Fernstudium #3: Lernupdate 2

Woche 2 liegt hinter mir. Viel zu erzählen gibt es nicht, aber da sich diese Woche so deutlich von der ersten unterscheidet, gibts trotzdem ein kurzes Update.

Letzte Woche:

Modul S3 (Soziologie)
Diese Woche nicht im Programm…

Modul P3 (Internationale Beziehungen)
Diese Woche ging es um die Gründung der UN, ihre Vorgängerorganisationen, ihre Organe (Generalversammlung, Sicherheitsrat etc.) und um die Arbeit bzw. Probleme.

Wie läufts?
Trotz drei studienfreien Tagen bin ich zufrieden. Ich möchte mir kein schlechtes Gewissen einreden wenn ich mir die Pausen nehme, die ich brauche um, wie in dieser Woche, ein Schlafdefizit aufzuholen oder auch mal etwas anderes zu tun als zu lernen.

Und sonst?
Es gibt tatsächlich so eine Art „Motivations-/Austauschgruppe“ fürs diesen Studiengang. Mal sehen ob mir das wirklich hilft.

Statistik
Workload: 5,5 Stunden
Bearbeitete Seiten: 30
Motivationslevel: 7

Fernstudium #3: Lernupdate 1

Die ersten 10 Tage des Semesters liegt hinter mir und ich habe beschlossen, euch hier regelmäßig Updates darüber zu geben womit ich mich gerade beschäftige, wie es so läuft und was es sonst zum Thema Fernstudium zu erzählen gibt. Das hat den Vorteil, dass ihr auf dem Laufenden bleibt und ich außerdem gezwungen bin, mir ordentlich Mühe zu geben damit ich auch etwas zu berichten habe. Damit beherzige ich einen oft gelesenen Ratschlag, der lautet: Wenn du ein Ziel erreichen willst, erzählt möglichst vielen, was du vor hast. Das soll die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns vermindern. Ich bin gespannt.

Ich habe euch ja beim letzten Mal erzählt, dass ich in diesem Semester zwei Module bearbeiten möchte. Eventuell werde ich mich noch auf eins beschränken oder ich arbeite beide parallel über zwei Semester durch bevor ich Prüfungen mache, aber das wird sich im Lauf der Zeit ergeben.

Gelernt::

Modul S3 (Soziologie)
Es geht im ersten Skript vor allem um die Erklärung verschiedener wichtiger Begriffe. Die Einleitung und die ersten zwei Kapitel habe ich durchgearbeitet. Es ist verständlich geschrieben und die Zusammenhänge erscheinen mir total simpel und logisch. Quasi selbsterklärend.

Modul P3 (Internationale Beziehungen)
Im ersten Skript geht es um die UNO. Kapitel 1 behandelt die UNO als Friedensorganisation und stellt die theoretischen Ansätze zur Analyse vor. Vieles davon hatte ich noch in den Untiefen meines Gehirns vergraben und wurde nun wieder ans Licht geholt. Definitiv ein Thema das mir wieder vor Augen hält, warum mir dieses Fach so Spaß macht. In Kapitel 2 geht es um die Struktur der UNO wobei ich bislang die UN-Charta und die Institutionen der UN bearbeitet habe.

Wie läufts?
Ganz ehrlich? Diese Woche lief es super. Ich war hochmotiviert und habe es geliebt, stundenlang am Schreibtisch zu sitzen. Früher hatte ich beim Lernen immer Musik an, mittlerweile habe ich (dank einer anderen Fernstudentin) study sounds bei youtube entdeckt und lerne jetzt bei chilliger Jazzmusik, knisterndem Kaminfeuer und prasselnden Regentropfen oder Ähnlichem.

Und sonst?
Ich versuche, über die Lerngruppenbörse ein paar Leute zu finden, mit denen ich mich Austauschen kann. Egal ob sie dieselben Module belegt haben oder allgemein übers Fernstudium, so dass man sich bei Motivationstiefs mal gegenseitig in den Hintern treten kann.

Statistik
Workload: 24 Stunden
Bearbeitete Seiten: 140 + 2 online-Vorlesungen
Motivationslevel: 10

Soviel zum Start ins Semester und jetzt geht es wieder an die Skripte…

Fernstudium #2: Semesterbeginn

Semesterbeginn

Am Freitag war es so weit. 1. Oktober, offizieller Beginn des Wintersemesters 2021/22, mein Studium-Restart an der FernUniversität in Hagen.

Studiengang: BA Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie (Schwerpunkt Politikwissenschaft)

Als vor etwa zwei Wochen die Skripte bei mir eintrudelten – kiloweise – wurde mir nochmal deutlich vor Augen geführt, worauf ich mich da einlasse. Denn obwohl ich das freiwillig und aus echtem Interesse mache, es bedeutet Arbeit. Zumindest wenn man ein Ziel verfolgt.

Okay.
Semesterbeginn.

Zunächst möchte ich euch mal einen kleinen Überblick über den Status Quo geben.

  1. Ich habe mir im ersten Abschnitt meines Studiums (also vor der Pause) bereits 105 von 180 credits erarbeitet. Das bedeutet, mir fehlen noch 4 Module + die Bachelorarbeit.
  2. In diesen 4 Modulen MUSS ich mindestens 1 Hausarbeit und 1 mündliche Prüfung absolvieren. Fakt ist, dass ich in meinen möglichen Modulen höchstens noch 1 Klausur schreiben kann, da die anderen immer mit HA oder mündlicher Prüfung enden.
  3. Ich habe NULL Ahnung wie man ein Thesenpapier schreibt und ich hasse mündliche Prüfungen. (Beides lösbare Probleme – hoffe ich)
  4. Gebühren für dieses Semester: 240 € (2 Module á 120€), 50€ Semestergebühr
  5. Extraausgaben bislang: 30 € für ein Buch (ich habe es zwar als pdf aber zum Lernen habe ich lieber etwas „Richtiges“ in der Hand)
  6. belegte Module: P3 – Konflikt und Kooperation in den internationalen Beziehungen (ca. 1100 Skriptseiten + online-Vorlesung) S3 – Mikrosoziologie: Strukturen und Prozesse der Familie, Verwandtschaft, Gemeinschaft (ca. 800 Skriptseiten)
  7. Motivation auf einer Skala von 1-10: 9
  8. Wer tritt mir in den Arsch wenn ich ein Motivationstief habe? Ich fürchte niemand.
  9. Lern“plan“ – überwiegend am Wochenende (Freitag – Sonntag), ich würde mich aber gerne auch für die restlichen Tage für 1-2 Stunden täglich motivieren…
  10. Meine Idee: im Soziologiemodul die erste mündliche Prüfung machen, weil es mir „leicht“ erscheint, in P3 eine Hausarbeit schreiben weil ich bei diesem Dozenten auch gerne die Bachelorarbeit schreiben würde.

Mein Ziel…
Zugegeben, ein abgeschlossenes Studium würde mich sehr stolz und glücklich machen und es würde mich obendrein ein bisschen zu einem Angeber machen. Getreu dem Motto: seht mal, was ich geschafft hab – und zwar ganz alleine. Mit Fleiß, Willenskraft und Disziplin. Dabei bin ich der so ziemlich undisziplinierteste Mensch den ich kenne.
Aber letztendlich geht es mir auch in diesem Studienabschnitt vor allem darum, etwas zu lernen. Außerdem hetzt mich ja niemand. Selbst wenn ich mit 50 meine Bachelorarbeit schreibe, who cares?

Und ich möchte gerne noch an ein paar Seminaren teilnehmen, vor allem bei Herrn List, und ich hoffe sehr, dass es diese bald wieder als Präsenzveranstaltungen gibt.

Hier wird es regelmäßige Updates dazu geben, was gut läuft, aber auch wenn es nicht rund läuft. Denn ein Fernstudium neben drei Jobs, Hund und Haushalt ist bestimmt kein Selbstläufer.

Get the party started…

Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Tipps, wie man sich selbst besser organisiert? Immer her damit!

Grenzen

Ein Thema, das mich in letzter Zeit öfter – aber eigentlich schon immer – beschäftigt, sind Grenzen. Damit meine ich weniger Ländergrenzen, die ja in Europa seit dem Schengener Abkommen sowieso kaum noch sichtbar existieren, sondern mehr die persönlichen. Diese „ich kann das nicht“, „ich trau mich nicht“ und die „das würde ich nie tun“-Dinge, die jedem von uns mal mehr oder weniger oft durch den Kopf geistern. Das ist bei jedem unterschiedlich und was für den einen eine große Sache ist, sorgt beim Nächsten für Unverständnis.

Beispiel gefällig?
Ich habe kein Problem damit, nachts nach einer Party allein im Dunkeln durchs Dorf nach Hause zu laufen. Auch dann nicht, wenn keine Straßenbeleuchtung an ist. Andere lassen sich abholen.
Es macht mir auch nichts aus, allein in den Urlaub zu fahren. Bus, Bahn, Wohnwagen, Flugzeug, Hostel mit Mehrbettzimmer, Hotel… alles kein Problem. Zugegeben, manches hat mich am Anfang auch ein wenig Überwindung gekostet, aber wenn man jung und ungebunden ist, ist das nun mal die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen, der nicht in den eigenen vier Wänden stattfindet. Und ehrlich gesagt bin ich auch ganz gerne mal alleine unterwegs. Tun und lassen zu können was man will und wann man will ist ein Luxus, den ich sehr zu schätzen weiß.

„Ich kann das nicht“ – die Aussage hat es bei mir auch schon oft gegeben. Zuletzt bei einer Hormonbehandlung mit täglich 3-5 Spritzen, die ich mir selbst verpassen sollte. Am ersten Tag stand ich mit einem Nervenzusammenbruch bei meiner Freundin auf der Matte, die mir dann freundlicherweise die Spritzen verpasst hat (nicht ohne sich vorher schon mal zu entschuldigen, dass sie mir nun wehtut). Am zweiten Tag habe ich es todesmutig selbst probiert (ich war zu dem Entschluss gekommen, dass ich schlimmstenfalls ohnmächtig vom Sofa fallen würde und war bereit, das Risiko einzugehen) und spätestens ab Tag 5 war das alles kein Problem mehr. Dieses Beispiel zeigt eindeutig, dass es gerade bei „ich kann das nicht“ Grenzen gibt, die längst nicht so feststehen wie man es sich gerne einredet.

Und woher kommt das überhaupt, dieses „ich kann das nicht“? Meinem mittlerweile 6jährigen Neffen ist das völlig fremd. So lange er etwas nicht ausprobiert hat, käme er nie auf die Idee zu sagen, dass er das nicht kann.

Irgendwann kommt jeder von uns an einen Punkt, an dem er sich in seinem Leben eingerichtet hat. An dem man weiß, was man zu tun oder zu lassen hat, damit es einigermaßen problemfrei rund läuft. Doch auch, wenn ich das in gewisser Weise bis zu einem gewissen Grad für einen erstrebenswerten Zustand halte, so ist das doch letztendlich einfach nur bequem und fordert uns keineswegs heraus. Und hat nicht jeder von uns Träume? Einen anderen Job, weil der jetzige uns nicht mehr gefällt oder keine Aufstiegschancen bietet. Ein Bootsführerschein um an freien Tagen den Fluss entlang zu schippern. Eine Reise nach Paris oder wohin auch immer.

Was hindert uns, unsere Träume wahr zu machen?

Die Bequemlichkeit. Die Angst zu scheitern oder sich lächerlich zu machen. Manchmal auch dieses „das macht man nicht“ oder „das ist nichts für dich“ das man von anderen eingetrichtert bekommt bis man es selbst glaubt.

Alles irgendwie nachvollziehbar. Aber erinnert euch doch mal zurück an etwas, das ihr geschafft habt. Als ihr den Mut hattet, etwas zu probieren und es euch gelungen ist. Denkt daran, wie ihr euch in dem Moment gefühlt habt. Ist es nicht ein irres Gefühl etwas erreicht zu haben? Und habt ihr in solchen Momenten nicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass andere etwas, das ihr für gar nicht so besonders haltet (vielleicht weil ihr es auch nur „gerade so eben“ geschafft habt), bewundernswert finden?

Ein Beispiel.
Ich bin 2014 meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Oder gekrochen? Ich habe jedenfalls knapp unter drei Stunden gebraucht und wurde sogar von einem Marathonläufer überholt. Ich war wirklich, wirklich langsam. Aber ich habe es geschafft. Ich habe die ganzen 21 Kilometer durchgehalten und das erste, was ich im Ziel sagte, war „es ist eine Schande, das man für ein Bier so weit laufen muss“. Ich glaube, es war das leckerste Bier, das ich je getrunken habe (obwohl ich die Sorte auch schon bei vielen anderen Läufen bekommen habe). Schnecke oder nicht, ich war echt stolz auf mich.
Natürlich war mir klar, dass so ein Halbmarathon schon irgendwie etwas Besonderes ist, denn in meinem Umfeld kannte ich niemanden, der das schon gemacht hatte. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich eine besondere Leistung erbracht hätte. Aber viele sahen das ganz anders. Sie bewunderten mein Durchhaltevermögen und auch meine Einstellung zu der ganzen Sache, denn mir war es einfach nur wichtig, die Ziellinie zu überqueren und mindestens eine Person hinter mir zu lassen.

Ich glaube, wenn man die Erwartungen an sich selbst realistisch betrachtet und nicht zu hoch schraubt, macht sich den ersten Schritt leichter. Alles auf einmal zu wollen, geht in der Regel schief. Man kann ein großes Ziel in kleine Unterteilen und sich für jede genommene Hürde selbst auf die Schulter klopfen. Als ich mit dem Laufen anfing, hab ich mich auch nicht hingestellt und gesagt „Ich lauf mal nen Halbmarathon“. Im Gegenteil. Ich wollte fünf schaffen, an einem Volkslauf teilnehmen und dann die Laufschuhe wieder an den Nagel hängen. Aber dann traf ich auf die richtigen Leute und meine selbst gesteckten Ziele wurden höher.

Meistens sind es andere, die mich dazu bringen, meine Grenzen austesten zu wollen. In dem sie mir von Dingen erzählen, die sie begeistern oder die sie selbst gerne mal tun würden. Oder in dem sie mir den nötigen Tritt in den Hintern verpassen (im übertragenden Sinn) wenn ich selbst mal eine Idee habe. Oder in dem sie mich einfach daran erinnern, was ich trotz meiner ständigen Selbstzweifel schon alles geschafft habe.

In diesem Jahr bin ich ganz gut dabei, meine aktuellen Grenzen auszuloten bzw. neu abzustecken und ich muss sagen, es fühlt sich ausgesprochen gut an!

Wie sieht es bei euch aus? Wann habt ihr euch das letzte Mal aus eurer Komfortzone rausgetraut?

Freunde

Erinnerungsstücke

Wie groß ist dein Freundeskreis? Überschaubar? Riesig? Ist jede Person, mit der du mehr oder weniger regelmäßig etwas unternimmst mit dir befreundet oder bezeichnest du nur ausgewählte Menschen als Freunde? Und was ist Freundschaft eigentlich?

Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander. – So steht es jedenfalls im Wörterbuch.

Freunde sind Familie, die man sich aussuchen darf. – Postkartenweisheit. Die beste, die ich zu diesem Thema gefunden habe.

Hast du schon mal über deine Freunde nachgedacht? Ich meine damit nicht darüber, was du ihnen zum Geburtstag schenken oder wie du ihnen bei einem Problem helfen kannst sondern darüber, wer deine Freunde sind und warum genau du mit ihnen befreundet bist.

Ich hatte nie viele Freunde. Es gab sogar eine Zeit in der ich behauptet hätte, ich hätte gar keine. Beim ehrlichen Durchzählen meiner aktuellen Freunde, also der Personen, die ich als solche bezeichne, kam ich auf fünf. Drei Männer, zwei Frauen. Die meisten davon kenne ich schon mein halbes Leben und ich hätte damals nie gedacht, dass ich mit ihnen befreundet sein würde. Aber warum bin ich mit ihnen befreundet?
Ich habe keine Ahnung. Es hat sich so entwickelt. Bei den Männern ist es so, dass wir dasselbe Hobby geteilt und dadurch viel Zeit miteinander verbracht haben. Bei den Frauen ist es, naja. Eine habe ich durch das Bloggen kennengelernt und bei der anderen war es irgendwie unmöglich, nicht mit ihr befreundet zu sein. Vom Charakter her sind alle sehr unterschiedlich, was ich auf der einen Seite sehr bereichernd finde, was es auf der anderen Seite jedoch auch mal schwierig macht.

Jeder hat eine andere Definition von Freundschaft. Die einen brauchen nicht viel um mit jemandem befreundet zu sein, andere wiederum brauchen Zeit bevor sie jemanden als Freund bezeichnen.

Grundsätzlich finde ich es bei Freunden wichtig, dass ich bei ihnen ich selbst sein kann. Ich möchte mich vor ihnen nicht rechtfertigen müssen, warum ich dieses oder jenes tue oder eben nicht tue. Ich möchte nicht, dass sie mir ständig nach dem Mund reden, nur damit ich mich besser fühle. Ich brauche die Gewissheit, dass sie hinter mir stehen, selbst wenn ich den größten Unfug mache. Die mir ohne Fragen zu stellen einen Schlafplatz anbieten wenn es notwendig ist. Ich möchte mit Freunden ebenso reden wie schweigen können ohne dass es sich komisch anfühlt – und besonders Letzteres ist ein echtes Geschenk.

Mit Freunden sammelt man die besten Erinnerungen. Man quetscht sich zu siebt in einen Golf und klappert die Zeltfeten der Umgebung ab, man geht nachts nackt im Freibad schwimmen, man sitzt abends mit ihnen am Lagerfeuer, führt endlose Gespräche über Gott und die Welt. Samstagabend im Billardcafé, die Freistunde im Café, die Sommerferien in einer Ferienwohnung am Meer.

So weit so gut. Aber wie ist das mit besten Freunden? Was muss ein Freund/ eine Freundin tun um den Titel „beste/r“ zu verdienen? Reicht es, einfach lange genug durchzuhalten oder muss man gemeinsam besonders harte Zeiten durchstehen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich einen meiner Freunde besonders herausheben würde. Jeder von ihnen ist auf seine eigene Art etwas Besonderes und wertvoll für mich.

Als Jugendliche war ich ein riesiger Fan der Serie „Dawson’s Creek“ – eine Serie über das Erwachsen werden einer Gruppe Jugendlicher an der Highschool (und später am College). Hauptpersonen sind Dawson, ein hoffnungslos romantischer und gutaussehender Filmfreak, und Joey, seine seid Kindertagen beste und ebenfalls gutaussehende beste Freundin, die in ihn verliebt ist. Es gibt sechs Staffeln Irrungen und Wirrungen und am Ende… Naja, was ich sagen will ist, dass Dawson und Joey (ungeachtet aller Zwischenfälle) immer eine besondere Verbindung haben und man als Zuschauer bis zur letzten Folge darauf wartet, dass die beiden ihr Happy End bekommen, aber (falls jemand die Serie gerade erst auf Netflix für sich entdeckt hat, bitte den Rest es Abschnitts überspringen) am Ende ist sie mit der Person zusammen, die sie gefordert hat. Mit dem Mann, der sie dazu gebracht hat, Dinge zu tun, von denen sie überzeugt war, sie aus diversen Gründen nicht zu können oder bei denen sie gar nicht auf die Idee gekommen wäre, sie zu tun. Und es ist nicht Dawson.

Ich hab das damals nicht verstanden. Ich hab nicht kapiert wieso sie sich nicht für ihren Seelenverwandten entschieden hat. Den Mann, mit dem sie diese innige Verbundenheit teilt und… wie auch immer, ich habe es nicht verstanden.

Mittlerweile zähle ich jemanden zu meinen Freunden, der genau das mit mir tut. Er fordert mich. Er hinterfragt meine mitunter festgefahrenen Vorstellungen davon, wie manche Dinge sein sollten, er bringt mich dazu meine Grenzen zu überschreiten oder zumindest sehr deutlich auszuloten, wo sich diese befinden. Seit er das tut merke ich, wie sehr ich das brauche und was es mit mir macht. Nebenbei bemerkt ist er auch der Mensch, der so gut wie alles von mir weiß und der mich, egal was ich getan habe, nie verurteilt hat. Aus diesem Grund ist er einer meiner besten Freunde.

Und deshalb verstehe ich heute, mit einem Abstand von unfassbaren 20 Jahren, warum Joey sich dazu entschieden hat, mit Dawson befreundet zu sein, aber mit dem anderen eine Beziehung zu haben. Denn wenn man sich sein Leben lang immer nur in seiner Komfortzone bewegt, wird man sich nicht weiterentwickeln.

Ich bin dankbar für meine Freunde und hoffe, dass ich sie noch eine ganze Weile zu meinen Freunden zählen darf. Ich würde nicht so weit gehen, mir zu wünschen, dass sie für immer halten sollen, denn die Erfahrung zeigt, dass das „für immer“ echt selten ist. Manchmal treiben äußere Umstände Freunde auseinander oder man stellt irgendwann fest, dass man nicht mehr auf derselben Wellenlänge ist. Die Feststellung, dass eine Freundschaft zu Ende geht, hat mich oft traurig gemacht und manchmal habe ich mich auch gefragt, woran es lag. In der Regel macht es keinen Sinn, jemandem dafür die Schuld zu geben, denn das bringt weder die Freundschaft zurück, noch hilft es einem dabei, an einem Ende etwas Positives zu finden. Abgesehen davon, gibt es selten jemanden, der das Ende zu verantworten hat. Es ist wichtig, dass jeder seinen eigenen Weg findet und es wäre schön, wenn sich einem dabei niemand in den Weg stellt, deshalb bin ich dankbar für jeden, der mich auf meinem Weg ein Stück begleitet hat. Wie in jeder anderen Lebenslage hilft es auch hier, wenn man mit manchen Dingen seinen Frieden macht.

Was ist dir in einer Freundschaft wichtig? Hast du schon mal einen Freund verloren und falls ja, wie gehst du damit um?

Happy Birthday to me… oder?

Ja. Denn ich mag Geburtstage.

Ich mag es, meinen Geburtstag allein zu verbringen. Aufstehen wann ich will, gemütlich Frühstücken, den Tisch mit Luftschlangen und Konfetti dekorieren, die Happy-Birthday-Girlande aufhängen, die Kerzen vom Geburtstagskranz anzünden, mir eine Krone aufsetzen und mich in aller Ruhe des Lebens freuen. Einen Ausflug machen oder zu Hause bleiben und den Kuchen mit lieben Menschen teilen. Denn: kein Geburtstag ohne Kuchen – und der muss schokoladig und mit bunter Zuckerdeko dekoriert sein. Mindestens.

Ist mir egal wenn andere das albern und kindisch finden, es ist schließlich MEIN Tag und (das lernt man ja schon als Kind) dann ist man für einen Tag der Bestimmer.

Versteht mich nicht falsch, ich mag es, Geburtstagsbesuch zu bekommen. Am liebsten, wenn dann jemand spontan vor der Tür steht. Einfach so, weil dieser Mensch das halt gerne tun möchte. Okay, das kommt nicht so oft vor weil die meisten derjenigen, die das tun würden, zu für einen Überraschungsbesuch zu weit weg wohnen.

Was ich nicht mag, ist zwanghaftes Geburtstag feiern, womöglich noch groß wo man alle möglichen Leute einladen „muss“ damit sich am Ende niemand auf den Schlips getreten fühlt. Als ich in der 5. Klasse war, habe ich echt viele Einladungen verteilt, gefeiert habe ich am Ende mit 2 Freundinnen. Mit denen, die immer schon mit mir gefeiert haben. Warum sonst keiner kommen wollte, weiß ich nicht. Natürlich war ich damals traurig, aber einen schönen Tag hatte ich trotzdem und danach habe ich beschlossen, dass ich ab sofort nur noch die Menschen einlade, die ich wirklich dabei haben will. Zumindest das habe ich konsequent durchgehalten. Eine „richtige“ Feier gab es danach sechs Mal, wenn ich mich richtig erinnere.

Meine Lieblingsgeburtstage seit dem:

Mein 18.
Da war ich neu am Gymnasium (4 Monate abzüglich Sommerferien) und alle waren so ungewohnt offen und nett, so dass ich schließlich mit bestimmt 20 Leuten in einem kleinen Bistro beim Pizza essen gefeiert habe. Mein Geschenk habe ich übrigens schon bekommen bevor ich auch nur einen einzigen Mitschüler eingeladen hatte. Unvergesslich. Ich hab die Diddl-Maus heute noch.

Mein 25.
Das ganze Haus war voll mit Leuten zum „Kaffeekränzchen“ wie ein Freund es nannte und wenn alle gekommen wären, die ich eingeladen hatte, wäre es echt kuschelig geworden. Ich glaube, dass war meine erste und einzige Party, auf der ich mich als Hauptperson tatsächlich mal sauwohl gefühlt habe.

Aber in der Regel ist es so, dass Partys einfach nicht mein Ding sind. Weder als Gastgeber, noch als Gast. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich gehe auch nicht auf Partys wenn ich keine Lust habe. Das hat aber nie etwas mit dem Gastgeber zu tun. Ich sehe nur keinen Sinn darin, mich durch so einen Abend zu quälen, nur damit niemand fragen muss, warum ich nicht da war. Es ist doch für niemanden schön, Gäste zu haben, die sich nicht wohl fühlen – aus welchen Gründen auch immer.

Heute war es also wieder so weit. Geburtstag.

Mein 43. um genau zu sein.

DREIUNDVIERZIG – Leute, wisst ihr wie lang 43 Jahre sind? Gefühlt höchstens 28 wenn es um mein Alter geht, eine Ewigkeit wenn ich mir vorstelle 43 Jahre lang jeden Tag dasselbe zum Frühstück zu essen. Oder denselben Job zu machen (wobei das möglicherweise daran liegt, dass ich den perfekten Job für mich noch nicht gefunden habe).

Es gab ofenwarme Brötchen mit Mett, Glückwünsche tonnenweise, einen Blumenstrauß (frisch aus dem Garten), Pralinen und ein Abendessen im Restaurant. Ich fand’s schön.

Mit 25 dachte ich, ich wäre erwachsen. Mit 43 weiß ich – ich bin es nicht. Vielleicht werde ich es auch nicht mehr, wer weiß das schon so genau.

Aber das ist okay. Es ist überhaupt sehr viel mehr okay als mit 25. Man findet sich selbst. Jedes Jahr mehr. Zumindest geht es mir so. Ich war schon immer ein ziemlich relaxter Typ, aber als ich 40 wurde, dachte ich auf einen Schlag bei so vielen Dingen, wie egal mir das eigentlich alles ist. Vor allem, was andere über mich denken. Man muss einfach irgendwann begreifen, dass jeder sein eigenes Leben führen muss und nicht das, was andere meinen, das man es führen muss.

Und du? Wie sieht dein „perfekter“ Geburtstag aus? Große Sause oder ignorieren?
Erzähl doch mal.

Fernstudium #1: (Wieder) Studentin

Hurra, ich bin (wieder) Studentin!

Als ich gestern den Briefkasten öffnete, fiel er mir mit einem Haufen Werbung entgegen. Der Brief von der FernUniversität in Hagen. Inhalt: mein Zulassungs-/Immatrikulationsbescheid. Nach einer Pause von 6 Jahren bin ich nun also wieder Studentin.

Studiengang: Bachelor of Arts Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie.

Yay.

Aber wie bin ich auf die (bescheuerte?) Idee gekommen, mir, neben 3 Jobs, Mann, Haus, Hund und einem Haufen anderer Ideen im Kopf, wieder ein Fernstudium anzutun?

Lange Geschichte.

Studieren wollte ich schon immer. Dabei ging es mir nicht darum, einen besonders gut bezahlten Job zu finden oder „etwas Besseres“ zu sein. Ich bin gerne zur Schule gegangen, Lernen hat mir Spaß gemacht (wobei sich das leider nicht immer in meinen Noten widergespiegelt hat) und ein Studium hätte mir noch ein paar Jahre schulbankähnliches Lernen ermöglicht. Doch zum „richtigen“ Abi hat es am Ende nicht gereicht und nach der Fachhochschulreife war ich zu feige, um zum Studium loszuziehen, mal abgesehen davon, dass ich nicht wusste, wie ich das hätte finanzieren sollen. Abgesehen davon hatte ich zu dem Zeitpunkt schon eine eigene Wohnung und ich mochte es wirklich, selbständig und unabhängig zu sein.

Durch einen Umzug und dem damit verbundenen Mangel an einem passenden Vollzeitjob, arbeitete ich schließlich Teilzeit und hatte somit eine Menge freier Zeit. Natürlich hatte ich kein Problem damit, mich zu beschäftigen, ich hatte jedoch das Gefühl, etwas mit Mehrwert tun zu wollen. So bin ich bei der FernUniversität in Hagen gelandet. Meine Schulbildung war ausreichend, es gab die Möglichkeit, sich als Teilzeitstudierende einzuschreiben und dort wurden keine horrenden Monatsbeträge verlangt. Mein erster Impuls war, mich für Wirtschaftswissenschaften einzuschreiben, ich erinnerte mich allerdings daran, dass ich in dem Bereich zwar ganz gut in der Schule war, es mich aber nicht vor Begeisterung aus den Socken gehauen hatte. Also entschied ich mich für das, was mich interessierte: Politik und schrieb mich in den Bachelorstudiengang Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie ein.

Hochmotiviert stürzte ich mich ins Studium und lernte schnell die Tücken eines Fernstudiums kennen. Sechs Wochen am Anfang des Semesters und die letzten vier Wochen vor der Prüfung war ich sehr diszipliniert. Dazwischen eher weniger. Fakt ist, dass man beim Lernen zu Hause durch so viele Dinge abgelenkt wird.

Aber ich hatte mir ein Ziel gesetzt: bestehen. Ob mit einem sehr gut oder einem ausreichend war mir egal. Denn mir war klar, dass eine Prüfungsnote nichts darüber aussagt, was ich gelernt habe. Zumindest nicht für mich und das war ja das, worum es mir ging. Ich wollte keinen Einserabschluss für einen guten Job. Ich musste niemandem etwas beweisen. Ich wollte etwas lernen. Ich wollte zumindest versuchen, mir den Traum eines Studienabschlusses zu erfüllen. Und wenn es nicht klappte? So what, dann hatte ich es wenigstens versucht.

Im ersten Semester schrieb ich eine Hausarbeit im Modul „Einführung in den Studiengang“ und eine Klausur in „Grundstrukturen der Politik I: Regieren im nationalen und internationalen Kontext“. Die Hausarbeit war okay, die Klausur… Puuh. Da saß ich vor dem Papier und in meinem Kopf herrschte nichts als Leere. Als die Klausur geschrieben war, war ich mir ziemlich sicher, dass ich im nächsten Semester noch einmal das „Vergnügen“ haben würde. Aber ich kam durch.

Im zweiten Semester quälte ich mich durch die „Geschichte von Herrschaft, Staat und Politik“. Lasst mich dazu anmerken, dass Geschichte in der Schule nicht mein Lieblingsfach (und in der Oberstufe das mit den meisten Fehlstunden) war. Gefühlt wusste ich alles über den 2. Weltkrieg und es hing mir aus den Ohren raus. Um irgendwie an Motivation zu gelangen, belegte ich in diesem Fach ein Präsenzseminar bei Prof. Dr. Peter Brandt und zwei weiteren Dozenten. Mein erstes Highlight in diesem Studium. Plötzlich machte Geschichte Sinn und Spaß und ich hatte wieder Bock auf dieses Fach (sollte ich jemals den Bachelor schaffen, stünde ein Master in Geschichte zur Debatte).

Durch eine Umstrukturierung des Studiengangs schrieb ich noch Klausuren in „Grundstrukturen der Gesellschaft“ und „Grundstrukturen der Verwaltung“ bevor das Grundstudium beendet war und ich mich endlich mit den interessanten Themen beschäftigen durfte.

Zum Beispiel mit „Analyse und Theorien internationaler Beziehungen“. In diesem Bereich gab es von dem Dozenten Dr. Martin List in jedem Semester ein Präsenzseminar – wofür ich mich direkt anmeldete. Beste Entscheidung überhaupt. Im Seminar BRIC 4 ging es um „Russland in der internationalen Politik“ und sobald der organisatorische Teil abgehakt war und es zum Thema überging merkte man eines: Herr List brennt für das, was er tut. Er vermittelt eine derartige Begeisterung an seinem Fachbereich, dass es ansteckend ist. Nach zwei Stunden hatte ich Kopfschmerzen und meine Kapazitäten für die Aufnahme neuer Informationen waren nahezu erschöpft, aber ich hörte ihm das ganze Wochenende gerne und hochkonzentriert zu. Und auch im übernächsten Semester als ich nur aus Interesse auch am Seminar „Die VR China in der internationalen Politik“ besuchte.
Ach ja, die Klausur habe ich auch bestanden.

Dann musste ich mich durch ein Pflichtmodul in Statistik „Methoden und Analyseverfahren – Quantitative Methoden“ quälen. Ja, ich habe mich sehr gequält. Trotz eines Einführungsseminars habe ich kaum etwas verstanden, genauer gesagt Bahnhof, und die Skripte waren für mich böhmische Dörfer. Tja, das war’s dann wohl mit dem Studium.
Was tut man, wenn man verzweifelt versucht etwas zu verstehen, wovon mein keine Ahnung hat? Man öffnet Youtube. Dort fand ich einen Statistiktutor, der seine wöchentlichen Vorträge aufgezeichnet und ins Netz gestellt hat. Es sah dem, was in meinen Skripten stand, sehr ähnlich und – was ich super fand, er erklärte sehr gut und erwähnte auch gleich, was man sich nicht merken musste. Statistik war plötzlich so easy. Ich hatte noch drei Wochen bis zur Klausur, war davon glücklicherweise zwei krank zu Hause so dass ich lernen konnte und… bestand.

Tja, danach war mein Zeitmanagement noch miserabler und ich studierte noch bis zum SoSe 2015 ohne Prüfung, dafür aber mit einem weiteren Seminar bei Herrn List zum Thema „Grundprobleme in der inernationalen Politischen Ökonomie“ im Modul „Konflikt und Kooperation in den internationalen Beziehungen“. Als er mich sah, lachte er und erklärte den anderen Teilnehmern, dass ich Wiederholungstäter sei, dem ich ein ehrliches „aus Überzeugung“ hinzufügte.

Schweren Herzens, aber mit einer enormen Portion Realismus, brach ich das Studium ab, auch wenn ich gedanklich nie so richtig damit abschloss. Leicht erkennbar daran, dass ich bis dieses Frühjahr sämtliche Skripte aufbewahrt hatte bevor ich sie in einem Anflug von Entrümpelungswahn entsorgte.

Und jetzt?

Durch einen Zufall konnte ich im letzten Semester an einer offenen Ringvorlesung an der TU Dortmund teilnehmen und dann meldete sich plötzlich wieder die Stimme in meinem Kopf, die mich daran erinnerte, wieviel Zeit ich gerade wieder habe und dass ich das doch nochmal versuchen könnte, das mit dem Studieren.

Also wurstelte ich mich im Juli durch das online-Formular der Fernuni und wartete dann auf eine Rückmeldung. Bis gestern.

Doch auch wenn ich mich riesig freue, es begleiten mich natürlich auch Zweifel bei der ganzen Sache. Ich bin nämlich einer der undiszipliniertesten Menschen, die ich kenne. Dazu graut es mir vor müdlichen Prüfungen und ich habe keinen Plan davon, wie man ein Thema für eine Hausarbeit findet und es so weit eingrenzt, dass es auf die vorgegebene Seitenzahl passt. Und leider ist bei den restlichen Modulen, sie mir zum Abschluss fehlen, je nachdem was ich wähle, nur noch 0 bis 1 Mal eine Klausur drin.

Aber wie so oft im Leben, halte ich mir auch hier vor Augen, dass man gerade die Dinge am meisten bereut, die man NICHT getan hat. Sollte ich also am Ende scheitern, habe ich es wenigstens versucht. Klar, ein Studienabschluss ist mein Traum, allerdings geht es mir immer noch hauptsächlich darum, zu lernen und ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich oft schmerzlich lernen musste, dass sich nicht alle Träume erfüllen. Das Wichtigste ist, dass man es versucht und nicht bei der ersten Hürde aufgibt (dann wäre ich nämlich schon beim Online-Formular ausgestiegen. Das hat mich mit meinem Lebenslauf echt Nerven gekostet.).

Jetzt heißt es also noch etwas warten (auf die Skripte) und dann geht es wieder los. Ich starte mit den Modulen P3 „Konflikt und Kooperation in den internationalen Beziehungen“ und S3 „Mikrosoziologie: Strukturen und Prozesse der Familie, Verwandtschaft und Gemeinschaft“ und hoffentlich in naher Zukunft wieder einem Präsenzseminar bei Herrn List. Allein das ist es schon Wert, wieder zu studieren.

Die Reaktionen auf diesen Entschluss waren bislang positiv, allerdings weiß die Familie noch nicht Bescheid, die hauen nämlich grundsätzlich erstmal was Demotivierendes raus bevor ihnen einfällt, dass es doch eigentlich was Gutes ist. Mit viel Unterstützung von hier kann ich also nicht unbedingt rechnen. Aufhalten lasse ich mich aber trotzdem nicht.

gelesen: Lina Gustafsson – Die Schlachthaus-Tagebücher

„Die Schlachthaus-Tagebücher“ von Lina Gustafsson

übersetzt aus dem Schwedischen von Maike Barth
erschienen am 01. März 2021 bei Ullstein extra
240 Seiten

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?
Die Schlachthaus-Tagebücher.

Worum geht’s da?
Die Autorin Lina Gustafsson ist Tierärztin und hat sich als Veterinärin bei einem Schlachthof beworben um dort die Tierschutzrichtlinien zu überwachen. Im Buch erzählt sie wie der Ablauf dort ist, was ihre Aufgaben sind und wie sie versucht, etwas zu verändern.

Wie bist du auf dieses Buch gekommen?
Beim Stöbern in einer großen Buchhandelskette ist es mir ins Auge gesprungen. Wegen des Titels und dem Schweinchen auf dem Cover. Ich hab den Klappentext gelesen und fand den Satz „Wer dieses Buch liest, wird nie wieder Fleisch essen!“ ehrlich gesagt so provokant, dass ich es unbedingt lesen wollte. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ich aufhöre Fleisch zu essen, nur weil ich ein Buch gelesen habe.

Okay, wie war das Buch?
Am Anfang habe ich mich bei jedem Tagebucheintrag gefragt, warum in Gottes Namen, tut sie sich das an? Sie ist Vegetarierin und möchte in einem Schlachthof etwas für den Tierschutz tun – echt jetzt? Das passte für mich einfach nicht zusammen.
Sie tut sich schwer. Sie ist dafür zuständig, die Tierschutzrichtlinien zu überwachen, doch es gibt einen schmalen Grat zwischen „noch im Rahmen des erlaubten“ und „nicht mehr tolerierbar“. Täglich steht sie vor der Frage, ob das, was sie selbst als falsch ansieht, eine Meldung nach sich ziehen muss oder ob sie durch ihre eigenen Ansichten manches zu kritisch beurteilt. Die Kollegen sind nett, auch hilfsbereit. Viele haben resigniert. Hatten andere Träume und sind doch immer noch hier.

„Ich kann nur schwer mitansehen, wenn es den Tieren schlecht geht“, sage ich. „Wie gehst du damit um?“
Sie blickt mich ernst an. „Es ist, wie es ist. Manchmal muss man einfach wegschauen. Und akzeptieren, dass man nicht alles verändern kann.“

„Die Schlachthaus-Tagebücher“ S. 95

Lina bemüht sich. Schreibt Berichte, redet mit den Angestellten um die Verhältnisse zu verbessern. Manchmal gelingt es eine Zeit lang, oft ändert sich nichts. Weil es nicht praktikabel ist. Nicht wirtschaftlich. Mit jedem Tagebucheintrag spürt man als Leser, dass diese Arbeit Lina verändert. Sie möchte so gerne etwas tun, das den Tieren ihren letzten Weg erträglicher macht, ihr wird jedoch immer mehr bewusst, dass das, was sie hier erreichen kann, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Bis sie schließlich zu dem Punkt kommt, an dem sie einsieht, dass sie nicht bleiben kann. Am Ende wartet auf jedes Tier der Tod.

Es gibt keine Gnade

„Die Schlachthaus-Tagebücher“ S. 147

Und? Wirst du jetzt Vegetarier?
Nein. Ich habe eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht. Ich kenne den Ablauf vom Verladen eines Tieres auf den Transport bis zur Schlachtung, denn mein Chef hat es mir damals ermöglicht, einen Schlachthof zu besuchen. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass es Probleme und schwarze Schafe in allen Bereichen gibt, aber grundsätzlich gehe ich davon aus, dass diese in der Minderheit sind.

Möchtest du sonst noch etwas zu diesem Buch sagen?

Aber was ist mit all dem, worüber wir nicht sprechen?
Es geht nicht nur um die Schmerzen vor dem Tod. Es geht auch darum, wofür sie stehen: dass uns die Gefühle, die Wünsche, das Leben der Tiere nichts bedeuten.

Die Schlachthaus-Tagebücher S.192

Es ist wichtig, dass wir uns Gedanken machen. Über unseren Fleischkonsum und darüber, was diesem vorgelagert ist. Was möchten wir für uns? Was möchten wir für die Tiere? Und wie passen meine Bedürfnisse bezüglich meines Fleischkonsums zu den Bedürfnissen der Tiere, die ich später auf meinem Teller haben möchte?
Tatsache ist: wenn ich jeden Tag die abgepackte Wurst und das billige Fleisch aus dem Supermarkt esse darf ich nicht erwarten, dass es von einem glücklichen Bioschwein kommt, das jeden Tag von seinem Halter gestreichelt wurde und sich selig in einer Suhle wälzte bevor es einen Tag später völlig unerwartet und deshalb relativ stressfrei zu Leckereien verarbeitet wurde. Genauso wenig muss ich aber alle Fleischesser verteufeln, denn (auch wenn das jetzt etwas flapsig formuliert ist) schon die Steinzeitmenschen haben Mammuts gegessen.
Ich kann mich entscheiden, ob ich viel und billig möchte und dafür in Kauf nehme, dass die Tiere, die dafür sterben müssen eben nicht unter „Idealbedingungen“ aufwachsen, oder ob ich mich entscheide, meinen Fleischkonsum einzuschränken und mir dafür aber das teurere Fleisch direkt vom Produzenten bzw. aus der Metzgerei hole (und nein, damit meine ich nicht die Fleischtheke im Supermarkt).

Jeder muss das für sich entscheiden.

Auf jeden Fall gibt es von mir aber eine ganz große Leseempfehlung. Das Buch gibt einen guten Einblick in den Schlachtbetrieb und regt definitiv zum Nachdenken an.

gelesen: Die Spionin von Imogen Kealey

„Die Spionin“ von Imogen Kealey

erschienen bei Rütten & Loening (18.02.2020)
übersetzt von Gabriele Weber-Jaric
Seiten: 457

Anmerkung: Hinter dem Pseudonym Imogen Kealey stecken Imogen Robertson (eine Autorin historischer Romane) und der Drehbuchautor Darby Kealey. „Die Spionin“ ist ihr erster gemeinsamer Roman. Er beruht auf der wahren Geschichte von Nancy Wake.

Worum geht’s?
Der Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, handelt von Nancy Wake, einer gebürtigen Australierin die über Umwege nach Frankreich kam wo sie ihren Mann Henri kennenlernte und sich nach der Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten der Résistance anschloss. Zunächst erledigt sie nur Botengänge und leistet auch (dank ihres erfolgreichen Mannes) finanzielle Unterstützung. Sie hat den Spitznamen „die weiße Maus“ und gehört zu den meistgesuchtesten Personen Frankreichs, wobei die Nazis lange nach einem Mann suchen.
Als ihr Mann verhaftet wird bekommt sie einen Hinweis und flieht nach England, wo sie zur Agentin ausgebildet wird und schließlich als solche nach Frankreich zurückkehrt und als Anführerin der Partisanen gegen die Deutschen kämpft.

Klingt spannend.
Das ist es auch. Schon von den ersten Seiten an spürt man Nancys unbändigen Willen alles zu tun was in ihrer Macht steht, um die Deutschen aufzuhalten. Auch wenn sie anfangs „nur“ Botengänge erledigt, geht sie ein hohes Risiko ein. Ein wenig scheint es, als fühle sie sich durch ihren Status bzw. den ihres Mannes ein Stück weit unbesiegbar, doch spätestens als ihr Mann verhaftet wird, wird klar, wo ihr Schwachpunkt liegt. Aber sie hat einen starken Willen und auch wenn sie Henri aus tiefstem Herzen liebt, so kann sie den Kampf gegen die Nazis nicht aufgeben. Immer wieder gerät sie in Situationen, in denen sie nicht ernst genommen wird, weil sie eine Frau ist, doch davon lässt sie sich nicht aufhalten. Sie erarbeitet sich ihren Respekt, wobei sie oft kompromisslos ist und sich mit ihrem Verhalten zwar ihre Stellung sichert, jedoch nicht unbedingt Sympathiepunkte erwirbt.

Hat sie Erfolg mit ihrer Mission?
Wir wissen alle, wie der zweite Weltkrieg ausgegangen ist. Nancy (und natürlich alle anderen) haben gekämpft. Sie hat sinnlose Morde mitangesehen, Menschen verloren, die ihr ans Herz gewachsen waren und musste selbst Menschen töten. Sie war in gewissem Sinne erfolgreich, wobei es in Anbetracht der Situation wohl nichts ist, womit man herumprahlen würde. So, wie sie im Buch dargestellt wird, würde ich sagen: sie hat getan was nötig war.

Fazit?
„Die Spionin“ ist ein spannender Roman, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Man spürt regelrecht, in welche Gefahr Nancy sich jedes Mal begibt und hofft jedes Mal, dass sie unbeschadet bleibt (obwohl man es ja lange Zeit weiß, denn ohne die Hauptperson wäre das Buch ja zu Ende). Außerdem wurde ich durch dieses Buch, das auf der wahren GEschichte der Nancy Wake beruht, wieder auf einen Aspekt der Geschichte aufmerksam, mit dem ich mich bislang nicht intensiver beschäftigt habe.
Dieses Buch gehört definitiv zu meinen Lesehighlights des Jahres.

Sonst nochwas?
Für Interessierte gibt es im Anhang noch weitere Buchtipps zu Nancy Wake, außerdem wird dort erklärt, was im Buch nicht der Realität entspricht und aus welchen Gründen die Autoren es für die Geschichte angepasst haben.

gelesen: Arne Hoffmann – Quickies

erschienen am 31.03.2021 bei Blue Panther Books

Worum gehts?
Wie der Titel schon sagt, es geht um schnellen Sex an ungewöhnlichen Orten. Wie man sich dem Thema annähern kann und was man tun kann (oder sollte) damit es ein erfüllendes Erlebnis und kein totaler Reinfall wird.

Wenn man bekanntermaßen viel liest, wird man hin und wieder nach der aktuellen Lektüre gefragt. Zugegeben, je nachdem wer mir diese Frage stellt, nenne ich auch schonmal den Titel des Buches, das ich vor dem aktuellen gelesen habe. Manchen Leuten möchte man vielleicht einfach nicht auf die Nase binden, womit man sich so beschäftigt. Aber das kommt eher selten vor. Ich habe ja zudem den Vorteil, in einer Buchhandlung zu arbeiten und da ist es ratsam, sich durch so ziemlich alles zu lesen, was man finden kann.
Trotzdem hier mal zwei Beispiele wohin sich bei mir die „Was liest du?“ Frage entwickeln kann.

Was liest du?
„Quickies. Sex an ungewöhnlichen Orten. Erotik Ratgeber.“

Echt jetzt? Warum?
„Weil ich grundsätzlich neugierig bin. Auf alles. Naja, fast alles. Außerdem ist Sex ein allgegenwärtiges Thema.“

Hmmm…

Es folgt der Moment des nachdenklichen Schweigens, in dem mein Gegenüber entweder darüber nachdenkt, wie man am geschicktesten auf ein unverfänglicheres Thema überleitet, oder darüber, ob da nicht vielleicht doch eine Frage zum Buch oder zum Thema im Kopf herumspukt, die gestellt werden könnte. Falls die Hemmschwelle überwunden werden kann.

Ein gänzlich anderer Gesprächsverlauf würde mich bei meinem besten Freund erwarten.

Big: „Was liest du?“
Ich: „Quickies. Sex an ungewöhnlichen Orten. Ein Erotik Ratgeber.“

Auf seinem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus bei dem ich gar nicht fragen muss, was ihm gerade durch den Kopf geht und bei dem ich genau weiß, was als nächstes passiert. Er wird Fragen stellen. Fragen, die mir nicht gefallen, weil sie mich dazu zwingen, mich aus meiner persönlichen Komfortzone hinauszubewegen.
Big: „Interessant. Und?“
Ich: „Offenbar sind Quickies eine Wissenschaft für sich, die ausreichende Planung für eine erfolgreiche Umsetzung benötigen.“

Er grinst schon wieder. Weil er ebenso gut wie ich weiß, dass meine Antwort zwar eine Antwort war, allerdings nicht das, was ihn tatsächlich interessiert.
Big: „Um welche ungewöhnlichen Orte geht es?“
Ich: „Balkon, Aufzug, Restauranttoilette, Auto, Wald, Wasser… Ich bin mir allerdings gerade nicht sicher, ob die die tatsächlich als so ungewöhnlich bezeichnen würde.“

Das ist der Moment, in dem Big völlig schmerzbefreit eine Frage raushaut, die ihm in diesem Moment durch den Kopf geht, mir jedoch die Schamesröte ins Gesicht treibt.
Big: „Was davon hast du schon durch?“

STOPP!

Ich erspare euch (und vor allem mir) die Antwort, gebe aber zu, dass er eine bekäme (auch wenn ich mir in dem Moment vermutlich lieber einen Knoten in die Zunge machen würde). Eine die ihn ein wenig überrascht, zu weiteren Nachfragen führt (auf dich ich ebenfalls antworte) bis wir irgendwann an den Punkt gelangen, an dem wir an die sich stetig verändernden Grenzen unserer Freundschaft stoßen und uns über andere Dinge unterhalten.

Ich habe dieses Buch also gelesen. Es liest sich ganz gut (nicht nach „Bedienungsanleitung“ obwohl es irgendwie genau das ist), lässt einen hin und wieder Schmunzeln (Thema: Sex im Auto. Da ist immer etwas im Weg. Entweder man stößt irgendwo dran, drückt auf die Hupe oder löst die Alarmanlage aus.), bietet aber auch ein paar Informationen, die man bislang wohl nicht unbedingt hatte (Sex in der Öffentlichkeit ist keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Zumindest in Deutschland. Obacht wenn ihr im Ausland auf solche Ideen kommt…).