Blog like nobody’s reading…

Blogge als würde niemand es lesen.

Dieser kleine Satz klingt so leicht und wie oft habe ich mir schon meinen alten Blog zurückgewünscht, in dem ich einfach drauflos geschrieben habe. Wo ich alles, was mir gerade durch den Kopf ging, hemmungslos in Worte gefasst und der Öffentlichkeit mitgeteilt habe. Zugegeben, es war eine sehr kleine Öffentlichkeit, aber es gab Menschen, die regelmäßig meine Beiträge gelesen und kommentiert haben. Besonders in Erinnerung wird mir der Kommentator mit dem Namen „Sternenschein“ bleiben, ein älterer Herr in den 70ern, der selbst regelmäßig Beiträge verfasst und mich über Jahre begleitet hat bis er schließlich starb.
Der Blog wurde irgendwann ohne Vorwarnung seitens des Betreibers vom Server genommen und ging in die ewigen Jagdgründe des WWW ein. Durch Tipps einiger computernerdiger Mitblogger konnte ich ein paar Artikel retten was nichts an der Tatsache änderte, dass ich am Boden zerstört war weil ich das Gefühl hatte, ein Teil meines Lebens sei mir genommen worden.
Lang ist’s her…

Mittlerweile bin ich eine begeisterte Instagrammerin und poste – auf gut deutsch gesagt – so ziemlich jeden Scheiß. Ich liebe es auch, dort anderen zu folgen und mir anzuschauen, was die so machen. Welche Bücher sie lesen, was sie kochen, wie sie leben.
Um ehrlich zu sein, genau dafür liebe ich das Internet. Weil ich so interessiert an anderen „normalen“ Menschen bin und ich so die Möglichkeit habe, einen kleinen Einblick zu bekommen. Ich bilde mir nicht ein, die Menschen hinter den Accounts zu kennen, wobei ich den einen oder anderen tatsächlich gerne kennenlernen würde falls sich die Gelegenheit ergibt.

Auf Instagram poste ich teilzensiert. Vermutlich nicht zuletzt, weil etwa 70% meiner Follower im selben Dorf wohnen oder mich zumindest tatsächlich persönlich kennen. Aber je älter ich werde, umso mehr frage ich mich, warum ich das mache. Klar, ich möchte niemanden bloßstellen oder sonstwie Persönlichkeitsrechte verletzen, aber was mich betrifft… könnte da meine kleine Instagramwelt – oder auch mein Umfeld im Allgemeinen – nicht ein bisschen mehr Offenheit vertragen? Wie würde ICH mich fühlen, wenn ich wieder ein bisschen mehr „frei von der Leber weg“ erzählen würde?

Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder ob auch die Erfahrungen, die man im Leben so macht, dabei eine Rolle spielen, aber was mich betrifft kann ich sagen, dass es mich zunehmend weniger kratzt was andere über mich denken. Zumindest bei den meisten Menschen, bei denen, die mir nahe stehen ist das ein bisschen anders, aber auch hier ändert sich das gerade massiv.
Denn, mal ehrlich, haben wir bei manchen Dingen nicht hin und wieder das Gefühl, dass es nur uns so geht? Und wäre es nicht schön zu wissen, dass wir damit eben nicht allein sind? Es braucht doch nur jemanden, der mutig genug ist, den ersten Schritt zu machen um andere zu ermutigen es nachzumachen.
Vermutlich wird es Menschen geben, die hinter meinem Rücken über mich reden und sich darüber lustig machen, was ich alles nicht schaffe obwohl ich ständig davon erzähle. Sollen sie doch. Scheitern gehört zum Leben, man wächst daran mehr als wenn immer alles glatt geht, und wie blöd wäre es denn, es nicht wenigstens zu versuchen?

Also habe ich beschlossen, mutiger zu sein. Offener zu sein.
Ein bisschen „back to the roots“ ein bisschen mehr „blog like nobody’s reading“.
Und ganz viel „sch*** drauf was andere denken“.
Ich muss nicht von allen gemocht werden – nur von denen, die mir wichtig sind (und die kennen meine Macken schon).

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