Fernuni update 1 – Fachwechsel

Mein Start ins neue Semester, zwar noch im PVS Studiengang eingeschrieben aber mit zwei Modulen aus dem Fachbereich WiWi, lief gut. Wobei „gut“ es eigentlich nicht so richtig trifft. Ein Blick auf den riesigen Stapel an Skripten und in meinen bunten Lernplan sorgte etwa 4 Wochen lang für aufkeimende Zweifel.
Das ist schon echt ein riesiger Haufen. Habe ich genug Selbstdisziplin um meinen selbst erarbeiteten Lernplan durchzuziehen? Bin ich schlau genug um die Inhalte zu kapieren? Wird es am Ende an Mathe scheitern?
Die Frage nach der Selbstdisziplin würde ich immer und überall mit einem überzeugten JEIN beantworten. Ich weiß, dass ich kann wenn ich muss – aber wie sorge ich dafür, dass es tatsächlich ein MUSS gibt?

Konsequent habe ich jeden aufkommenden Zweifel beiseite geschoben und mich erstmal darauf konzentriert, dass es ja wohl mehr als bescheuert wäre, schon übers Aufgeben nachzudenken, wenn das Semester noch nichtmal angefangen hat (da die meisten Unterlagen schon knapp 3 Wochen vor dem offiziellen Semesterbeginn auf meinem Tisch lagen). Mal abgesehen hat „Wirtschaft“ für mich einfach so verdammt viel mit logischem Denken zu tun, dass sich da schon ein Teil der Schwierigkeiten, die ich mit Politik habe/hatte, gar nicht erst ergeben. Außerdem habe ich mir dieses Fach ausgesucht, weil ich richtig Lust drauf habe und das ist schließlich die beste Motivation überhaupt.

Jeden Tag werden nun zuerst die alltäglichen To dos abgearbeitet (Hund, Frühstück, Haushalt) bevor es an den Schreibtisch geht. Manchmal liest es sich locker weg, manchmal verzweifle ich an merkwürdigen Grafiken weil sich mir die Logik nicht erschließt. Zumindest nicht sofort. Und manchmal ist es auch einfach blöd formuliert. Aber auch wenn es anstrengend ist, es macht mir Spaß. Es erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit. Ich bin immer gerne zur Schule gegangen, ich mag es Neues zu lernen und vermutlich würde ich heute noch zur Schule gehen wenn das möglich wäre. Wahrscheinlich studiere ich auch deshalb, weil es eine Möglichkeit ist weiterzulernen und sich dabei an einem Rahmen zu orientieren um nicht wahllos Wissen in sich hineinzustopfen bzw. nicht zu wissen wo man anfangen und wo man aufhören soll.


Um mit dieser geballten Ladung Lernstoff nicht ganz alleine dazustehen, werden diverse Mentoriate angeboten. Momentan noch alle online und in der Regel abends und am Wochenende. Ich finde ab 17/18 Uhr eher suboptimal und will eigentlich auch nicht jedes Wochenende vor dem Bildschirm hängen, aber im Moment nehme ich alles mit was geht. Denn selbst wenn ich mir sicher bin, es verstanden zu haben, so schadet es ja nicht, es zu wiederholen oder es genauer oder von einer anderen Seite zu betrachten.
Was dabei auch nicht zu unterschätzen ist, ist das Gefühl, dass man unter „Leidensgenossen“ ist. Dass es reale Menschen gibt, die sich durch dieselben Texte kämpfen. Klar, im Grunde weiß man das, man kann sich schließlich ansehen, wie viele sich für das Modul eingeschrieben haben. Aber wie viele davon beschäftigen sich gerade wirklich damit? Wie viele lassen es doch noch liegen, weil die Zeit und die Lebensumstände es gerade nicht zulassen, sich damit zu beschäftigen? Eben. Die, die in den Mentoriaten sitzen, die wollen – zumindest jetzt – genauso wie ich.

Ein paar Mentoriate habe ich schon besucht.
Mathe-Brückenkurs: Hier habe ich bislang zwei Mentorinnen getestet, allerdings war die erste Kurseinheit auch nicht sonderlich kompliziert, so dass es mir schwer fällt, eine von beiden als besser/schlechter zu bewerten.
Mathe: Auch hier habe ich zwei Mentoriate besucht, die allerdings auf total unterschiedliche Art und Weise gestaltet wurden. Während der eine Tutor seinen Fokus darauf legt, dass wir grundlegend verstehen, was wir da tun, arbeitete die andere Mentorin eher Freestyle mit vielen Beispielen. Welches mir lieber ist? Ich mag beide Herangehensweisen und beide bringen mich weiter. Ich werde also vermutlich auch die restlichen Mentoriate beider Tutoren besuchen wenn es zeitlich machbar ist.
VWL/BWL: In diesen Fächern habe ich zwei Vormittage beim selben Tutor durchgepowert. 6 Stunden Mentoriat ist schon eine echte Hausnummer, bringt aber insofern was, als das man sich da länger mit der Materie beschäftigt. Ich bin noch auf der Suche nach einem Vergleich.

Das waren meine ersten Wochen als WiWi-Fernstudentin. Vollgestopft mit Lernstunden am Schreibtisch, online-Mentoriaten und Mathe-Träumen, aber immer mit dem guten Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Afterglow…

… oder Abschied von meiner Lieblingsband Sunrise Avenue (Teil 3)

Düsseldorf, PSD Bank Dome, 18. September 2022

This is the end, denke ich als ich von meinem Platz im Oberrang auf die Bühne schaue und horche in mich hinein. Ich weiß nicht so recht, wie ich mich fühlen soll und in mir ist es seltsam leer. Ich freue mich auf dieses Konzert, genauso wie ich mich auf jedes einzelne vorher gefreut habe, und gleichzeitig ist da die Frage nach dem „danach“. Es ist immer noch nicht ganz bei mir angekommen, dass es Sunrise Avenue morgen nicht mehr geben wird und ich nach 16 Jahren Abschied nehmen muss. Wo ist die Zeit hin?

Die Vorgruppe Cyan Kicks liefern ihre gewohnt gute Show, aber ich bin im Kopf schon einen Schritt weiter. Das Licht geht wieder an, die letzte halbe Stunde vor dem Konzert. Dann geht es los. Ich würde gerne aufstehen, aber… Das Publikum ist etwas etepetete. Alle sitzen brav auf ihren Plätzen und wer aus der Reihe tanzt wird blöd angemacht. Finde ich total unverständlich. Ich meine, Leute, das hier ist das ALLERLETZTE KONZERT dieser tollen Band und das sollten wir genießen.
Zum Glück sitze ich in der ersten Reihe im Oberrang und vor mir befindet sich eine äußert gut geputzte Glasscheibe – da ist die Sicht wenigstens gut.

Es beginnt mit „Thank you for everything“. Ich denke, es ist das letzte Mal und ich genieße es so gut ich kann.
„Choose to be me“ folgt. Jeder muss seinen Weg machen und tun, was für einen selbst richtig ist, auch wenn es nicht immer leicht ist.
„Unholy Ground“ – keine Ahnung wann zwischen Leipzig und Frankfurt das Lied auf die Setlist gehüpft ist, aber ja.
„Funkytown“ gehörte irgendwie nie zu meinen Lieblingsliedern, aber live ist es schon irgendwie geil. Vor allem heute, weil Tommy Lindgren den Rappart heute live on stage macht.
„Heartbreak Century“
„Beautiful“
„Afterglow“, ich kann nichts dagegen tun, die Tränen fangen bei diesem Lied an zu laufen. Jedes Mal wieder. Kein Wunder, das Lied handelt vom Verlassenwerden und von der Hoffnung, dass es nicht endgültig sein wird. Ich fühle das total. Besonders jetzt.
„Forever Yours“, mein all time favorite. Das Lied, mit dem Sunrise Avenue mein Herz endgültig erobert haben. Für die Tour in einer rockigen Version und einem ruhigen Abschluss, bei dem ein Publikumschor aus vielen tausend Stimmen die letzten Worte „Forever Yours“ singt und es zumindest in diesem Moment genauso meint.

„You have no idea, what you have done for us. And I am nobody to give any advice to anybody but I will say this: If you have a dream, no matter how big or small, no matter what it is, nobody… nobody has the right to come and tell you it’s not good. Because it’s your dream, it’s your call and it’s your life. Thank you so much“

Samu Haber, PSD Bank Dome, Düsseldorf,

„I can break your heart“
„Lifesaver“

Bei „Home“ wird es ruhig in der Arena und tausende Lichter gehen an. Dank einer Fanaktion gibt es für jeden Block Transparentpapierschnipsel um aus dem Lichtermeer einen großen Regenbogen zu machen. Nicht erst bei diesem Song stehen Samu seine Gefühle deutlich ins Gesicht geschrieben. Er ist zweifelsfrei da, wo er in diesem Moment sein möchte und auch für ihn wird das ein schwerer Abschied.
„Hurtsville“ der Ort, an den ich mich verkriechen werde, wenn die Tour vorbei ist. There’s only room for me in Hurtsville
„I help you hate me“ – schön wär’s. Das Lied handelt von einer Trennung und davon, dass derjenige, der geht alles daran setzt dafür zu sorgen, dass dem anderen die Trennung erträglicher gemacht wird. To help you let go, I wear the t-shirt you hate, let my hair grow, not in a good kind of way. I stay at home make sure you never see me smile again. Well, mir ist Samu mit kurzen Haaren zwar lieber, aber es kommt auf den Inhalt an und nicht auf die Verpackung…
„A little bit love“
„Never let go“

„Welcome to my life“... you see it is not easy, but I’m doing allright… hey little fighter, soon it will be brighter, we’re over the „Stormy End“ Verdammt, ich brauch ein Taschentuch
„Question Marks“
„Point of no return“ We can’t look behind now, please don’t cry now, let’s creat a thunder… Hier hüpft das ganze Publikum – zumindest der Golden Circle und ein paar andere im Innenraum. Der Rest, well, Düsseldorf halt. Da hüpft der Oberrang nicht. (In Köln schon) Aber immerhin stehen wir jetzt auch endlich mal.
„Nothing is over“ Neben mir werden Taschentücher gezückt, ich nehme den Ärmel des Pullis. Mal wieder. That’s it. Natürlich weiß ich, dass gleich noch ne Zugabe kommt, aber das Ende rückt unaufhaltsam näher und die Taschenlampen gehen nochmal an.

Mit Osmos Keyboard Solo wird die Zugabe eingeläutet. Er rennt nicht so vorfreudig den Bühnenausläufer rauf und runter wie die letzten Male bevor er sich hinter seine Keyboards stellt. Nach den ersten Tönen wischt er sich über die Augen. Heult er? Noch ein paar Töne bevor er sich beide Hände vors Gesicht hält und aussieht als würde er in die Knie gehen wollen. Er heult. Definitiv. Und vom Publikum kommt ein mitfühlendes „oooohh“ – als würden ihn alle in diesem Moment in den Arm nehmen und trösten wollen. Ich will es auf jeden Fall. Einen kurzen Moment, dann fängt er sich und zieht sein Solo durch.
„Fairytale gone bad“, der erste Hit und jetzt zappelt sogar der Oberrang.
„Wonderland“ und „Hollywood Hills“ singen wir lauthals mit, so können wir zumindest die nächsten Minuten verhindern, dass wir wieder heulen, aber als die letzten Töne verklungen sind, geht es los. Ich heule. Links neben mir wird geheult, hinter mir wird geheult. Auf der Bühne wird geheult. Samu, Osmo und auch die anderen haben zumindest Tränen in den Augen. Gruppenumarmung. Verbeugung. Die Jungs schlendern am Publikum entlang, schleudern Pleks und ihre Handtücher in die Menge. Samu winkt sich einen Sicherheitsmenschen heran und deutet ins Publikum. Schon wird ein Mädel über die Absperrung und auf die Bühne gehoben – im nächsten Moment schenkt Samu ihr seine Gitarre. Auch diese Geste entlockt dem Publikum ein kollektives „ooohhh“. Es gibt einfach zu viele Gründe, diese Band zu lieben. Ich bin immer noch nicht bereit zum Abschied nehmen, aber als alle die Bühne verlassen haben, verlasse ich die Halle…

„Partir, c’este mourir un peu“ – Abschied nehmen bedeutet immer ein wenig sterben.

Jetzt sitze ich hier, an meinem Schreibtisch und bei der Erinnerung an all die schönen Momente mit der Band, fließen schon wieder die Tränen.

I’m living on the afterglow...

Thank you for everything…

oder: Abschied von meiner Lieblingsband Sunrise Avenue (Teil 2)

Eine seltsam normale Woche nach Hamburg sitze ich wieder im Zug. Dieses Mal geht es nach Köln, die Stadt, bei der sich die Einfahrt in den Bahnhof immer ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt. Es ist wieder ätzend heiß, aber meine Vorfreude ist riesig. Ich habe ein günstiges Zimmer mit Hinterhofcharme in Köln-Kalk gebucht, 20 Minuten zu Fuß zur Lanxess Arena. Die Halle ist ausverkauft und obwohl mein Platz beinahe gegenüber der Bühne liegt, bin ich nicht so weit weg wie befürchtet, denn die Arena ist hoch. Schon während wir auf die Vorgruppe Cyan Kicks warten, spüre ich die besondere Atmosphäre. Es ist nicht das Kribbeln des ersten Mals wie in Hannover, es ist auch nicht die Partystimmung wie in Hamburg. Es ist anders.
Köln ist die Stadt, in der die Band ihren allerersten Auftritt in Deutschland hatten. Im Club Underground. Köln ist auch die Stadt, in der ich die meisten meiner Sunrise Avenue Konzerte besucht habe. Vier werden es mit diesem sein.

Als der Countdown beendet ist und der Vorspann auf der Leinwand läuft, erheben sich die ersten von ihren Sitzen und spätestens, als Samu Haber die Bühne entert, sitzt hier niemand mehr. Sunrise Avenue lieben Köln und das Kölner Publikum liebt zurück. Es ist das bislang emotionalste Konzert der Tour, zumindest von denen, die ich besucht habe. Samu bat für den verstorbenen Booker der Band statt um eine Schweigeminute darum, einmal so laut wie möglich zu sein und bei „Fairytale gone bad“ durften wir die Reunion mit dem ehemaligen Gitarristen Janne Kärkkäinen miterleben, der sich Köln für seinen Auftritt in Deutschland ausgesucht hatte.

Das Gründungsmitglied hatte Sunrise Avenue 2007 im Streit verlassen. „Es war die schwerste Zeit in unserer Geschichte. Wir haben uns vor Gericht gesehen, haben uns bekämpft. Wir haben uns gehasst und gestritten. Aber wir haben gesehen, dass aus Feinden auch wieder Freunde werden können“, erzählt Haber von der Aussprache. „Einen besseren Ort als Köln, um mit uns noch einmal zu spielen, gibt es nicht.“

report-K.de, 24. August 2022

Schon drei Tage später stand das kurzfristig gebuchte Konzert in Leipzig an. Im Golden Circle – näher dran geht nicht. Bei „Home“ gingen, wie jedes Mal, überall die Handy-Taschenlampen an und wenn man vom Golden Circle aus einmal die Ränge entlangschaut bekommt man ein ungefähres Gefühl davon, wie viel beeindruckender das von der Bühne aus wirken muss. Wenn man da steht und weiß „die tun das für uns“. Natürlich habe ich mir meinen Platz auf der Bühnenseite gesucht, auf der die Keyboards stehen. Ja, Samu Haber ist ein toller Typ, aber Osmo Ikonen… hach ja, den mag ich eventuell ein winziges bisschen lieber.

Nach fünf Konzerten in gut zwei Wochen hatte ich einen massiven Konzert-Hangover. Wenn man abends zu Hause auf dem Sofa hockt statt in einem minimalistischen Hotelzimmer oder in einer riesigen Arena. Und dann habe ich noch ein Ticket gekauft. Ich wollte später nicht „hätte ich mal“ sagen müssen.
Nach zwei „normalen“ Wochen ging es nach Frankfurt/Main. Ein Konzert zum Genießen. Wieder mittendrin im Publikum. Und von dort aus mit einer Mischung aus Vorfreude und „ich will nicht, dass es vorbei ist“ weiter nach Düsseldorf.

Bye, bye Hollywood Hills…

… oder: Abschied von meiner Lieblingsband: Sunrise Avenue (Teil 1)

Im Zuge einer plötzlichen „einfach machen“-Attacke habe ich gerade ein Konzertticket gebucht.

Ein Konzert?
Ist nicht wirklich was besonders Aufregendes/Mutiges/Besonderes – oder?

Vielleicht nicht, aber es ist ein Konzert der Abschiedstour meiner derzeitigen Lieblingsband (ich habe ja auch erst 5 Tickets für diese Tour gekauft…) und was mein Gefühlsleben angeht kann man das wohl mit der ersten großen Liebe vergleichen. Man liebt heiß und innig und kann sich ums Verrecken nicht vorstellen, dass mal jemand anders diesen Platz einnehmen kann. Und zwar unabhängig davon, ob man tatsächlich zusammen ist oder den großen Schwarm anhimmelt (Er will mich nicht? Ich werde mich NIE in jemand anderen verlieben! Jaja, x potentielle „für immer“-Kandidaten später schüttelt man über sich selbst den Kopf. Realität – kannste dir nicht ausdenken.)

Ich habe die letzten 16 (!!!) Jahre mit dieser Band und der Musik verbracht – faktisch ist das die längste Beziehung, die ich je hatte – und ich hätte mir bis zu diesem schicksalhaften Dezembertag 2019, an dem Sunrise Avenue in Helsinki vor die Presse traten und Samu Haber das Ende der Band verkündete, nicht vorstellen können, dass es irgendwann vorbei sein würde. Ich meine, natürlich weiß ich, dass Bands irgendwann aufhören (wenn sie nicht die Rolling Stones oder die Scorpions sind) aber für Sunrise Avenue und speziell Samu Haber lief es von außen betrachtet super, doch obwohl es heißt „wenn es am Schönsten ist, soll man gehen“ spürt man doch in der Regel vor dem Ende schon einen gewissen Verfall. Mittlerweile hat Samu Haber seine Biografie auf den Markt geworfen und damit mir (und vielen anderen) die Möglichkeit gegeben, das alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Frag dich mal wie das ist, wenn du den Traum hast, dein Geld als Musiker zu verdienen. Wenn dieser Traum dann wahr wird und diese Nummer gefühlt von Jahr zu Jahr größer wird bis sie schließlich Sphären erreicht, an die du im Traum nicht gedacht hast. Und wie es ist, wenn alle auf dich gucken, darauf warten, dass du den nächsten Superhit ablieferst, das nächste Album, die nächste Tour, die Fernsehauftritte, dieser ganze Rattenschwanz an Verpflichtungen, die das nach sich zieht. Und ehe du dich versiehst, ziehen sie von allen Seiten an dir und du kannst niemandem mehr gerecht werden. Am wenigsten dir selbst.

Im ersten Moment denkt man „das ist jetzt aber Jammern auf sehr hohem Niveau“ aber selbst ich in meinem Durchschnittsleben habe so oft keinen Bock mehr auf das Leben, das ich führe, wenn ständig irgendjemand etwas von mir erwartet und kein Raum mehr für mich bleibt.

Aber zurück zum Thema.

Als im Nachsatz zum Band-Aus bekannt gegeben wurde, dass es eine Abschiedstour gibt war sofort klar, dass ich alles mitnehme was geht (also halbwegs erreichbar ist).
Hamburg, Hannover, Köln, Düsseldorf.
Zack – gebucht.

Zusatzkonzert in Hamburg.
Zack – gebucht.

Helsinki? Ticket, Flug, Hotel… – sei vernünftig –
Nicht gebucht.
Aber hey noch 5x die Lieblingsband live sehen, das wird super.

Und dann kam Corona.
Mein erster Gedanke: alles umsonst. Sie werden die Tour absagen. Sie wollen ja schließlich aufhören.
Aber die Band gibt ihren Fans ein Versprechen: Wir ziehen es durch – wann immer das sein wird.

Nach diversen Verlegungen geht es 2022 endlich los.

Internet: Es gibt noch Tickets für Helsinki.
Herz: Kann ich mir das leisten?
Dein ganzes Geld geht dabei drauf, aber: Ja, könntest du.
Kopf: Sei vernünftig.

Nicht gebucht.

(Ich bereue es gerade – aber sowas von…)

Das erste Konzert in Deutschland in Hannover. ZAG Arena.
Unbeschreiblich.
Oder – um es mit den Worten von Samu Haber zu sagen: „Ich habe Hühnerhaut.“

Da sitzen/ stehen wir – alle 11.000 in der ausverkauften Halle – voller Vorfreude, Dankbarkeit und Abschiedsschmerz und als die Band die Bühne betritt und die ersten Takte von „Thank you for everything“ ertönen, geht ein Jubel durch die Halle, den ich vorher noch auf keinem Konzert von ihnen erlebt habe – und das hier ist mein 10. Wir schauen auf die Bühne, sehen Samu Haber im Original auf der Bühne und gleichzeitig auf der großen Leinwand hinter der Band. Wir sehen wie er da steht, den Jubel hört und dabei ein Lächeln im Gesicht hat aus dem hervorgeht, dass es ihm genauso geht wie uns. Dass wir jetzt, ganz langsam, alle begreifen, dass hier etwas großes zu Ende geht.

„Es ist spürbar, neben der normalen Konzerteuphorie und der puren Freude, alte Klassiker gemeinsam live zu erleben, zieht sich eine Trauer durchs Publikum.“

Redaktionsnetzwerk Deutschland, 15.8.2022

Zwei Tage später. Hamburg, Barclays Arena.
Ein ganz anderes Gefühl. Die Halle ist voll, aber es herrscht nicht dieselbe Energie wie in Hannover. Es ist irgendwie ruhiger (obwohl es immer noch echt laut ist) und ein bisschen steif. Aber ich bin ja nicht wegen des Publikums da, sondern wegen der Band und deren Auftritt genieße ich.

Den Tag danach. Nochmal Hamburg.
Hannover war geil, aber das Zusatzkonzert in Hamburg… Wow. Während man gestern auch im Sitzen noch auf die Bühne sehen konnte, hielt es heute schon beim ersten Song so gut wie niemanden mehr auf dem Stuhl. Singen, tanzen, hüpfen – geht alles auch auf den Rängen wie man heute sehen konnte. Heiß, heißer, Hamburg.

Heute…
… sitze ich zu Hause und vermisse die große Halle. Ich leide an Konzert-Hangover. Aber hey, nächste Woche in Köln.

Hm…

Ist eigentlich noch irgendwo ein Konzert am Wochenende im August?
Gibts dafür noch Tickets?
Bin ich bescheuert genug, mich mit meinem 9 Euro Ticket dafür gefühlt tagelang in Zügen aufzuhalten?
Ja. JA. JA!

Ist es unvernünftig dafür jetzt Geld auszugeben? In Zeiten von steigenden Lebensmittelpreisen, explodierenden Gaspreisen und einem Job weniger?
Definitiv.

Aber das Leben hat mich eine Sache wieder und wieder gelehrt: Wir bereuen immer die Dinge am meisten, die wir NICHT getan haben.
Siehe weiter oben im Text.

Zack – gebucht.

Mann: „Du hast doch einen an der Marmel.“
Ja. Ist mir aber egal. Kann ich ganz gut mit leben.

Vater: „Verstehen muss ich das aber nicht, oder?“
Nö. Du musst mich nur zum Bahnhof bringen.

Schicksal?

Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen, nur die Größe ist unterschiedlich. Auch die Sichtweise. Denn was für den einen ein „dicker Brocken“ ist, ringt einem anderen vielleicht nur ein müdes Lächeln ab. Das hängt mit der Resilienz der jeweiligen Person ab. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Situationen zu überstehen ohne dabei einen Knacks zu bekommen.

Wie oft hab ich in meinem Leben innegehalten und es verflucht. Sich bei einem Praktikum richtig reinhängen, seinen „Job“ gut machen und den Ausbildungsplatz mit einer fadenscheinigen Begründung nicht bekommen. Sich „schon wieder“ den falschen Typen ausgesucht haben. Einen Job, den man liebt, nicht weitermachen können weil die Gesundheit nicht mitmacht. Und einfach nie, nie so richtig wissen, wer ich bin und was und wohin ich will.
Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin und wohin ich im Leben will, aber ich weiß (und wusste irgendwie immer) dass, egal welchen Knüppel mir das Leben als nächstes zwischen die Beine schmeißt, sich immer ein Weg finden wird, auf dem ich weitergehen kann. Zugegeben, manchmal sehe ich ihn nicht sofort oder er ist etwas marode, aber es geht weiter. IMMER.
Man könnte also sagen, meine Resilienz ist ziemlich ausgeprägt.

Neulich habe ich mich mit einem Menschen getroffen, der mir sehr wichtig ist und den ich, seit ich ihn kenne, wie einen Fels betrachtet habe. Als jemanden, der mit beiden Beinen fest und unterschütterlich im Leben steht. Das tue ich heute noch, obwohl wir uns mittlerweile so gut kennen, dass ich um seine Schwachstellen weiß und trotzdem überrascht bin, wenn für einen kurzen Moment durchschimmern. Wir standen zusammen und er war dabei, mich auf den neuesten Stand zu bringen was so sein Leben angeht als er innehielt und sagte: „Ich fange so langsam an mich zu fragen, was mein Schicksal mir damit sagen will.“

Mit dem Schicksal ist das so eine Sache. Die einen sind fest davon überzeugt, dass es sowas wie Schicksal gibt während die anderen davon überzeugt sind, dass man irgendwie selbst für alles Glück und Unglück in seinem Leben zumindest mitverantwortlich ist. Zumindest ist “Schicksal” eine gern genutzt Erklärung wenn Dinge passieren, die man sich logisch nicht erklären kann.
Tatsächlich ist „Was will das Schicksal mir damit sagen?“ eine Frage, die ich mir früher auch immer dann gestellt habe, wenn ich das, was in meinem Leben gerade schief lief, als extrem ungerecht und „zuviel“ für mich empfunden habe. Mittlerweile stelle ich sie mich nicht mehr, was nicht heißt, dass es keine Situationen gibt, in denen ich das Gefühl habe, dass mir alles zuviel ist. Ich habe nur irgendwann für mich festgestellt, dass ich mich zu sehr in Grübeleien verzettel und sich die Phase, in der ich alles als doof, ungerecht und schwer erträglich empfinde, dadurch verlängert. Statt dessen erlaube ich mir einen Tag, an dem ich alles mal so richtig scheiße finde, an dem ich mir ein besonderes Essen und/oder ein „Trostgeschenk“ mache und frage mich dann, wie es am besten weitergehen kann.

Ich habe gerade einen Job verloren. Einen, den ich gerne gemacht habe und bei dem ich dankbar bin, dass ich die Chance bekommen habe ihn machen zu dürfen obwohl ich aus einer ganz anderen beruflichen Richtung komme. So richtig überrascht hat mich das nicht, trotzdem gab es diesen winzigen Schockmoment, an dem die Zeit für einen Augenblick stehenblieb und ich dachte „und jetzt?“. Aber beinahe im selben Moment kam mir der Gedanke, dass ich nun frei bin. Ein halber Tag mehr Freiheit um Dinge zu tun, auf die ich Bock habe.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich zu 100% daran glaube, dass das Schicksal für alles verantwortlich ist, was in meinem Leben passiert, ich bin allerdings davon überzeugt, dass alles, was in meinem Leben passiert, einen Sinn hat (auch wenn sich mir dieser nicht immer auf den ersten Blick erschließt) und dass das Leben einem nur das zumutet, was man aushalten kann – und das ist in der Regel deutlich mehr, als man selbst vermutet.

Mein Schicksal ist offensichtlich gerade der Meinung, dass ich etwas Bewegung in meinem (Arbeits-)Leben nötig habe. Was auch immer da auf mich zukommt – ich bin bereit.

Blog like nobody’s reading…

Blogge als würde niemand es lesen.

Dieser kleine Satz klingt so leicht und wie oft habe ich mir schon meinen alten Blog zurückgewünscht, in dem ich einfach drauflos geschrieben habe. Wo ich alles, was mir gerade durch den Kopf ging, hemmungslos in Worte gefasst und der Öffentlichkeit mitgeteilt habe. Zugegeben, es war eine sehr kleine Öffentlichkeit, aber es gab Menschen, die regelmäßig meine Beiträge gelesen und kommentiert haben. Besonders in Erinnerung wird mir der Kommentator mit dem Namen „Sternenschein“ bleiben, ein älterer Herr in den 70ern, der selbst regelmäßig Beiträge verfasst und mich über Jahre begleitet hat bis er schließlich starb.
Der Blog wurde irgendwann ohne Vorwarnung seitens des Betreibers vom Server genommen und ging in die ewigen Jagdgründe des WWW ein. Durch Tipps einiger computernerdiger Mitblogger konnte ich ein paar Artikel retten was nichts an der Tatsache änderte, dass ich am Boden zerstört war weil ich das Gefühl hatte, ein Teil meines Lebens sei mir genommen worden.
Lang ist’s her…

Mittlerweile bin ich eine begeisterte Instagrammerin und poste – auf gut deutsch gesagt – so ziemlich jeden Scheiß. Ich liebe es auch, dort anderen zu folgen und mir anzuschauen, was die so machen. Welche Bücher sie lesen, was sie kochen, wie sie leben.
Um ehrlich zu sein, genau dafür liebe ich das Internet. Weil ich so interessiert an anderen „normalen“ Menschen bin und ich so die Möglichkeit habe, einen kleinen Einblick zu bekommen. Ich bilde mir nicht ein, die Menschen hinter den Accounts zu kennen, wobei ich den einen oder anderen tatsächlich gerne kennenlernen würde falls sich die Gelegenheit ergibt.

Auf Instagram poste ich teilzensiert. Vermutlich nicht zuletzt, weil etwa 70% meiner Follower im selben Dorf wohnen oder mich zumindest tatsächlich persönlich kennen. Aber je älter ich werde, umso mehr frage ich mich, warum ich das mache. Klar, ich möchte niemanden bloßstellen oder sonstwie Persönlichkeitsrechte verletzen, aber was mich betrifft… könnte da meine kleine Instagramwelt – oder auch mein Umfeld im Allgemeinen – nicht ein bisschen mehr Offenheit vertragen? Wie würde ICH mich fühlen, wenn ich wieder ein bisschen mehr „frei von der Leber weg“ erzählen würde?

Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder ob auch die Erfahrungen, die man im Leben so macht, dabei eine Rolle spielen, aber was mich betrifft kann ich sagen, dass es mich zunehmend weniger kratzt was andere über mich denken. Zumindest bei den meisten Menschen, bei denen, die mir nahe stehen ist das ein bisschen anders, aber auch hier ändert sich das gerade massiv.
Denn, mal ehrlich, haben wir bei manchen Dingen nicht hin und wieder das Gefühl, dass es nur uns so geht? Und wäre es nicht schön zu wissen, dass wir damit eben nicht allein sind? Es braucht doch nur jemanden, der mutig genug ist, den ersten Schritt zu machen um andere zu ermutigen es nachzumachen.
Vermutlich wird es Menschen geben, die hinter meinem Rücken über mich reden und sich darüber lustig machen, was ich alles nicht schaffe obwohl ich ständig davon erzähle. Sollen sie doch. Scheitern gehört zum Leben, man wächst daran mehr als wenn immer alles glatt geht, und wie blöd wäre es denn, es nicht wenigstens zu versuchen?

Also habe ich beschlossen, mutiger zu sein. Offener zu sein.
Ein bisschen „back to the roots“ ein bisschen mehr „blog like nobody’s reading“.
Und ganz viel „sch*** drauf was andere denken“.
Ich muss nicht von allen gemocht werden – nur von denen, die mir wichtig sind (und die kennen meine Macken schon).

Die Schublade, in die wir am besten passen, ist unsere eigene

Wie so oft, wenn ich mit Big zusammensitze und wir uns über Gott und die Welt unterhalten, habe ich mir gestern die Frage gestellt, was wir eigentlich sind. Denn egal wie ich es drehe und wende, ich komme jedes Mal an den Punkt, an dem ich feststelle, dass „Freunde“ für mich irgendwie nicht die Schublade ist, die unsere Beziehung definiert.
Ich weiß, dass sich allein schon beim Wort „Schublade“ viele entsetzt an den Kopf fassen, aber macht euch mal bewusst, wie sehr wir alle unser Leben in Kategorien einteilen ohne es zu merken. Und das aus gutem Grund. Denn wenn wir uns immer auf die Vielfalt konzentrieren würden, wäre unser Gehirn in einem Zustand ständiger Überforderung.


Ein Beispiel:
Familie: alle, mit denen wir verwandt sind, egal ob blutsverwandt, angeheiratet, adoptiert
Freunde: die, denen wir nahestehen
Bekannte: die, mit denen wir hin und wieder etwas unternehmen, mit denen wir aber keine engere Bindung haben


Logisch? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber was ist, wenn du und deine beste Freundin gefühlt jeden Tag eures Lebens miteinander verbracht habt und ihr gegenseitig immer bei Familienfeiern dabei seid und ihre Mutter sich besser um dich kümmert als deine eigene es je getan hat? Ist es dann immer noch „nur“ Freundschaft oder schon sowas wie Familie?
Und was ist mit dem Ex, von dem ihr euch nur getrennt habt, weil ihr als Paar nicht funktioniert aber ansonsten hervorragend miteinander klar kommt. Ist der dann automatisch „nur“ ein Freund?

Big hat mir das Herz gebrochen. Mein theatralisches junges Ich würde hinzufügen: „Mehrfach“. Und das weiß er, denn ich habe es ihm gesagt. Auf der anderen Seite hat er aber auch eine bei mir „repariert“ was andere vor ihm kaputt gemacht haben. Auch das habe ich ihm gesagt. Beides war, aus heutiger Sicht betrachtet, in einem anderen Leben. Mittlerweile sind wir fast zwei Dekaden älter, reicher an Erfahrung und haben einen anderen Blick auf die Dinge. Dass er mir das Herz gebrochen hat ist, ebenso wie die Reparaturgeschichte, weiterhin Fakt, aber ohne diese Erfahrungen wäre ich nicht an den Punkt gekommen, an dem ich jetzt bin.

Wir haben uns eine Zeit lang aus den Augen verloren und so sehr ich auch in meinem Gedächtnis krame, ich kann mich nicht erinnern, wann und wie genau wir wieder zusammengefunden haben. Aber seit dem ist er mir enorm wichtig geworden.

Man sagt ja oft „mit meiner/m besten Freund/in kann ich über alles reden“, aber Hand aufs Herz, redet ihr dann wirklich über ALLES? Ich erzähle meiner besten Freundin schon eine Menge, aber ALLES erzähle ich ihr nicht. Bei Big hingegen komme ich schon sehr nahe dran. Manches kitzelt er (im übertragenden Sinn) aus mir raus, beim Rest sträube ich mich noch ein wenig weil ich manchmal unsicher bin, wieviel Ehrlichkeit wir untereinander aushalten.
Spoiler: mehr als ich dachte (das stelle ich zumindest immer wieder fest)
Hm, jetzt drängt sich mir gerade die Frage auf, wieviel „alles“ er mir zumutet. Mehr als früher, soviel ist mal sicher. Hin und wieder denke ich auch „mehr als ich vertragen kann“, was sich aber jedes Mal als falsch herausstellt.

Big bringt mich an meine Grenzen. Er schiebt mich bis an diese Tür, an die ich ein „bis hier her und nicht weiter“-Schild gehängt habe, woraufhin ich in der Regel erstmal einen Schritt zurück mache nur um im nächsten Moment das Schild abzuhängen und durch diese Tür hindurchzuspazieren. Er lässt mich wachsen. Das sollte ich ihm vielleicht auch mal sagen. Komplimente werden ja ohnehin viel zu selten verteilt.
Obwohl wir so verschieden sind (sind wir das wirklich oder kommt es mir nur so vor?) sind wir uns in vielen Dingen überraschend ähnlich und wenn es eine Schublade gibt, in die wir ganz hervorragend hineinpassen, dann ist das unsere eigene.

Der Speck muss weg…

Ich esse gerne. Ich esse gerne viel und vor allem esse ich am liebsten die falschen Dinge. Chips. Torte. Eis. Auflauf, großzügig mit Käse überbacken.
Morgens, mittags, abends – und gerne auch zwischendurch.
Dass das auf Dauer nicht gesund ist, weiß ich und natürlich spiegelt sich das auch in meinem Gewicht wieder. Ich sehe ja nicht umsonst so aus, wie ich aussehe.

Wie viele andere Menschen mit Übergewicht habe ich mehr als einmal versucht, dieses loszuwerden. Ich habe mich tagelang von Shakes ernährt, mich für vier Monate der Ernährungsmafia (ihr wisst schon…) angeschlossen, mich mit einer Gruppe von Bloggern mehreren Abnehmchallenges gestellt und unterschiedliche Ernährungsformen ausprobiert. Ich hatte mit allem davon Erfolg, aber auf Dauer habe ich nichts durchgehalten.

Warum nicht?
Weil ich gerne esse. Und weil ich zwei Dinge absolut nicht dauerhaft ertrage: Bücher lesen zu “müssen” und Vorschriften darüber was ich essen darf und was nicht.
That’s it.

Man sollte meinen, dass ich so langsam vom Scheitern die Nase voll habe, aber: NEIN. Ich finde ohnehin, dass man
A) erst gescheitert ist, wenn man aufhört es zu versuchen
und
B) Scheitern an sich nichts Schlimmes ist, denn jeder von uns hat Grenzen und sich überhaupt erstmal dorthin vorzuwagen, ist ja auch schon eine Leistung.

Nachdem ich mir in 7 Tagen Urlaub satte 4,3kg draufgefuttert habe, war ich fest entschlossen, diese so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Da ich seit einer Weile wieder ganz old school Kalorien zähle (was auf Grund mangelnder Disziplin und Stress bislang eher so semi-erfolgreich war), machte ich mich in den unendlichen Weiten des WWW auf die Suche, nach kalorienarmen Rezepten, die schnell, einfach, lecker und aus möglichst “normalen” Zutaten bestehen. Ich brauche richtiges Essen und Smoothiebowls mögen zwar gut aussehen, fallen für mich aber allenfalls in die Kategorie “Nachtisch” und wenn ich “Chiasamen” und “Flosamenschalen” schon höre stellen sich mir sämtliche Nackenhaare hoch. Abgesehen davon, habe ich ja noch einen Mann zu Hause und definitiv keine Lust, für ihn extra zu kochen. Ich meine, ihm zusätzlich ein Schnitzel in die Pfanne zu werfen ist ja nicht das Problem. Aber mir einen Salat schnibbeln und für ihn Schweinebraten mit Knödeln und Rotkohl kochen? No way. Mitgefangen, mitgehangen.

Wo waren wir? Ach ja, die Rezeptsuche im Internet. Der Vorteil an Foodbloggern auf Instagram ist ja, dass immer gleich auch ein Foto dabei ist. Sieht lecker aus – was ist das? Schnell den Text überflogen, in Favoriten gespeichert, fertig. Sogar gleich mit Kalorienangabe (natürlich nur, wenn es sich um die Foodblogger handelt, die sich mit leckerem Gewichtsverlust beschäftigen). So landeten zig Rezepte in einer Instagram-Collection und ich ging einkaufen.
Mein Kühlschrank ist nun gefüllt mit Quark, Frischkäse, Hüttenkäse, Kochschinken und Eiern sowie diversen Einmachgläsern mit von mir vorbereitetem Essen “to go” oder “to in der Mikrowelle aufwärmen” und im Gefrierschrank stapelt sich tonnenweise TK-Gemüse.
Gemüse!!!
Es ist nicht so, dass ich Gemüse nicht mag. Ich bevorzuge halt andere Lebensmittel. Fleisch und Nudeln zum Beispiel. Oder Brot. Ich könnte mich tagelang von Brot ernähren ohne dass mir etwas fehlen würde. Mit Wurst, Käse, Lachs, Marmelade oder Nutella. Kein Problem. Nicht gesund, aber unkompliziert und lecker.

Die ersten Rezepte sind gekocht, probiert und für gut (oder weniger gut) befunden worden und wandern in den Rezepteordner. Also, den richtigen Ordner, zum Anfassen, mit Rezepten, die auf Papier geschrieben wurden. Die haben nämlich den Vorteil, dass sich da kein Bildschirm in den Off-Modus schaltet wenn ich mal zehn Sekunden nicht draufschaue.

Die erste Woche nach dem Urlaub ist rum und ich bin schon 3 kg wieder losgeworden. Allein durch Essen. Viel Essen. Leckeres Essen.
So kann es weitergehen.

gelesen: Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

Schule fertig, und dann?
Während die Einen ihr Ziel längst fest vor Augen haben, sind andere noch auf der Suche. Gerade das stellt in der heutigen Zeit oft ein Problem dar: Soll ich Studieren und wenn ja, welches Fach, an welcher Uni? Soll ich eine Ausbildung machen? Oder vielleicht doch erstmal ein Jahr Pause – Reisen, ein Praktikum, ein soziales Jahr?
Ulrike Bartholomäus hat sich mit der Frage beschäftigt, warum es den Schulabgängern oft so schwer fällt, sich zu entscheiden. Dafür hat sie Interviews mit ihren „Forschungsobjekten“ geführt, bzw. sie von Gleichaltrigen befragen lassen, mit Experten gesprochen und lässt uns Leser nun an ihren Ergebnissen teilhaben. Auf teils erheiternde, teils erhellende Art und Weise bekommen wir Einblicke in das Gehirn von Heranwachsenden und Hinweise für Do’s und Don’ts im Umgang mit ihnen.

Wie ich zu diesem Buch kam – und warum ich es lesen MUSSTE
Dieses Buch ist mir durch Zufall in die Hände gefallen. Während meine Neffen sich mit Vater und Onkel beim Mario Kart an der Switch vergnügten und meine Schwester chillend auf dem Wohnzimmerfußboden lag, griff ich nach einem der Bücher, von denen immer ein paar unter dem Couchtisch zu finden sind. Was mir sofort ins Auge fiel, waren nicht die Illustration oder der Titel. Es war der Untertitel. „Die große Orientierungslosigkeit nach der Schule“.
Auf einen Schlag fühlte ich mich in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts versetzt, das Jahrzehnt, in dem ich die Schule beendete und absolut keine Ahnung hatte, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich hatte nach der Realschule noch ein Jahr „Höhere Handelsschule“ drangehängt und da ich immer noch keinen Plan hatte, folgte ich erstmal dem Rat meines Vaters. Der da lautete: „Lern was Anständiges, geh ins Büro“. Die vier Wochen beim Rechtsanwalt, inklusive einer Berufsschulklasse voller Zickenweiber, waren die Hölle. Mein Traum war das Abitur (aber weder mein Erziehungsberechtigter noch der Direktor des örtlichen Gymnasiums hielten mich für qualifiziert). Ich zog um, überbrückte die Zeit bis zum nächsten Schuljahr mit einem Praktikum im Kindergarten (und wusste dann, dass ich das NICHT machen will) bevor ich mich am Gymnasium versuchte, das ich mit der Fachhochschulreife verließ. Natürlich hatte ich immer noch keine Ahnung, was ich machen wollte. Probierte herum, brach eine weitere Ausbildung ab und stand mit 22 plan- und ziellos im Nirgendwo. Ich machte mich schlau, fand raus, dass eine Ausbildung zur Landwirtin mit meinem Schulabschluss in 2 Jahren zu machen war und dachte „okay und wenn das nichts ist, habe ich wenigstens einen Abschluss und kann danach immer noch was anderes machen“. Es stellte sich heraus, dass das aber genau mein Ding war…
Was hätte ich drum gegeben in der Zeit auch nur einmal das Gefühl vermittelt zu bekommen, „normal“ zu sein. Ich hatte den Eindruck, alle um mich herum wüssten ganz genau, was sie wollten. Alle – außer mir.

„Reife braucht Zeit, wer nicht sofort durchstarten möchte, sollte sich eine Auszeit nehmen. Nur monatelanges Chillen ist Gift fürs Gehirn.“

Ulrike Bartholomäus

Das Buch und ich
Der erste Teil des Buches ist mit „die große Orientierungslosigkeit“ überschrieben und beschäftigt sich mit den diversen Faktoren, die die Entscheidungsfindung der Jugendlichen beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel das Alter (das durch das Abitur nach 12 Jahren noch mehr in den Fokus rückt) und das Gefühlschaos in dem man sich in dieser Zeit des „Umbaus“ vom Kind zum Erwachsenen befindet. Und dann ist da plötzlich diese unfassbare Menge an Möglichkeiten, die einem offen stehen und es schwer machen, nun ausgerechnet die eine Sache zu finden, die zu einem passt. Es kommen Erinnerungen an die Zeit hoch, in der man selbst vor der Wahl stand, erst recht, wenn man selbst zur Fraktion der „Ahnungslosen“ gehört hat. Deshalb konnte ich da gut nachvollziehen, dass man sich erstmal entscheidet, sich noch nicht zu entscheiden. Zumal da ja noch die eigenen Eltern sind, die ihre ausgeprochenen oder unausgesprochenen Wünsche haben und sich schwer damit tun zu verstehen, was ihre Kinder umtreibt, und die – wenn das Kind nicht in die Puschen kommt – anfangen, ihrem Sprössling auch hier die Entscheidung abzunehmen bzw. ihn in die, vermeintlich richtige, Spur zu bringen. Aber nicht erst seit dem Lesen dieses Buches finde ich, dass man hin und wieder einen Schritt zurücktreten sollte um über die eigenen Erwartungen an sich und andere nachzudenken und sich zu fragen, in wie weit sich dort Überschneidungen finden lassen. Wir sollten wieder lernen, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind ohne ihnen unsere Vorstellung davon, wie sie zu sein haben, aufzudrängen.
Ein weiterer, nicht unerheblicher Faktor ist die virtuelle Welt. Sie bindet Energie und die Jugendlichen stehen unter permanentem Druck, sich von ihrer allerbesten Seite zu präsentieren – ihr zukünftiges Leben muss dafür etwas zu bieten haben und es muss perfekt sein, etwas anderes kommt nicht in Frage (und, ganz ehrlich, das geht nicht nur Jugendlichen so, sondern auch Erwachsenen, die sich in der virtuellen Welt herumtreiben). Aber auch Scheitern gehört dazu. Denn jede getroffene Entscheidung kann sich früher oder später als falsch erweisen. Dabei ist es egal ob man die Entscheidung aus eigenem Antrieb getroffen oder sich dazu hat drängen lassen. Manchmal passen Vorstellung und Realität einfach nicht zusammen – dann ist es Zeit für eine Kurskorrektur. Scheitern ist nicht schlimm – es gehört zum Leben dazu.
Die Kombination aus den Geschichten der Jugendlichen und den wissenschaftlichen Erläuterungen lässt die Thematik lebendig werden und fesselt den interessierten Leser von der ersten Seite an. Selbst, wenn man nur noch im Herzen jugendlich ist, kann man hier einiges mitnehmen.

Im zweiten Abschnitt geht es um das Erwachsenwerden. Vor allem der Teil, in dem es darum geht wie (und wie langsam) sich das menschliche Gehirn entwickelt und die Verknüpfung von Risikobereitschaft und Folgeeinschätzung fand ich hoch spannend. Erwachsen werden bedeutet herauszufinden, wer man ist und das geht am Besten durch Ausprobieren. Durch starke Zugangsbeschränkungen in beliebten Studiengängen wie Medizin gehen jedoch viele Möglichkeiten zum Ausprobieren verloren. Auch in diesem Abschnitt werden Misserfolge thematisiert, verbunden mit der Frage, was es braucht, um Krisen gut zu meistern. Stichwort: Resilienz. Die psychische Fähigkeit, gut mit Krisen umzugehen wird hier zwar sehr kompakt aber mit den wesentlichen Punkten behandelt. Ebenfalls nicht außer Acht lassen darf man die Suchtgefahr, die mit der zunehmend digitalen Welt einhergeht.

Im abschließenden dritten Teil, der sich vor allem an Eltern richtet, wird aufgezeigt, wie Eltern in dieser Phase der Entwicklung und der Entscheidungen am besten mit ihren Kindern umgehen sollten. Eltern müssen, so schwer es ihnen fallen mag, lernen, ihre Kinder ihren eigenen Weg finden zu lassen. In ihrem Tempo, auf ihre Art und Weise. Es geht darum zu reflektieren, ob es wirklich um die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder geht oder doch eher darum, dass das Kind den, aus Elternsicht, richtigen Weg entschlägt. Vielleicht ist es manchmal besser, sich rauszuhalten und eine andere erwachsene Bezugsperson mit den Jugendlichen ins Gespräch zu bringen um einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen.

Fazit:
Es fällt mir schwer das, was mir bezüglich des Buches durch den Kopf geht, in Worte zu fassen. Zum Einen habe ich es als sehr beruhigend empfunden, dass meine unkoordinierte Suche nach meinem Weg keine Ausnahme darstellt und ich, ohne es zu wissen, damals wohl einiges richtig gemacht habe. Ausprobieren, scheitern, einen neuen Weg finden, weitergehen.
Wenn die Schule vorbei ist stolpert man aus einem durchgetakteten Leben in ein Labyrinth aus Entscheidungen, die man selbst treffen muss. Das ist anstrengend. Das ist unbequem. Aber wir alle müssen / mussten da durch.
Das Buch hilft im Ansatz zu verstehen, was Jugendliche in dieser Phase ihres Lebens durchmachen, vor welchen Problemen sie stehen und wieso sie sich nicht dazu in der Lage sehen, Entscheidungen zu treffen. Mit diesem Wissen kann man (hoffentlich) gelassener mit dieser Situation umgehen ohne in die diversen Fallen zu treten, die sich Eltern in den Weg stellen.

Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?
von Ulrike Bartholomäus
erschienen am 01. April 2019 im BerlinVerlag
304 Seiten, 12,00 €
ISBN 978-3-492-31779-5

#alke.liest : Lesemonat Februar

Der Februar war nass, grau und stürmisch. Aber nicht nur deswegen hatte ich eine Menge Zeit zum Lesen. Nein, auch das böse C hatte irgendwie seinen Weg zu mir gefunden und verschaffte mir 10 Tage Quarantäne (ich war ja der Meinung eine ganz „normale“ Erkältung zu haben, aber die regelmäßigen Tests waren da anderer Ansicht).
Ehrlich, ich bin wirklich gerne zu Hause und kann ganz gut mit mir allein klar kommen, aber dieses eingesperrt sein geht echt nur sehr begrenzt. Wie habe ich die ausgiebigen Spaziergänge mit Elsa vermisst und wie sehr habe ich den ersten genossen als ich wieder „frei“ war… Aber kommen wir zum Thema des Beitrags…

Statistik:
gelesene Bücher: 16
gelesene Seiten: 4.146

Hörbücher: 6
Hörzeit: 45 h 40 min

SuB-Entwicklung
1.2.22: 480 (Print und eBooks)
vom SuB gelesen: 11
Zugänge: 9 (2 Print, 6 eBooks) + 1 Hörbuch (zähle ich nicht zum SuB)
28.2.22: 478 (Print und eBooks)

Ich bin zufrieden – wie immer. Am Monatsende haben wir zu viert einen Buddyread zu „Bella Germania“ von Daniel Speck gestartet und es zeigt sich mal wieder, dass manche Buchschätze viel zu lange auf dem SuB herumstehen… Der SuB, ach ja. Er ist wieder um zwei ganze Bücher geschrumpft. So wird das definitiv nichts mit der deutlichen Verkleinerung… Und sonst? Ich habe im Februar meine Sachbuch-Liebe (wieder-)entdeckt. Die werden mich jetzt öfter begleiten, zumal ich am Wochenende wieder zwei von meiner Schwester mitgenommen habe. Auf eins hatte ich schon gewartet, das andere habe ich ihr spontan weggeschnappt bevor sie es lesen konnte (die Rache dafür, dass sie mir öfter mal meine neuesten Kochbuch-/Ernährungsbuch-Errungenschaften aus dem Haus wegkauft – wobei ich ihr ihres zurückgeben werde, obwohl es wirklich sehr interessant war).