht die ganze Zeit Musik läuft. Zum Glück hatten wir eine Kabine mit Balkon, so dass ich ein paar ruhige Minuten in der Hängematte mit Meerblick genießen konnte. Die Möglichkeit, über Nacht an einen anderen Ort zu reisen und jeden Tag an einem anderen Ort auf Entdeckungstour zu gehen, finde ich großartig. Es gab einfach so viel zu sehen und so vieles, was ich noch sehen möchte.

gelesen: Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

Schule fertig, und dann?
Während die Einen ihr Ziel längst fest vor Augen haben, sind andere noch auf der Suche. Gerade das stellt in der heutigen Zeit oft ein Problem dar: Soll ich Studieren und wenn ja, welches Fach, an welcher Uni? Soll ich eine Ausbildung machen? Oder vielleicht doch erstmal ein Jahr Pause – Reisen, ein Praktikum, ein soziales Jahr?
Ulrike Bartholomäus hat sich mit der Frage beschäftigt, warum es den Schulabgängern oft so schwer fällt, sich zu entscheiden. Dafür hat sie Interviews mit ihren „Forschungsobjekten“ geführt, bzw. sie von Gleichaltrigen befragen lassen, mit Experten gesprochen und lässt uns Leser nun an ihren Ergebnissen teilhaben. Auf teils erheiternde, teils erhellende Art und Weise bekommen wir Einblicke in das Gehirn von Heranwachsenden und Hinweise für Do’s und Don’ts im Umgang mit ihnen.

Wie ich zu diesem Buch kam – und warum ich es lesen MUSSTE
Dieses Buch ist mir durch Zufall in die Hände gefallen. Während meine Neffen sich mit Vater und Onkel beim Mario Kart an der Switch vergnügten und meine Schwester chillend auf dem Wohnzimmerfußboden lag, griff ich nach einem der Bücher, von denen immer ein paar unter dem Couchtisch zu finden sind. Was mir sofort ins Auge fiel, waren nicht die Illustration oder der Titel. Es war der Untertitel. „Die große Orientierungslosigkeit nach der Schule“.
Auf einen Schlag fühlte ich mich in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts versetzt, das Jahrzehnt, in dem ich die Schule beendete und absolut keine Ahnung hatte, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich hatte nach der Realschule noch ein Jahr „Höhere Handelsschule“ drangehängt und da ich immer noch keinen Plan hatte, folgte ich erstmal dem Rat meines Vaters. Der da lautete: „Lern was Anständiges, geh ins Büro“. Die vier Wochen beim Rechtsanwalt, inklusive einer Berufsschulklasse voller Zickenweiber, waren die Hölle. Mein Traum war das Abitur (aber weder mein Erziehungsberechtigter noch der Direktor des örtlichen Gymnasiums hielten mich für qualifiziert). Ich zog um, überbrückte die Zeit bis zum nächsten Schuljahr mit einem Praktikum im Kindergarten (und wusste dann, dass ich das NICHT machen will) bevor ich mich am Gymnasium versuchte, das ich mit der Fachhochschulreife verließ. Natürlich hatte ich immer noch keine Ahnung, was ich machen wollte. Probierte herum, brach eine weitere Ausbildung ab und stand mit 22 plan- und ziellos im Nirgendwo. Ich machte mich schlau, fand raus, dass eine Ausbildung zur Landwirtin mit meinem Schulabschluss in 2 Jahren zu machen war und dachte „okay und wenn das nichts ist, habe ich wenigstens einen Abschluss und kann danach immer noch was anderes machen“. Es stellte sich heraus, dass das aber genau mein Ding war…
Was hätte ich drum gegeben in der Zeit auch nur einmal das Gefühl vermittelt zu bekommen, „normal“ zu sein. Ich hatte den Eindruck, alle um mich herum wüssten ganz genau, was sie wollten. Alle – außer mir.

„Reife braucht Zeit, wer nicht sofort durchstarten möchte, sollte sich eine Auszeit nehmen. Nur monatelanges Chillen ist Gift fürs Gehirn.“

Ulrike Bartholomäus

Das Buch und ich
Der erste Teil des Buches ist mit „die große Orientierungslosigkeit“ überschrieben und beschäftigt sich mit den diversen Faktoren, die die Entscheidungsfindung der Jugendlichen beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel das Alter (das durch das Abitur nach 12 Jahren noch mehr in den Fokus rückt) und das Gefühlschaos in dem man sich in dieser Zeit des „Umbaus“ vom Kind zum Erwachsenen befindet. Und dann ist da plötzlich diese unfassbare Menge an Möglichkeiten, die einem offen stehen und es schwer machen, nun ausgerechnet die eine Sache zu finden, die zu einem passt. Es kommen Erinnerungen an die Zeit hoch, in der man selbst vor der Wahl stand, erst recht, wenn man selbst zur Fraktion der „Ahnungslosen“ gehört hat. Deshalb konnte ich da gut nachvollziehen, dass man sich erstmal entscheidet, sich noch nicht zu entscheiden. Zumal da ja noch die eigenen Eltern sind, die ihre ausgeprochenen oder unausgesprochenen Wünsche haben und sich schwer damit tun zu verstehen, was ihre Kinder umtreibt, und die – wenn das Kind nicht in die Puschen kommt – anfangen, ihrem Sprössling auch hier die Entscheidung abzunehmen bzw. ihn in die, vermeintlich richtige, Spur zu bringen. Aber nicht erst seit dem Lesen dieses Buches finde ich, dass man hin und wieder einen Schritt zurücktreten sollte um über die eigenen Erwartungen an sich und andere nachzudenken und sich zu fragen, in wie weit sich dort Überschneidungen finden lassen. Wir sollten wieder lernen, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind ohne ihnen unsere Vorstellung davon, wie sie zu sein haben, aufzudrängen.
Ein weiterer, nicht unerheblicher Faktor ist die virtuelle Welt. Sie bindet Energie und die Jugendlichen stehen unter permanentem Druck, sich von ihrer allerbesten Seite zu präsentieren – ihr zukünftiges Leben muss dafür etwas zu bieten haben und es muss perfekt sein, etwas anderes kommt nicht in Frage (und, ganz ehrlich, das geht nicht nur Jugendlichen so, sondern auch Erwachsenen, die sich in der virtuellen Welt herumtreiben). Aber auch Scheitern gehört dazu. Denn jede getroffene Entscheidung kann sich früher oder später als falsch erweisen. Dabei ist es egal ob man die Entscheidung aus eigenem Antrieb getroffen oder sich dazu hat drängen lassen. Manchmal passen Vorstellung und Realität einfach nicht zusammen – dann ist es Zeit für eine Kurskorrektur. Scheitern ist nicht schlimm – es gehört zum Leben dazu.
Die Kombination aus den Geschichten der Jugendlichen und den wissenschaftlichen Erläuterungen lässt die Thematik lebendig werden und fesselt den interessierten Leser von der ersten Seite an. Selbst, wenn man nur noch im Herzen jugendlich ist, kann man hier einiges mitnehmen.

Im zweiten Abschnitt geht es um das Erwachsenwerden. Vor allem der Teil, in dem es darum geht wie (und wie langsam) sich das menschliche Gehirn entwickelt und die Verknüpfung von Risikobereitschaft und Folgeeinschätzung fand ich hoch spannend. Erwachsen werden bedeutet herauszufinden, wer man ist und das geht am Besten durch Ausprobieren. Durch starke Zugangsbeschränkungen in beliebten Studiengängen wie Medizin gehen jedoch viele Möglichkeiten zum Ausprobieren verloren. Auch in diesem Abschnitt werden Misserfolge thematisiert, verbunden mit der Frage, was es braucht, um Krisen gut zu meistern. Stichwort: Resilienz. Die psychische Fähigkeit, gut mit Krisen umzugehen wird hier zwar sehr kompakt aber mit den wesentlichen Punkten behandelt. Ebenfalls nicht außer Acht lassen darf man die Suchtgefahr, die mit der zunehmend digitalen Welt einhergeht.

Im abschließenden dritten Teil, der sich vor allem an Eltern richtet, wird aufgezeigt, wie Eltern in dieser Phase der Entwicklung und der Entscheidungen am besten mit ihren Kindern umgehen sollten. Eltern müssen, so schwer es ihnen fallen mag, lernen, ihre Kinder ihren eigenen Weg finden zu lassen. In ihrem Tempo, auf ihre Art und Weise. Es geht darum zu reflektieren, ob es wirklich um die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder geht oder doch eher darum, dass das Kind den, aus Elternsicht, richtigen Weg entschlägt. Vielleicht ist es manchmal besser, sich rauszuhalten und eine andere erwachsene Bezugsperson mit den Jugendlichen ins Gespräch zu bringen um einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen.

Fazit:
Es fällt mir schwer das, was mir bezüglich des Buches durch den Kopf geht, in Worte zu fassen. Zum Einen habe ich es als sehr beruhigend empfunden, dass meine unkoordinierte Suche nach meinem Weg keine Ausnahme darstellt und ich, ohne es zu wissen, damals wohl einiges richtig gemacht habe. Ausprobieren, scheitern, einen neuen Weg finden, weitergehen.
Wenn die Schule vorbei ist stolpert man aus einem durchgetakteten Leben in ein Labyrinth aus Entscheidungen, die man selbst treffen muss. Das ist anstrengend. Das ist unbequem. Aber wir alle müssen / mussten da durch.
Das Buch hilft im Ansatz zu verstehen, was Jugendliche in dieser Phase ihres Lebens durchmachen, vor welchen Problemen sie stehen und wieso sie sich nicht dazu in der Lage sehen, Entscheidungen zu treffen. Mit diesem Wissen kann man (hoffentlich) gelassener mit dieser Situation umgehen ohne in die diversen Fallen zu treten, die sich Eltern in den Weg stellen.

Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?
von Ulrike Bartholomäus
erschienen am 01. April 2019 im BerlinVerlag
304 Seiten, 12,00 €
ISBN 978-3-492-31779-5

#alke.liest : Lesemonat Februar

Der Februar war nass, grau und stürmisch. Aber nicht nur deswegen hatte ich eine Menge Zeit zum Lesen. Nein, auch das böse C hatte irgendwie seinen Weg zu mir gefunden und verschaffte mir 10 Tage Quarantäne (ich war ja der Meinung eine ganz „normale“ Erkältung zu haben, aber die regelmäßigen Tests waren da anderer Ansicht).
Ehrlich, ich bin wirklich gerne zu Hause und kann ganz gut mit mir allein klar kommen, aber dieses eingesperrt sein geht echt nur sehr begrenzt. Wie habe ich die ausgiebigen Spaziergänge mit Elsa vermisst und wie sehr habe ich den ersten genossen als ich wieder „frei“ war… Aber kommen wir zum Thema des Beitrags…

Statistik:
gelesene Bücher: 16
gelesene Seiten: 4.146

Hörbücher: 6
Hörzeit: 45 h 40 min

SuB-Entwicklung
1.2.22: 480 (Print und eBooks)
vom SuB gelesen: 11
Zugänge: 9 (2 Print, 6 eBooks) + 1 Hörbuch (zähle ich nicht zum SuB)
28.2.22: 478 (Print und eBooks)

Ich bin zufrieden – wie immer. Am Monatsende haben wir zu viert einen Buddyread zu „Bella Germania“ von Daniel Speck gestartet und es zeigt sich mal wieder, dass manche Buchschätze viel zu lange auf dem SuB herumstehen… Der SuB, ach ja. Er ist wieder um zwei ganze Bücher geschrumpft. So wird das definitiv nichts mit der deutlichen Verkleinerung… Und sonst? Ich habe im Februar meine Sachbuch-Liebe (wieder-)entdeckt. Die werden mich jetzt öfter begleiten, zumal ich am Wochenende wieder zwei von meiner Schwester mitgenommen habe. Auf eins hatte ich schon gewartet, das andere habe ich ihr spontan weggeschnappt bevor sie es lesen konnte (die Rache dafür, dass sie mir öfter mal meine neuesten Kochbuch-/Ernährungsbuch-Errungenschaften aus dem Haus wegkauft – wobei ich ihr ihres zurückgeben werde, obwohl es wirklich sehr interessant war).

#alke.liest : Lesemonat Januar

In meinen persönlichen Top 12 der Monate landet der Januar unangefochten auf dem 12. Platz. Der Dezember mit der ganzen Beleuchtung und der weihnachtlichen Vorfreude ist vorbei, das neue Jahr hat begonnen und ist in den ersten Wochen in der Regel vor allem eins: grau.
Da bleibt nicht viel als sich ein Buch, eine Decke und Fußwärmer in Form eines Hundes zu schnappen und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. Also habe ich genau das getan wann immer sich mir die Gelegenheit dazu bot. Meistens haben Elsa und ich vorher einen ausgiebigen Spaziergang gemacht, so dass wir uns die Couchzeit auch verdient hatten.

Statistik:
gelesene Bücher: 14
gelesene Seiten: 4164

Hörbücher: 9
Hörzeit: 55 h 02 min

SuB-Entwicklung
1.1.22: 482 (Print und eBooks)
vom SuB gelesen: 10
Zugänge: 8 (1 Print, 7 eBooks) + 1 Hörbuch (zähle ich nicht zum SuB)
30.1.22: 480 (Print und eBooks)


Ich bin mit meinem Lese-(Hör-)monat zufrieden, aber das bin ich auch, wenn ich „nur“ 2 Bücher geschafft habe, denn Lesen ist mein Hobby und soll Spaß machen. Ich werde oft gefragt, woher ich die Zeit nehme, aber Hörbücher höre ich überwiegend bei der Arbeit (bei 8 Stunden als Reinigungskraft im Kindergarten kommen da im Monat allein schon locker 32 Stunden zusammen), beim Auto fahren oder mal bei langen Spaziergängen. Auch wenn der Fernseher mal aus bleibt merkt man schnell, wie viel Zeit zum Lesen dann plötzlich da ist.
Mal abgesehen davon, ist Lesen meine Therapie. Wenn ich in meinem Gedankenkarussell stecke und mir alles über den Kopf zu wachsen droht, greife ich zu einem Buch und flüchte dann erstmal woanders hin.
Im Februar wird sicher auch noch viel Zeit zum Lesen sein, dann kommt der Frühling und ein Haufen anderer Ideen warten noch darauf, umgesetzt zu werden. Ich lasse mich überraschen.
Und jetzt geh ich lesen…